Mittwoch, 14.11.2018

|

zum Thema

Metal auf Fränkisch: Die Band Van Schelln im Interview

Auf dem Summer Breeze Open Air feierte die regionale Truppe ihr Debüt - 20.08.2018 08:16 Uhr

Ihr Debüt-Album "Schellnbringer" enthält zehn Lieder, die einen humorvollen, tiefen Einblick in die Seelenwelt des Franken liefern. © Van Schelln


nordbayern.de: Ihr Jungs hattet auf dem Summer Breeze Open Air 2018 euer Debüt. Eine Stunde lang war die Ficken Party Stage die eure. Aber warum eigentlich Metal? Was verbindet euch mit der Stilrichtung?

Van Schelln: Rock und Metal haben uns schon in unserer Jugend geprägt - Musigg brauchd oddndlich Drugg.

Und diesen Druck baut man am besten auf Fränkisch ab? Ist Fränkisch denn eine Metal-Sprache?

Van Schelln: Fränkisch ist halt unsere Sprache - und damit der authentischste Weg, auszudrücken, was uns bewegt... Duunnerwedder!

In einem eurer Lieder - "Scheiß die Wänd oh" - besingt ihr den Nürnberger Plärrer. Vielleicht seid ihr damit nicht die ersten, die ihrem Unmut über den Verkehr in der Innenstadt über ein Lied Luft machen, aber sicherlich die ersten, die damit auf dem Summer Breeze auftreten.

Van Schelln: Allmächd, Zeit is worn. Musik drückt ja Gefühle aus. Und wer im Stau am Plärrer keine Gefühle entwickelt ("Scheiß die Wänd oh!"), ist ned ganz echt. Insofern hat der Song sein müssen. Wer den Franken kennt, der weiß aber ja auch, dass man sich manchmal extra in den Stau am Plärrer stellt - wenn man zum Beispiel nicht heim will zu seiner Frau. (die Vier lachen) Der Song selbst ist übrigens noch ganz frisch und deshalb noch nicht auf dem Album. Aber den reich mer bei Gelegenheit auf unseren Kanälen nach. 

Mit eurem Debüt habt ihr es schon bis auf's Summer Breeze geschafft. Dort spielt ihr vor denselben Fans wie Powerwolf oder Papa Roach. Warum funktioniert das Konzept von Van Schelln?

Van Schelln: Schön, dass es funktioniert! Für uns hat es sich einfach von Anfang an richtig angefühlt. Wir denken aber, dass wir dem Franken eine gute Möglichkeit geben, mal ein bisschen über sich selbst zu lachen, und ihn gleichzeitig mit recht angenehmen Gwerch versorgen.

Metal auf Fränkisch - das ist für viele eine sehr ungewohnte Kombination. Was müssen eure zukünftigen Fans mitbringen, um dem Stilmix von Van Schelln zu erliegen?

Van Schelln: Eigentlich nix. Weil selbst wenn se kein Fränkisch verstehen, bring mers ihnen bei. 

Auftritt mitten auf dem Plärrer?

Als Männer aus der Region habt ihr doch sicher einen Ort, auf dem ihr vor Franken in Franken auf Fränkisch auftreten wollt? 

Van Schelln: Abgesehen vom Summer Breeze? (die Vier lachen) Mitten am Nürnberger Plärrer - damit sich der Stau mal lohnt. 

Ihr liebt euren Dialekt, ihr singt euren Dialekt, ihr lebt euren Dialekt - Was sind eure Lieblings-Dialektwörter?

Van Schelln: Fränkisch auf einzelne Wörter zu beschränken, wäre dieser Sprache nicht angemessen. Das Schöne am Fränkischen ist ja, dass der Facettenreichtum erst durch das Zusammenspiel der unterschiedlichen Ausdrücke und der konkreten Situation zustande kommt: Der Franke an sich is ja eher maulfaul - aber zu sagen hat er immer was. Und "Gennä her" funktioniert ja zum Beispiel perfekt als Flirtversuch - aber auch im gegenteiligen Fall. Also halt eigentlich immer, wennst willst, dass einer mal her geht. Gell.

Fränkisch bedeutet nicht nur Sprache, es bedeutet auch Landesküche. Eines eurer Lieder habt ihr dem Bratwurstghäck gewidmet. Was wird als nächstes besungen: Drei im Weckla oder Schäuferla?

Van Schelln: Wir wollen natürlich nicht zu viel verraten, aber da haben wir tatsächlich was in Arbeit. Aber "Broudwoschdghäggwägg" beschreibt für den Franken natürlich nicht nur ein Lebensmittel, sondern ein Lebensgefühl. (alle Vier nicken zustimmend)

Jetzt ist Fränkisch ja vielleicht ein Dialekt, der sich gut mit Metal-Sounds kombinieren lässt, aber sind die Möglichkeiten der Texte nicht irgendwann erschöpft? Immer nur Mundart, da gehen doch zwangsweise mal die Sprichwörter und Begriffe aus?

Van Schelln: Zwar hat das fränkische Alphabet zwei Buchstaben weniger als das Hochdeutsche, aber wir machen uns da keine Sorgen.  

Interview: Marina Hochholzner E-Mail

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Nürnberg