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Mit Eckart von Hirschhausen auf der Suche nach dem Glück

Kabarettist war Stargast beim Nürnberger Stadtgespräch - 24.11.2015 06:00 Uhr

"Beurteilen Sie andere Menschen nicht voreilig und seien Sie in Ihrem Element", sagt Eckart von Hirschhausen. © Roland Fengler


Klar, dass einer wie er, der hauptberuflich nach dem Glück sucht, so etwas bei sich hat: Eckart von Hirschhausen hat seinen Glücksbringer mit aufs Podium gebracht - einen Pinguin aus Stoff. Was es mit dem auf sich hat, verrät der bekannte Kabarettist allerdings erst nach eineinhalb spannenden und unterhaltsamen Stunden im Bildungszentrum zum Thema "Wie kann man Glück lernen?".

Eine Frage, von deren Beantwortung eine ganze Glücksindustrie mit ihren Ratgebern, Seminaren und pharmazeutischen Helfern gut lebt. Der Mediziner von Hirschhausen ist natürlich Teil dieser Branche - aber er ist ausgestattet mit der seltenen Gabe, wissenschaftliche Erkenntnisse und Humor miteinander zu verbinden.

Geschickter Selbstvermarkter

Normalerweise lockt der Fernsehstar, Buchautor und durchaus begnadete Selbstvermarkter Tausende an - wie am Montag in der Meistersingerhalle. Beim Nürnberger Stadtgespräch - einer Veranstaltungsreihe von Nürnberger Nachrichten, dem Bildungszentrum der Stadt und dem Caritas-Pirckheimer-Haus - stellte er sich hingegen im kleinen Rahmen den Fragen von gut 200 Besuchern und NN-Redakteur Hans-Peter Kastenhuber.

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Morgens einfach mal ausschlafen oder Freunde haben, die für einen da sind: Was Glück bedeutet, empfindet jeder anders. Wir haben uns in Nürnberg umgehört - bei Promis und bei Passanten auf der Straße.


Der bringt gleich zu Beginn die Sprache auf die beinahe schon „manische Glückssuche“ der Deutschen, die zwar seit Jahrzehnten in Frieden und Wohlstand leben, aber dennoch in Umfragen immer wieder angäben, nicht zufrieden zu sein. Der Grund? "Das Versprechen des Kapitalismus, dass mehr Geld auch mehr Zufriedenheit bedeute, hat sich komplett selbst entlarvt", meint von Hirschhausen und macht die Erkenntnisse der Glücksforschung am Beispiel des Marmeladenkaufs verständlich.

"... dann kippt die Zufriedenheit"

Wer Marmelade will, aber keine bekommt, sei unglücklich. Wer drei verschiedene Marmeladen in seinem Supermarkt vorfinde, sei mit dem Angebot zufrieden. Stünden hingen 20 Brotaufstriche im Regal, arte das in Stress aus. "Wenn es zu viele Optionen gibt, dann kippt die Zufriedenheit und das kann in eine persönliche Sinnkrise ebenso führen wie in eine Staatskrise“, diagnostiziert der Arzt. Doch gerade die Flüchtlingskrise hat von Hirschhausen gezeigt, dass sich die Gesellschaft wandele, sich vom Zwang des Konsums freimache. "Wenn Tausende Flüchtlinge am Bahnhof stehen, dann haben Sie eben keine Optionen mehr, dann müssen Sie helfen" - und genau das hätten die Ehrenamtlichen vorbildlich getan.

Und der Pinguin? Einen der schwarz-weißen Wasservögel hat von Hirschhausen einmal in einem Zoo beobachtet - und ihn wegen seiner kurzen Beine und den fluguntauglichen Flügeln bemitleidet. Als er ihn allerdings schwimmen sah, erkannte er, dass er das Tier zu früh beurteilt hatte. "Wer einen Pinguin sieht, weiß, dass sie fliegen können - sie müssen nur in ihrem Element, im Wasser, sein."

Der Rat an alle Glückssuchenden: „Beurteilen Sie andere Menschen nicht voreilig und seien Sie in Ihrem Element, damit Ihre Stärken zum Tragen kommen.“ 

ARMIN JELENIK

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