Modell-Treffen: U-Boote im Stadionbad

28.4.2014, 00:00 Uhr
Modell-Treffen: U-Boote im Stadionbad

© Roland Fengler

Alle zwei Jahre, erzählt Vereinsvorstand Matthias Ahrens, versammle man sich zum traditionellen U-Boot-Treffen im Stadionbad, 2014 bereits zum 15. Mal. „Ein Nischenhobby“ im Modellbau, wie der 38-Jährige zugibt. Weil man sich, anders als etwa bei maßstabsgetreu nachgebauten Dampf- oder Segelschiffen nicht am Dahingleiten des Modells auf der Wasseroberfläche erfreut, sondern die Steuerung mittels Fernbedienung höchste Konzentration erfordert.

Als „Fahrradfahren mit verbundenen Augen und freihändig“ müsse man sich das vorstellen, so Georg Reusch, einer von gut 50 Mitgliedern des Clubs und dessen Jugendleiter. Deswegen sei U-Boot-Fahren nicht so seins. Dass er dennoch dabei ist — Ehrensache! Zudem durfte am folgenden Tag „alles, was schwimmt, mitgebracht werden, um als Verein zu zeigen, was so alles geht“, sagt Ahrens.

Und „gehen“ tut einiges. Die rund 40 U-Boote im Stadionbad zeigen die ganze Spannbreite dessen, was man mit dem Modellbau machen kann. Teils als Bausätze erworben, teils nach originalen Bauplänen minutiös nachkonzipiert, besteht der Großteil der gezeigten Tiefseetaucher vornehmlich aus Rüstungsmodellen. „Das liegt einfach daran, dass es kaum zivile U-Boote gibt. Wir sind bestimmt keine Waffennarren, sondern lediglich begeistert von der Technik“, betont Ahrens.

Die Technik verbirgt sich wie bei den großen Brüdern im Inneren der hydrodynamischen Geschosse – das leistungsstärkste Boot im Becken erreicht mit knapp vier PS eine Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern – und ist mit unendlicher Geduld und Akribie hineingefieselt. Die dafür investierte Zeit könne, erklärt Ahrens, „in die Jahre gehen“. So hat der Verein bereits 2012 damit begonnen, einen in Nürnberg stationierten Eisbrecher nachzubauen, um ihn dereinst dem Wasser- und Schifffahrtsamt als Zeichen der Dankbarkeit zu überreichen. Schließlich sei man dort sehr entgegenkommend, was das „befahren“ etwa des Main-Donau-Kanals betreffe.

Weitgehend blind steuert man die Boote natürlich auch dort: Hat sich das Modell über ein Pumpensystem erst einmal mit Wasser befüllt, taucht es ab. Und dem Lenker bleiben allein das Gefühl für und die Erfahrung mit der richtigen Kombination der zahlreichen Knöpfe und Hebel auf der Fernbedienung, um es heil wieder aus der Tiefe emporsteigen zu lassen.

Mit Torpedos

Mit 16 Zentimetern und gut 40 Gramm hat Werner Kruse heute das Fliegengewicht im Gepäck – ein voll funktionstüchtiges U-Boot, das sogar über abschießbare Torpedos verfügt. „Die lässt man aber besser höchstens in der Badewanne los“, schmunzelt der 75-Jährige, der bereits um die 20 Boote nachgebaut und als Rentner diese Passion für sich entdeckt hat.

Erfährt man vom Gewicht, das die U-Boote üblicherweise auf die Waage bringen, wird klar, wieso die Steuerung so schwierig ist. Selbst Matthias Ahrens so leicht wirkender 130 Zentimeter langer Nachbau eines amerikanischen Atom-U-Bootes bringt es auf stolze 15 Kilo, ist aber im Gegensatz zu den Titanen des U-Boot-Modellbaus ein Winzling, kreuzen die doch mit stolzen 50 Kilo durch die fränkischen Gewässer. Havarie? Bitte nicht.
 

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