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Neonazis urinieren auf Gedenktafel für NSU-Opfer in Nürnberg

Hetze im Netz: Rechtsextreme stellen Anhänger der linken Szene bloß - 18.02.2016 16:57 Uhr

Die drei Männer pinkeln auf dem Foto auf die Gedenktafel für die NSU-Opfer am Kartäusertor.

Die drei Männer pinkeln auf dem Foto auf die Gedenktafel für die NSU-Opfer am Kartäusertor. © Screenshot: Facebook


Auf der unter dem Namen "Nürnberg gegen Antifa’s" eingerichteten Seite war bis zum Donnerstagnachmittag unter anderem ein Foto gepostet, das drei junge Männer zeigte, die nachts gegen die am Kartäusertor aufgestellte Gedenktafel für die NSU-Mordopfer urinierten. Darüber die Zeile: "Wir pissen drauf!"

Ein Polizeisprecher teilte auf Anfrage mit, dass bereits wegen "Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener" und wegen Störung der Totenruhe ermittelt werde. Die beiden Delikte können mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei beziehungsweise bis zu drei Jahren bestraft werden.

Die von hinten fotografierten Männer, bei denen es sich vermutlich um Mitglieder der rechtsextremistischen Szene handelt, sind auf dem Foto nicht zu erkennen. Trotzdem schließt die Polizei einen Fahndungserfolg nicht aus.

Hauptzweck der Facebook-Seite, die am Donnerstag kurz vor 16 Uhr gesperrt wurde, war das "Outen" von angeblichen Aktivisten der linken "Antifa". Mehrere junge Personen wurden samt Namensnennung im Bild gezeigt, und es wurde angeboten, "auf Anfrage" auch noch die Anschrift zu liefern.

Rechte und linke Szene liefern sich auf diese Weise seit längerem einen mit mehr oder weniger unterschwelliger Gewaltandrohung versehenen "Outing"-Schlagabtausch im Internet. Laut Staatsanwaltschaft kann in solchen Fällen nur ermittelt werden, wenn Betroffene wegen Verletzung des Urheberrechts (Recht am eigenen Bild) Strafantrag stellen.

Den Verantwortlichen von Facebook ist häufig vorgeworfen worden, sie würden rechtsextremistische Inhalte nicht sperren. In diesem Fall kam die Reaktion von dem sozialen Netzwerk sehr schnell. 

hpk

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