Mittwoch, 16.01.2019

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Neue Mode: Auf Shampoo zu verzichten

Dermatologe empfiehlt Arztbesuch statt Experimente - 25.01.2012 13:19 Uhr

Der Nürnberger Dermatologe Oliver Weber.


Auf Deutsch heißt das schlichtweg, dass man sich nicht mehr die Haare wäscht. Jedenfalls nicht mit Shampoo, sondern ausschließlich mit Wasser. Das soll bei juckender, trockener, aber auch fettender Kopfhaut für eine natürliche Regulierung der Talgproduktion sorgen – weil eben nicht mehr durch schäumende Shampoos entfettet und gereizt werde.

In diversen Internetforen gibt es teils seitenlange Diskussionen darüber, wie viel besser, schöner und gesünder Haare und Kopfhaut nach der Entwöhnung seien. Manche „beichten“ regelrecht beschämt, dass sie mal wieder zu einem Shampoo gegriffen hätten, „aber ich mache das maximal einmal im Monat“, versichert eilig eine Bloggerin, die ausführlich über ihr „No-Poo-Experiment“ berichtet.

Das teuflische Potenzial von Shampoo kann Oliver Weber, Dermatologe aus Nürnberg, nicht erkennen. Er bietet in seiner Praxis Noris-Dermatologie unter anderem auch eine Haar-Sprechstunde an. „Wenn jemand eine juckende Kopfhaut hat, kann man ihm nur eines empfehlen: Zum Hautarzt zu gehen, um abzuklären, welche Ursache das hat.“

Am häufigsten seien zwei Ursachen: Eine Schuppenflechte oder ein sogenanntes seborrhisches Ekzem. Letzteres betrifft die Talgdrüsen – und ist nicht nur behandlungsbedürftig, sondern auch gut und schnell zu beheben. „Auf der behaarten Kopfhaut, die sehr dick ist, kann eine kurzfristige lokale Therapie mit Kortison in Kombination mit speziellen Haarshampoos nicht nur effektiv, sondern auch weitestgehend unproblematisch helfen“, erklärt Weber. Was dieses Ekzem verursacht, darüber streitet allerdings die Fachwelt. Eventuell spielten Mikroben eine Rolle, sagt Weber. Die Kopfhaut sei ein öliges Milieu voller Bakterien; ob es bei Juckreiz also helfe, monatelang die Haare nicht wirklich zu reinigen, sei fraglich. „Wenn eine Kopfhaut ungehemmt fetten darf, ist das ein perfektes Milieu für Bakterien und Hefepilze.“ Eine bestehende seborrhische Dermatitis könne sich dadurch noch verstärken.

Monatelang fettiges Haar



Das wird die Anhänger der „No-Poo-Methode“ nicht überzeugen: Sie sind der festen Überzeugung, dass die Tenside, Farb- und Parfümstoffe in Shampoos die Kopfhaut reizen. Begeistert berichten sie im Internet, dass nach „einer gewissen Übergangszeit“ das Haar voller, dichter und schöner sei. Und die Kopfhaut ganz gesund. Dass die „gewisse Übergangszeit“ teils monatelang fettiges Haar bedeutet, dem mit Natronspülungen und Bürsten mit Naturborsten entgegengewirkt werden soll, wird diskutiert, aber als Randeffekt hingenommen. Auch Weber bestätigt, dass die Fettung zunehme, dann aber auf einem Plateau stagniere. „Die Fettung wird also nicht weniger, sie nimmt nur nicht kontinuierlich zu.“

Dass es Allergien auf Bestandteile in Shampoos gibt, weiß auch Dermatologe Weber, sie seien allerdings sehr selten, erklärt er. Was jedoch unbestreitbar ist, sei, dass „zu oft, zu lang und zu heiß geduscht wird“. Gerade Menschen mit Neurodermitis müssten sehr darauf achten, eher selten und kühl zu duschen – und ihre Haut ohne Unterlass zu pflegen, ihr also Feuchtigkeit und/oder Fett zuzuführen. Egal aber, ob juckende Kopfhaut von einem Ekzem oder einer Schuppenflechte oder einer anderen Erkrankung herrühre: Der Fachmann empfiehlt einen Arztbesuch. Und keine Experimente.

  

Isabel Strohschein

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