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Nordstadt: Familien hausen in desolaten Wohnungen

Schimmel und völlig veraltete Elektrik: Baubehörde und Jugendamt aktiv - 21.03.2017 05:41 Uhr

Die Wände mit Schimmel befallen, die Elektrik veraltet: Behörden wollen in der Nordstadt einschreiten. (Symbolbild)

Die Wände mit Schimmel befallen, die Elektrik veraltet: Behörden wollen in der Nordstadt einschreiten. (Symbolbild) © Archiv


Die Familien selbst, die in den drei Wohnungen in der Mohnstraße - eine Seitenstraße der Neuen Hegelstraße - untergebracht sind, versuchen, sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren. Die Angst, die Wohnung zu verlieren, ist groß. Sie stammen aus den sogenannten EU-2-Staaten, Bulgarien oder Rumänien.

Nun ergingen Hinweise an die Behörden, dass die Bewohner - darunter auch ein Säugling - hier unter menschenunwürdigen Bedingungen leben müssten. Ein vom Vermieter beauftragter Handwerker sagte gegenüber dem Stadtanzeiger, dass er in der Wohnung viel mehr instand setzen müsste, aber dazu nicht die Order hat. "Eigentlich müsste ich die Elektroleitung stilllegen", meinte er.

Alles sei stets nur provisorisch repariert worden. Dies gehe schon seit Jahren so, sagt der Fachmann. "Immer nur schnell und billig - das kann auf Dauer nicht gutgehen."

"Nicht akzeptabel"

Sowohl das Jugendamt als auch die Bauordnungsbehörde haben sich nun vor Ort ein Bild von dem Haus gemacht. Ergebnis: "Der Zustand des Gebäudes ist tatsächlich nicht akzeptabel", sagt Frank Schmidt, Bereichsleiter der Sozialen Dienste, auf Anfrage. Noch sei es aber nicht nötig, etwa die Kinder herauszunehmen. Ihr Wohl sei augenblicklich nicht gefährdet. "Dies wäre dann der Fall, wenn Stromleitungen offenliegen oder das Gebäude einsturzgefährdet ist", sagt Schmidt.

Aktuell sei man jedoch mit den Familien im Gespräch und bemüht, eine alternative Unterkunft zu finden. Die Familien bekommen teilweise Unterstützung vom Jobcenter und kommen für einen Teil ihrer Mietkosten selbst auf.

Die Bauordnungsbehörde hat jetzt den Kontakt zum Vermieter aufgenommen. Dieser soll nun Fachfirmen beauftragen, um die Mängelliste abarbeiten zu lassen. Wie Gerhard Steinmann, Dienststellenleiter der Bauordnungsbehörde, sagt, sei der Zustand der besehenen Immobilie auch aus Sicht der Bauordnungsbehörde als Ausnahme einzuordnen.

Der Vermieter, selbst Bauingenieur, wollte gestern Abend am Telefon keine Stellungnahme zu seinem Objekt abgeben. 

Rurik Schnackig

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