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PFC am Flughafen: Bodensanierung dauert noch viele Jahre

An Löschbecken Ost und Ziegellach schlummern weiter über 60 Kilo Chemikalien - 28.02.2018 05:55 Uhr

Die gesetzlichen PFC-Grenzwerte sind am Nürnberger Flughafen um ein Vielfaches überschritten, die Grundwasserreinigung läuft seit dem vergangenen Jahr. © Eduard Weigert


Besonders viele Per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) sind rund um das Löschbecken Ost ins Erdreich gelangt. Die gesetzlichen Grenzwerte sind um ein Vielfaches überschritten. Mit hydraulischen Verfahren läuft dort schon seit vergangenem Jahr eine Grundwasserreinigung.

Bis Mitte Dezember seien bereits knapp 3,8 Kilogramm PFC aus der Tiefe geholt worden, heißt es in einem Bericht für den Umweltausschuss des Stadtrats, der sich in der kommenden Woche mit dem Thema beschäftigt. Insgesamt sollen an diesem östlichsten Flughafenzipfel 36 Kilogramm im Boden schlummern. Weil die Fachleute nach den bisherigen Messungen das Risiko eines weiteren Absinkens der Giftstoffe in noch tiefere Schichten für gering halten, soll nun auf die Förderung von Grundwasser aus dem Stockwerk III verzichtet werden.

Leitung zum Bucher Landgraben

Um ein Auswaschen zu verhindern, war bereits die Oberfläche abgedichtet und ein Zustrom von der Rathsbergstraße her unterbunden worden. Das gereinigte Grundwasser plätschert über eine Leitung in den Bucher Landgraben. Nun stehen am Löschbecken Ost noch Bauarbeiten zum Wiedereinbau von umgelagertem Erdreich an und zum Rückbau nicht mehr benötigter Grundwassermessstellen. Für die Arbeiten mit schwerem Gerät musste der Flughafen eigens eine Genehmigung des Luftamts Nordbayern einholen; die liegt seit diesem Monat vor. Aus Sicherheitsgründen können die Arbeiten allerdings nur nachts erfolgen, solange keine Starts und Landungen anstehen – voraussichtlich Ende April.

Zweiter "Krisenherd" sind die Herbstwiesen und die Ziegellach südöstlich des Flughafengeländes. Dort werden 29 Kilogramm PFC vermutet; für die "Abstromsicherung" wurde inzwischen eine Trasse gefunden, die den Eichenbestand schont. Damit nicht genug: Es kommt auch darauf an, den labilen Wasserhaushalt während der Sanierung möglichst im Lot zu halten – mit Rücksicht auf die vielfältige Vegetation und Tierwelt.

In geringerem Umfang ist eine Sanierung schließlich am Löschbecken West erforderlich. Ausführlich will der Flughafen die örtlichen Bürgervereine und Fachverbände bei einer Veranstaltung im Frühjahr informieren.

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Die Altlasten und ihre Beseitigung blockieren bekanntlich auf lange Sicht auch eine mögliche Nordanbindung des Flughafens an die Autobahn A 3. Für die Spange müsste das östliche Flughafenareal genau in der kritischen Zone untertunnelt werden. Die Mehrheit des Stadtrats hat das Vorhaben zwar schon formal beerdigt, aber Wirtschaftsverbände, die Flughafengeschäftsführung und die CSU wollen sich nicht damit abfinden und versuchen, das Thema am Kochen zu halten.

Einst fand PFC übrigens nicht nur in Löschschäumen Verwendung, sondern auch in der Textil- und Fotoindustrie, in Antihaftbeschichtungen und bei der Papierveredelung. Bei Brandschutzübungen verwendet die Flughafenfeuerwehr heute Wasser, im Ernstfall werden neu entwickelte, PFC-freie Löschmittel eingesetzt. 

Wolfgang Heilig-Achneck

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