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Platzmangel in Nürnberg: Ein Zeltlager für die Asylbewerber?

Einrichtungen überfüllt: Stadt steht weiter massiv unter Druck - 23.07.2014 07:00 Uhr

Platz ist in Asylbewerberheimen Mangelware. In Nürnberg könnte nun eine ganze Zeltstadt entstehen. © Horst Linke


Diesbezüglich hätten auch schon Gespräche mit dem Bayerischen Roten Kreuz stattgefunden, das für eine solche Zeltstadt die Infrastruktur bereitstellen könnte, erläutert Maly auf NZ-Anfrage. Eigentlich kümmert sich die Regierung von Mittelfranken um die Unterbringung der Flüchtlinge. Weil Nürnberg aber inzwischen die vorgeschriebene Quote nicht mehr erfüllt (die Stadt muss gut 33 Prozent der in Mittelfranken ankommenden Asylbewerber aufnehmen), ist die Stadtverwaltung aufgefordert, Quartiere für die hilfesuchenden Menschen zu finden. Beinahe wöchentlich kommen Auflagen der Regierung, weitere Asylbewerber unterzubringen.

Dass die Regierung kürzlich eine große Unterkunft am Rangierbahnhof eröffnete (93 Plätze), brachte nur vorübergehend Entlastung, berichtet Maly. „Wenn 100 Flüchtlinge pro Woche nach Mittelfranken kommen, muss Nürnberg 33 davon aufnehmen. Da kann man sich ausrechnen, wie rasch die Plätze belegt sind.“

Nach dem Hotel am Park (60 Plätze) und zwei kleineren Wohneinheiten mit insgesamt 15 Plätzen hat die Stadt inzwischen in Maiach ein weiteres Hotel gemietet, in das noch einmal rund 60 Personen eingezogen sind. Dort wohnen Maly zufolge unter anderem nun Syrer, Afrikaner, Ukrainer und auch zwei Kubaner. Die Stadt funktionierte zudem ein Stockwerk in einem Haus an der Vorderen Sterngasse zur Unterkunft für 28 Asylbewerber mit arabischem Hintergrund um. Die soziale Betreuung der Flüchtlinge übernahm in den genannten Unterkünften die Arbeiterwohlfahrt.

Für den Herbst rechnet Maly damit, dass er von den Inhabern zweier weiterer Hotels Zusagen erhält – dann wären noch einmal rund 120 Plätze geschaffen. Doch bis dahin sind noch einige Wochen zu überbrücken. Deswegen kann es sein, dass Maly um das Zeltlager zeitweise nicht herumkommt, auch wenn das „eine Schreckensvision“ darstelle, wie der Sozialamtsleiter offen zugibt.

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Ein Blick in das Aufnahmelager für Asylbewerber in Zirndorf

Ende 2012 platzte das Zentrale Aufnahmelager in Zirndorf bereits aus allen Nähten. Selbst die Zelte, die in der Not aufgestellt worden waren, waren belegt. Kurzzeitig hatte sich die Situation etwas entschärft - doch nun ist die bedrückende Enge zurück. Ein Blick hinter die Zäune.


Eine letzte Option, die er davor noch ziehen kann, ist der Westtorsaal. Das ist ein Raum mit 40 bezugsfertigen Betten, der eigentlich für den Katastrophenschutz vorgesehen ist und im Falle von Evakuierungen genutzt werden kann. „Aber ansonsten habe ich bis September gar nichts mehr“, sagt Maly.

Fest steht: Wegen der massiven Flüchtlingsströme wird sich die Zahl der in Nürnberg lebenden Asylbewerber im Jahr 2014 mindestens verdoppeln (von 1000 auf 2000). Doch von den 1000 zusätzlichen Plätzen sind Stadt und Regierung noch weit entfernt. Zudem hat Maly mit Vorbehalten aus der Bevölkerung zu kämpfen: Bei einer Informationsveranstaltung für die Bürger in Maiach wegen des Hotels, in das Asylbewerber eingezogen sind, habe es massive Proteste gegeben, berichtet der Sozialamtsleiter. „Das ist kein Rassismus, aber eine tiefsitzende Fremdenangst.“

Grundig-Türme als möglicher Standort

Unterdessen hat die Regierung von Mittelfranken beschlossen, angesichts der sich zuspitzenden Unterbringungssituation eine Dependance zur Zentralen Aufnahmeeinrichtung in Zirndorf (ZAE) mit einer Kapazität von 500 bis 800 Personen zu errichten. Nürnberg kommt als Standort in Betracht, Angebote können bis 15. September abgegeben werden, bis Jahresende soll das Vergabeverfahren abgeschlossen sein. Immobilienentwickler Gerd Schmelzer nimmt mit den Grundig-Türmen an der Beuthener Straße am Verfahren teil.

In einer solchen Aufnahmestelle bleiben die Flüchtlinge laut Maly nur einige Wochen zur medizinischen Untersuchung und zur Anlegung einer Akte, dann werden sie auf die Unterkünfte verteilt. Gleichwohl würde diese Dependance auf die Quote von gut 33 Prozent voll angerechnet. 

Marco Puschner (Nürnberger Zeitung)

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