Donnerstag, 21.03.2019

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Rechte wollen mit Fackeln in Nürnberg aufmarschieren

Ordnungsamt will NS-Gedenken vor der Lorenzkirche verhindern - 12.10.2016 05:57 Uhr

Im städtischen Ordnungsamt schrillten die Alarmglocken, als die Anmeldung für die Veranstaltung, die am Sonntag von 16 bis 18 Uhr stattfinden soll, hereinkam. Zum einen ist der Anmelder kein unbeschriebenes Blatt: Roland Wuttke, Rechtsextremist und ehemaliger NPD-Vize-Landesvorsitzender in Bayern. Zum anderen aber bereitet dem stellvertretenden Behördenchef das Datum Bauchschmerzen. Denn am Sonntag jährt sich das Ereignis zum 70. Mal, dass in Nürnberg zehn Todesurteile im Prozess gegen die NS-Hauptkriegsverbrecher vollstreckt wurden. "Das Versammlungsdatum ist mit den Ereignissen von damals verbunden", sagt Vize-Amtsleiter Robert Pollack.

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Nürnberger Prozesse: Das waren die zwölf Todesurteile

Vor genau 70 Jahren endete ein Gerichtsverfahren, das Geschichte schrieb. Am 30. September und am 1. Oktober 1946 wurden die Urteile gegen die führenden Vertreter des NS-Regimes gesprochen. 24 maßgebliche NS-Verbrecher waren angeklagt, 21 standen vor Gericht und 12 von ihnen wurden zum Tode verurteilt.


Der Einladung eines Kooperationsgespräches sei der Anmelder noch nicht nachgekommen. Wuttke, der auch bei Kundgebungen der Kleinstpartei "Die Rechte" in München auftrat, gab in der Anmeldung an, mit Fackeln an der Veranstaltung auftreten zu wollen. "Das haben wir untersagt", sagt Pollack. Denn Fackeln oder andere symbolisch aufgeladene Gegenstände erwecken den Eindruck einer Gedenkveranstaltung. Vorsichtshalber hat das Amt auch weitere mögliche Absichten untersagt, die der Anmelder nicht ausdrücklich erwähnt hat: Bilder von hingerichteten NS-Verbrechern oder symbolische Galgen, die hochgehoben werden.

Das Bündnis Nazistopp ruft zur Gegendemonstration auf. Die Aktivisten gehen davon aus, dass die Rechtsextremen gegen die Nürnberger Prozesse "hetzen und verurteilte Hauptkriegsverbrecher reinwaschen" wollen. Das Bündnis hat eine Gegenkundgebung an der Lorenzkirche für 15.30 Uhr angemeldet.

Am Freitagabend und am darauf folgenden Samstagnachmittag planen mit Pegida und dem "Dritten Weg" auch in Fürth gleich zwei Rechtsausleger Demonstrationen. Für Freitag ist bereits eine Gegendemo geplant. 

ALEXANDER BROCK

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