Samstag, 20.10.2018

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Schicker Wohnen in "happy" Nürnberg

In der Nordstadt präsentiert Designer Markus Bischof seine Möbel - 22.01.2013 10:30 Uhr

Entwirft und baut Möbel mit dem Herzen eines Handwerkers: Markus Bischof. © Stefan Hippel


Es ist eine Galerie, ein Wohnzimmer, ein Schaukasten und ja, auch ein Laden: In dem Eckhaus mit großen alten Fenstern hat seit einigen Wochen elegantes und raffiniertes Design Einzug gehalten — eine angenehm wenig unterkühlte Sammlung schöner Einrichtungsgegenstände und Möbel, die aus Bischofs Kreativwerkstatt stammt.

„Eigentlich waren wir auf der Suche nach einem neuen Büro, als wir den Laden vor einem Jahr entdeckt haben“, erzählt der 32-jährige Produktdesigner. Der fünfeckige Raum ohne Hinterzimmer war viel zu klein, dafür aber Liebe auf den ersten Blick. „So ist die Idee entstanden, hier eine Designgalerie einzurichten.“ Schließlich sind Möbel für den gelernten Tischler, der an der Ohm-Hochschule Design studiert hat, die eigentliche Wurzel seiner Arbeit, die längst Produkte für große Hersteller von der Leuchte bis zum Objektstuhl umfasst. Von so viel schlichter Technik ist in der Möbellabel-Galerie kaum etwas zu merken: In der Ecke wärmt der Holzofen, den eine Firma spontan gesponsort hat. Wer reinkommt, wird auch mal mit einem Glühwein empfangen.

Die Möbel, die hier stehen, sind eher Skulpturen. „Form follows Function“ allein reicht Bischof nicht: „Ich mache gern Objekte, deren Bedeutung über die reine Form hinausgeht. Ausgehend von architektonischen Formen und vom Material.“ Vielseitig sind sie auch oft, fordern den Benutzer kreativ heraus wie die Tischleuchte „Nokri“, eine elegante Röhre, die zwei rechte Winkel bildet und in allen möglichen Stellungen oder sogar an der Wand hängend benutzt werden kann.

Ein Bausatz nach Wunsch ist auch das Regal „Tosli“, das aus einem schlichten Korpus und fünf geometrischen Formteilen besteht, die nach Lust und Laune ineinander gestapelt werden können. Dass man sie auch einzeln als Beistelltisch oder als Brennholz-Stapler nutzen kann, beweist Bischof gleich in der Galerie.

Er kommt vom Handwerk, das merkt man dem Erfolgsdesigner an. Material und edle Verarbeitung sind auch der Clou bei seiner Hängelampe „Sigma“, die einen schlanken Eichen-Korpus mit hauchdünnen, stromführenden Stahldrähten als Aufhängung kombiniert. Dafür hat Bischof 2012 den international begehrten Red Dot Design Award eingeheimst.

Auch wenn seine Design-Ideen weit über die Varianten hinausgehen, die ein Kunde direkt beim Handwerker erhält: Bischof lehnt bei seinem Label die anonyme Massenproduktion ab. „Man soll sehen oder spüren, wie ein Stück entstanden ist“, sagt er. „Made in happy Nürnberg – von freilaufenden glücklichen Handwerkern“ hat er sich als Wahlspruch auf die Homepage geschrieben. Die beteiligten Handwerker werden per Beipackzettel kommuniziert.

Dass Nürnberg durchaus „happy“ machen kann, davon ist Bischof überzeugt. Der Designer will die Kreativszene in der Stadt mit vorwärtsbringen und besser institutionalisieren. „Hier ist unheimlich viel Potenzial, man muss das nur noch viel besser nach außen zeigen“, ist er überzeugt.

Ohne Imbusschlüssel

Aus Überzeugung ist er auch aus New York, wo er einst bei Designstar Karim Rashid lernte und arbeitete, nach Nürnberg zurückgekommen. „Das hat etwas mit Verwurzelung und Eigenständigkeit zu tun“, sagt Markus Bischof. Der Erfolg scheint ihm recht zu geben, dass es auch von Nürnberg aus möglich ist, die Designwelt ein bisschen aufzumischen. Und sei es mit einem so kleinen Objekt wie der raffiniert-minimalistischen Wandgarderobe „WaCo“ oder dem Hocker „BeHo“, der auch als Beistelltischchen genutzt werden kann und im Bausatz geliefert wird — garantiert ohne Imbusschlüssel und unverständliche Anleitung.

Bischof ist begeisterter Netzwerker und liebt den Austausch: Kleine Entwürfe von befreundeten Designern wie die eleganten Krawatten-Unikate und Etageren aus altem Porzellan finden auch ein Plätzchen in dem Laden.

Ein regelmäßiges Dinner für Interessierte und Kreative im neuen kleinen Showroom ist auch schon angedacht. Bis dahin bullert der Ofen jeden Samstag von 15 bis 18 Uhr für Kunden und Besucher. 

KATHARINA ERLENWEIN

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