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"Skandalöses" Koch-Event in Flossenbürg sorgt für Wirbel

Veranstaltung sollte in KZ-Gedenkstätte stattfinden - 12.08.2016 06:00 Uhr

Die Erinnerungsarbeit, die in der Oberpfälzer Einrichtung seit vielen Jahren geleitet wird, ist völlig unumstritten. Nur das Begleitprogramm zu einer Ausstellung geriet heftig unter Beschuss. © dpa


Der Auftritt des Kochkünstlers war als echter Glanzpunkt im Begleitprogramm zur aktuellen Wechselausstellung "Family Affair. Israelische Porträts" in der Oberpfälzer Gedenkstätte vorgesehen. Der in Deutschland geborene und in Israel lebende Tom Franz gilt als Star am Herd. Er werde, so heißt es in der Ankündigung voller Begeisterung, die Besucher mit einem Film zu Gourmetköchen in Tel Aviv mitnehmen, ein Israel der "Sinnesfreuden und Geschmacksexplosionen" zeigen. Wer danach Appetit bekomme, könne im Anschluss zum Preis von 24 Euro noch koscheres Büffet genießen. Das alles sollte im ehemaligen SS-Casino stattfinden. Es dient heute als Bildungszentrum und integratives Museumscafé, das von Menschen mit Behinderung betrieben wird.

Die Arbeit der Verantwortlichen in der Gedenkstätte unter der langjährigen Leitung von Jörg Skribeleit ist über jeden Zweifel erhaben. Sie gilt als herausragend für die Gestaltung der Erinnerungskultur in Bayern. Die Kritik entzündete sich auch gar nicht an dem Event selbst, wohl aber ganz massiv an der Wahl des historisch belasteten Veranstaltungsortes.

Von einem "skandalösen Vorgang" sprach Charlotte Knobloch, Präsidentin der Isreaelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und frühere Zentralratspräsidentin. Sie sei entsetzt und fassungslos gewesen über so viel "gedankenlose Unsensibilität". Ausgerechnet an diesem Ort des Grauens und des Trauerns, wo Menschen verhungerten, gequält und ermordet wurden, könne eine solche "fröhliche, genussorientierte Veranstaltung" nicht stattfinden. Alles andere wäre, so Knobloch, nicht nur geschmacklos, "sondern pietätlos und hochgradig geschichtsverdrossen". In Zukunft erwarte sie, dass Inhalte von Veranstaltungen an Gedenkorten künftig wieder gewissenhafter geprüft werden.

Um so erleichterter zeigte sich Knobloch, dass nun innerhalb kürzester Zeit eine andere Lösung gefunden wurde. Für die sorgte Karl Freller als Direktor der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten, zu der auch der Erinnerungsort Flossenbürg gehört. Als der Schwabacher CSU-Politiker von der heftigen Verstimmung auf jüdischer Seite erfuhr, reagierte er umgehend auf die Kritik und begann mit der Suche nach einer Alternative. Die fand er bei der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnbergs. Nun soll das Event wie urspünglich geplant am 8. September dort stattfinden. 

Michael Kasperowitsch

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