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Stadion-"Beschiss": Clubfans kämpfen mit Taubendreck

Tiere werden vom Rasensamen im Max-Morlock-Stadion angezogen - 31.01.2018 05:48 Uhr

Damit der Rasen im Nürnberger Stadion dauerhaft so schön grün aussieht, muss er regelmäßig nachgesät werden. Das freut vor allem Tauben, die die Samen so gerne fressen, dass sie sich in Scharen unter dem Stadiondach einnisten. © Sportfoto Zink / DaMa


Stattliche 420 Euro kostet ein Dauerkartenplatz auf der Gegengeraden für die Heimspiele des 1. FC Nürnberg. Für eine Tageskarte zahlen Besucher bis zu 38 Euro. Umso ärgerlicher ist es da, wenn man den - teuer bezahlten - Platz während des Spiels überhaupt nicht nutzen kann. "Momentan wirst du da dreimal pro Spiel vollgeschissen", schimpfen langjährige Dauerkarteninhaber.

Ein Problem, das man bei der Stadion-Geschäftsleitung kennt - und bedauert, beteuert Sprecher Alfred Diesner. "Wir haben da tatsächlich ein Problem, gegen das wir auch kämpfen, aber das ist schwierig." Was die Tauben am Stadion so super finden, ist nicht etwa der 1. FC Nürnberg, "es ist der Rasensamen. Und auf den können wir kaum verzichten", so Diesner. Nun wird der Rasen des Stadions nicht erst seit dieser Saison mehrfach neu angesät. Der Eindruck, den Besucher der Gegengerade haben, nämlich dass dort erst seit kurzem ein massives Taubenproblem herrscht, täuscht aber nicht. "Früher kamen die Beschwerden vor allem aus dem Oberrang in der Nordkurve", weiß Diesner.

Der Taubenkot auf den Sitzen auf der Gegengerade ist derzeit ein großes Problem. Erst im Frühjahr kann es wohl gelöst werden. © privat


Dort habe man dann Stacheln, so genannte Spikes, an den Stahlträgern des Daches angebracht, um zu verhindern, dass es sich die Tauben dort bequem machen können. "Und was haben die Tauben dann gemacht? Richtig, sie sind weitergezogen zur Haupttribüne. Die Vögel sind leider nicht dumm." Daraufhin wurde auch das Dach über der Haupttribüne mit Spikes versehen. "Wir scheuchen die Tauben sozusagen vor uns her durch das ganze Stadion."

Und jetzt, wo die Vögel weder über der Nordkurve noch über Haupttribüne mehr thronen können, versammeln sie sich eben komplett im Dach über der Gegengeraden, das zwar zumindest an den Querträgern mit Stacheln ausgestattet ist, allerdings nicht an den Längsträgern. "Eigentlich dachten wir, diese Träger seien auch viel zu schmal, so dass die Vögel darauf gar nicht sitzen können." Ein Irrtum, den man bald korrigieren will.

Doch da ist dann auch schon das nächste Problem: die Witterung. Etwa 50 Prozent des Stadiondaches sind bereits "taubensicher", der anderen Hälfte kam der Winter zuvor. "Der Kleber, mit dem die Spikes angebracht werden, braucht eine Temperatur von mindestens zehn Grad über mehrere Tage, sonst hält er nicht", so Diesner. Die Gegengerade kann also wohl erst im Frühjahr von ihrem leidigen Problem befreit werden.

Beschwerde beim Ordnungsdienst

Wer mit seinem Platz bis dahin unzufrieden ist, hat die Möglichkeit, diesen zu wechseln, wie die Pressesprecherin des 1. FC Nürnberg, Katharina Fritsch, auf Anfrage mitteilt. "Wir bieten den Fans seit Bestehen des Problems einen kostenlosen Sitzplatzwechsel. In der Vergangenheit wurde dieses Angebot aber nicht wahrgenommen." Ein kleiner Hinweis an den Ordnungsdienst reiche dafür aus. Beim Club kommen auch immer wieder Beschwerden an. Fritsch: "Bei uns gehen etwa zwei bis drei Beschwerden pro Heimspiel ein – allerdings in Abhängigkeit von Sieg und Niederlage der Mannschaft. Wenn der 1. FCN gewinnt, kommt gar keine Beschwerde."

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Als das Nürnberger Stadion einmal Victory-Stadium hieß

Das "Max-Morlock-Stadion", der oft geäußerte Wunsch vieler Club-Fans, ist Realität geworden. Die Arena des Altmeisters ist nun nach der Vereinsikone, die Deutschland 1954 in Bern zum Weltmeister machte und für den FCN über 22 Jahre lang Treffer an Treffer reihte, benannt. Doch wie hieß die Spielstätte der Rot-Schwarzen eigentlich früher? Auf jeden Fall vielversprechend: Ausgerechnet Victory-Stadium tauften sie die Amis nach dem Zweiten Weltkrieg.


Insgesamt, fasst Alfred Diesner zusammen, bestehe das Taubenproblem übrigens schon lange. "Wir haben mit nahezu allen Mitteln gekämpft." Ein zufälliges aber wirksames Mittel: Vor rund zwei Jahren hatte sich ein Falke auf dem Stadiondach eingenistet und dort gebrütet. "Der hat die Tauben teilweise gefressen", so Diesner. Allerdings seien Falken, anders als Tauben, sehr geräuschempfindlich. Als die Jungvögel geschlüpft waren, hat der Falke das Weite gesucht.

Diesner betont außerdem, dass das Tauben-Problem nahezu jedes Stadion in Deutschland habe, es sei ständig Thema bei der Vereinigung deutscher Stadienbetreiber (VdS). "Und deshalb kann ich eines sicher sagen: das Gelbe vom Ei hat auch woanders noch keiner gefunden." 

Stefanie Taube

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