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Stadt Nürnberg will neue Flüchtlingsheime bauen

Der Zustrom aus Kriegsregionen hält weiter an - 06.02.2015 06:00 Uhr

Wie hier an der Tillystraße werden große Heime benötigt, um Flüchtlinge unterzubringen. © Foto: Edgar Pfrogner


Mit dem Bau großer Einrichtungen weicht die Stadt von ihrer bisherigen Linie ab, Asylbewerber in Hotels oder Monteursunterkünften mit im Schnitt 80 Plätzen unterzubringen. Angesichts der hohen Zahl an Flüchtlingen sei dieser Weg nicht aufrecht zu erhalten, es würden größere Einheiten benötigt, führte Maly im Sozialausschuss des Stadtrats aus.

Gemeinsam mit Liegenschafts- und Stadtplanungsamt habe man drei Grundstücke ins Auge gefasst, auf denen solche Heime entstehen können, die städtische Wohnungsbaugesellschaft (WBG) werde für die Neubauten zuständig sein. Im Jahr 2014, so Maly, habe die Stadt insgesamt 644 Plätze geschaffen, weitere 290 seien derzeit in Vorbereitung.

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Von diesen für die längerfristige Unterbringung vorgesehenen Hotels und Heimen müssen die Erstaufnahmeeinrichtungen unterschieden werden. Dort bleiben die frisch angekommenen Flüchtlinge nur für einige Wochen oder Monate, bis ihr Gesundheitszustand überprüft und eine Akte angelegt ist.

Weil die Zentrale Erstaufnahmeeinrichtung in Zirndorf überfüllt ist, hat die Stadt auch bei der Erstaufnahme der Regierung von Mittelfranken unter die Arme greifen müssen und ein Gebäude an der Tillystraße mit 250 Plätzen zur Verfügung gestellt. Da die Regierung selbst noch ein Gebäude an der Leyher Straße mit 200 Plätzen zu diesem Zweck eröffnete, sei er davon ausgegangen, dass man vorerst über die Runden käme, berichtete Maly. „Aber ich habe gemerkt, dass man so etwas nicht denken soll.“ Die Tillystraße war schnell mit 400 Personen überbelegt.

Insgesamt befinden sich in Mittelfranken laut Maly derzeit 3600 Menschen in den Erstaufnahmeeinrichtungen, für 1200 davon muss danach vermutlich die Stadt eine Bleibe suchen. Maly geht davon aus, dass bis auf Weiteres pro Woche für jeweils „50 Personen plus x“ Plätze gefunden werden müssen.

Das Sozialamt ist aber auch noch zuständig für die Erbringung der Leistungen, die den Asylbewerbern zustehen. Zudem sieht der Behördenleiter eine weitere große Aufgabe darin, den Bleibeberechtigten eine Perspektive zu geben. Mit der städtischen Beschäftigungsgesellschaft Noris-Arbeit (Noa) habe man Konzepte erarbeitet, um die Flüchtlinge an den Arbeitsmarkt heranzuführen. Maly kann sich gut vorstellen, dass die Flüchtlinge perspektivisch dabei helfen könnten, den Fachkräftemangel in den Sozialberufen zu beheben. Die Arbeiterwohlfahrt unterstützt Asylbewerber mit dem Projekt „move in“ bereits bei der Wohnungssuche, diese Initiative soll ausgebaut werden.

Von den Stadträten gab es parteiübergreifend viel Lob für Maly und sein Team; Andrea Loos (CSU) zollte „hohe Anerkennung“, die Grünen-Rätin Andrea Friedel sagte, dass das Vorurteil, Verwaltungen seien unflexibel, vom Sozialamt gerade völlig widerlegt werde. Sozialreferent Reiner Prölß (SPD) verwies allerdings darauf, dass die Belastungsgrenze längst erreicht sei und die städtische Flüchtlingsarbeit mehr Kapazitäten benötige. Diana Liberova (SPD) äußerte ihr Bedauern darüber, dass man um die großen Einrichtungen nicht herumkommt. „Da habe ich schon Bauchschmerzen.“

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Maly freut sich über die Unterstützerkreise, die den Flüchtlingen helfen, ist aber in Sorge, weil in manchen Gebieten auch durchaus Unmut wächst. In Neunhof, wo demnächst eine neue Einrichtung in Betrieb geht, bittet der CSU-Ortsverband die Bürger per Pressemitteilung „um Gastfreundschaft und vorurteilsfreie Aufnahme der Flüchtlinge“.

Im Ausschuss warb Bürgermeister Christian Vogel (SPD) energisch um Solidarität für die Asylbewerber: „Diese Menschen brauchen unsere Unterstützung, und wir haben die verdammte Pflicht, diese Unterstützung zu leisten“, sagte er unter dem Beifall der Räte. 

Marco Puschner

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