Tauben-Problem in Nürnberg: Was tun gegen die Plage?

7.12.2016, 08:37 Uhr
Tauben-Problem in Nürnberg: Was tun gegen die Plage?

© Stefan Hofer

Ihre Hinterlassenschaften an Gebäuden oder auf Sitzbänken in der Stadt sorgen stetig für Verdruss. Deshalb soll ihre Zahl auch möglichst in Schach gehalten werden – durch Futterverknappung. Wer sich beim Taubenfüttern erwischen lässt, dem droht ein Bußgeld ab 50 Euro aufwärts. Je öfter ertappt, desto teurer wird die Tierliebe.

Doch trotzdem ist das nicht Abschreckung genug. Die ÖDP im Nürnberger Stadtrat hat deshalb beantragt, bei den Tieren stärker auf Geburtenkontrolle zu setzen. Dazu sei es nötig, Taubenhäuser oder Taubenschläge zu errichten. Die ÖDP verweist auf Projekte in Ansbach, Augsburg, Erlangen und Regensburg, die durchaus von Erfolg gekrönt seien.

Mit dem Tauben-Problem befasst sich am Mittwoch der Umweltausschuss des Stadtrats. Für ihn hat die Verwaltung eine Übersicht zusammengestellt, welche Wege die anderen Städte gehen – überzeugt ist sie von keiner Variante.

Voliere mit Ausgang zum Freiflug

Ansbach: In Ansbach gibt es seit 2003 einen Taubenschlag im Rathaushof, in dem 25 Tiere wohnen. Betreut werden sie von einem Rentner, der 150 Euro im Monat Aufwandsentschädigung bekommt. Außerdem gilt auch in Ansbach ein kommunales Fütterungsverbot. "Von einem klaren Konzept zur Bestandsregulierung zu sprechen, scheint übertrieben zu sein", lautet das Urteil des Nürnberger Umweltreferats zum Ansbacher Projekt.


Regensburg: Die Stadt setzt wie Nürnberg auf ein Fütterungsverbot. Daneben gibt es eine privatwirtschaftliche Initiative, die ihre Methode unter dem Namen "Regensburger Modell" an der Universität erprobt. Es handelt sich bei der Anlage um einen Taubenschlag mit Freiflugvoliere. Das Prinzip funktioniert folgendermaßen: Die Tauben werden mit Hilfe von Lockvögeln eingefangen und erst einmal in dem geschlossenen System gehalten. Nach einer Weile und entsprechender Konditionierung, dürfen sie auch mal richtig frei fliegen – kommen dann aber immer wieder in ihr vom Menschen geschaffenes Zuhause zurück.

Ihre Eier werden durch Gips- oder Plastikeier ersetzt, so dass sich die Tiere nicht vermehren. Das Modell eignet sich nach Aussage der Betreiber für Problemlösungen an speziellen Standorten – im Bereich von Stadien, Flughäfen oder Produktionsanlagen. Das Fazit der Nürnberger Stadtverwaltung: "Es handelt sich hier eher um ein Angebot zur Lösung lokaler, punktueller Probleme als um eine Methode zur gesamtstädtischen Bestandsregulierung."


In Augsburg gibt es bislang kein Fütterungsverbot. Die Stadt hat ein Stadttaubenkonzept erstellt. Initiiert wurde es von einem pensionierten Lehrer, der sich intensiv um die Taubenschläge kümmert. Auch dort werden zur Geburtenkontrolle die Eier durch Plastikattrappen vertauscht. Zunächst gab es 13 solcher Stationen, mittlerweile sind es nur noch neun, weil nicht mehr alle betreut werden konnten. Nachdem der Projektinitiator aus Altersgründen aufhören muss, übernimmt der Tierschutzverein Augsburg ab 1. Januar 2017 die Arbeit. Ein neuer "Taubenturm" wird im kommenden Jahr aufgestellt, eine Herberge für 200 Tiere. Anschaffungskosten: 58.000 Euro.


Erlangen: In Nürnbergs Nachbarstadt gibt es neben einem Fütterungsverbot seit 1995 das Projekt "Taubenstationen", das von einer Tierschützerin ins Leben gerufen wurde. Mittlerweile gibt es fünf davon. So stehen auf dem Flachdach der Heinrich-Lades-Halle zum Beispiel zwei Gartenhäuschen, in denen sich 250 Tiere aufhalten. Weitere Einrichtungen befinden sich unter anderem beim Bahnhof und beim Stadtmuseum. Mittlerweile kümmert sich der Tierschutzverein um die Stationen. Rund 40 Stunden Arbeit pro Monat investieren die Mitarbeiter in die Taubenbetreuung. Von der Stadt bekommt der Verein seit 2016 einen Zuschuss von 5500 Euro pro Jahr.


Nürnberg hat es Anfang der 90er Jahr auch mit Taubenhäusern versucht – am Jakobsplatz und am Königstor. Gebracht hat der Versuch außer hoher Kosten allerdings nichts.


Vor drei Jahren hat der Umweltausschuss des Nürnberger Stadtrats schon einmal auf Antrag der ÖDP über die Errichtung von Taubenverschlägen diskutiert – und ihn mit großer Mehrheit abgelehnt. Auch heute noch ist die Stadt von der Sinnhaftigkeit von Taubenhäusern keineswegs überzeugt. Weder das Gesundheitsamt noch das Ordnungsamt. Damit würde man den Tieren noch einmal extra ein Futterangebot schaffen, die Populationsdichte nur noch weiter erhöhen und damit auch die Anfälligkeit der Tiere für Krankheiten und Parasiten, heißt es in einer Stellungnahme des Ordnungsamts.

"Betreute Taubenschläge bedeuten zunächst einmal ein zusätzliches Futter- und Brutplatzangebot. Mit ihnen lässt sich keine Reduktion des Taubenbestands erreichen." Es sei zudem nicht Aufgabe der Kommune, Geld und Personal für eine nicht geschützte und bedrohte Tierart einzusetzen. Sollte sich ein überzeugendes Projekt aus bürgerschaftlichem Engagement ergeben, stehe die Stadt dem jedoch gerne unterstützend zur Seite.

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