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Freitag, 14.12.2018

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Trinkfeste Finnen und zeltende Studenten

Die Mölkky-Meisterschaft - ein skurriles Ereignis - 17.06.2008

Finnen können nicht nur gut trinken, sondern auch genau zielen. © Zink


Dass hier Mölkky, dieses in Finnland unglaublich populäre Geschicklichkeitsspiel, ausgetragen wird, erschließt sich allerdings erst auf den zweiten Blick. Stattdessen sieht man Menschen, die scheinbar ziellos über den Platz schlendern und andere, die sich angeregt auf Bierbänken unterhalten. Die Szenerie erinnert an eine kleine Kerwa oder ein feines Musikfestival. Vier Männer, die aussehen, als würden sie seit Jahren zusammen in einer Hardrock-Band spielen, scheinen ihre komplette Campinggarnitur mitgebracht zu haben.

Sie sitzen auf Gartenstühlen und umkreisen einen Tisch, auf dem eine Armada an leeren Bier- und Jägermeisterflaschen lagert. Doch weil Finnen viel vertragen, hat das auf ihre Leistungsfähigkeit keine Auswirkungen. «Suomen Mölkkyliitto» nennen sich die vier kräftig gebauten Finnen, die sich da für das Finale im Teamwettbewerb in Form trinken. Sie sind bereits seit drei Tagen in Nürnberg und nächtigen unentgeltlich im rustikalen Hotel Sanssouci, das beinahe direkt an den Platz angrenzt.

Über den finnischen Verband sind sie auf die offenen Deutschen Meisterschaften in Nürnberg-Ziegelstein aufmerksam geworden und haben sich daraufhin spontan zusammengeschlossen. «Wir mussten überhaupt nicht lange überlegen, ob wir nach Deutschland reisen. Das ist eine tolle Angelegenheit», sagt Matti auf Finnisch, während sein bärtiger Kollege Pertti übersetzt. «Dieses Turnier ist super organisiert, und die Menschen sind sehr gastfreundlich», fügt Matti an, während Janne schelmisch grinsend ergänzt: «Und es gibt gutes Bier hier.»

Im Doppelwettbewerb treffen sich derweil drei Nationen im Finale. Jani (Finnland) und Miroslav (Polen) treten gegen Marko (Finnland) und Nicole (Deutschland) an. Das Paar wohnt in Düsseldorf und reiste mit dem Wohnwagen an, um in Nürnberg das komplette Wochenende dabei zu sein. «Wir betrachten das als kleinen Ausflug, den wir mit einem unserer gemeinsamen Hobbies verbinden können», erzählt Nicole. Gegen das finnisch-polnische Gespann haben sie erwartungsgemäß keine Chance, doch bereits der Einzug ins Finale kam für das Pärchen reichlich unerwartet.

Das gilt an diesem Tag auch für eine Gruppe von Göttinger Studenten, die im Teamwettbewerb ins Endspiel einzog und damit sowohl die drei Nürnberger Mannschaften als auch die anderen drei finnischen Teams hinter sich ließ. «Unser Zug wäre um 15 Uhr gefahren, den können wir nun vergessen», sagt Jeremias vor dem Spiel gegen die trinkfesten Finnen. Ein bisschen angeschlagen sehen er und seine Mitspielerinnen Hannah, Juliane und Carolina aus. Verwundern mag das aber nicht, verbrachten sie die Nacht doch zeltend in Nürnberg. «Es war saukalt», sagt Carolina. An viel Schlaf war da nicht zu denken. Mölkky spielen die Freunde, die sich «4 Fäuste für ein Halleluja» nennen und Fennistik studieren, erst seit sechs Wochen. «Wir haben von der Deutschen Meisterschaft gelesen und dann angefangen zu spielen», klärt Jeremias auf. Ein klarer Nachteil ge-genüber den Finnen, die ihren Sport bereits seit über zehn Jahren ausüben.

Anfangs spürt man das auch. Während bei den Studenten fast nichts klappt, werfen die Finnen mit einer solchen Akkuratesse auf die Holzkegel, dass sie die ersten beiden Spiele im Schnelldurchlauf gewinnen. Mit der sicheren Niederlage vor Augen steigern sich die Göttinger aber plötzlich gewaltig und treffen immer wieder sogar einzelne, hochpunktierte Kegel. Am Ende verlieren sie zwar dennoch nach vier Partien mit 1:3, doch auf ihren Spielgewinn sind sie mächtig stolz. «Die letzten beiden Spiele waren für das Bilderbuch», erzählt Jeremias begeistert. Dann muss sein Team zur Siegerehrung. Es gibt Medaillen - aus Holz natürlich. Und Bier, eh klar. Als die finnische Delegation ihre Nationalhymne anstimmte, durfte man auch ein wenig Gänsehaut bekommen.

«Wir sehen uns im nächsten Jahr an gleicher Stelle wieder», rief der vor Freude trunkene Organisator Horst Neuhoff den Teams per Megafon am Schluss noch zu. Die Göttinger werden sich dann sicher eine andere Zugverbindung aussuchen. 

Siegmund Dunker

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