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Uneinsichtiger Händler füttert täglich Tauben in Nürnberg

Persönlicher Brief: Umweltreferent bittet Ladenbesitzer um Einsicht - 30.09.2016 06:00 Uhr

Rund 80 Tauben warten nur auf den nächsten Leckerbissen, den ein Nürnberger Samenhändler vor die Tür legt. © Günter Distler


Bei Samen Edler in der Hans-Sachs-Gasse in Nürnberg wird nicht nur Vogelfutter verkauft, sondern für die "Ratten der Lüfte" liegt mehrmals täglich eine kostenlose Extraladung Körner vor der Ladentür. Das Gesundheitsamt bittet Edler seit Jahren vergeblich, mit dem Füttern aufzuhören. Jetzt hat sich sogar der Umweltreferent eingeschaltet.

Edler füttert die Tauben vor seinem Laden und auch hinten im Hof, seit er denken kann. Schon sein Vater habe das gemacht. Die Folgen sind für die Bewohner der Wohnungen über dem Geschäft in der Altstadt unappetitlich: Tauben klecksen Kot auf die Balkone, Krähen- oder Eulen-Attrappen auf der Brüstung schrecken sie nicht. Vor der Eingangstür und im Garagenhof steigt man über Dreck und Federn. Wer aus dem Haus tritt oder im Hof den Müll zu den Abfalltonnen bringt, erlebt Szenen wie in Hitchcocks "Die Vögel": Tauben stürzen sich von oben herab und verstellen einem den Weg. In Erwartung einer Ladung Körnerfutter wirken sie durchaus furchteinflößend. "Sie sind es gewöhnt, gefüttert zu werden, und fliegen direkt auf einen zu", sagt Hausbewohner Dieter Reichelt.

Er versucht seit Jahren, Edler davon zu überzeugen, dass die angelockten Tauben eine Zumutung sind. In zig Eigentümerversammlungen sei das ein Thema gewesen. Bis zu 80 Tauben will Reichelt auf den Dächern der gegenüberliegenden Häuser gezählt haben. "Sie warten auf Futter." Wenn sich eine Schar plötzlich herabstürzte, sah er erschrockene Radfahrer, die gefährlich ins Schlingern gerieten. Helmut Edler pflegt eine enge Beziehung zu den Tauben. "Wenn ich im Laden Futter mische, hören die das und stehen an der Tür, die zum Hof führt." Verlässt er den Laden, erkennen sie ihn, "die lauern mir auf".

Dieter Reichelt steht im Hinterhof der Hans-Sachs-Gasse 9. Dort gibt es viele Tauben, weil der Chef vom Laden Samen Edler die Vögel füttert. © Ute Möller


Es habe sich eben so ergeben, dass er sie füttert, wenn sie an der Tür betteln wie hungrige Hunde. Auch seine Kunden, von denen nicht wenige Vogelfutter heimtragen, fütterten damit die Tauben. Morgens finde er zerrupfte Brötchen vor dem Geschäft. "Die fege ich gleich zusammen, weil es sonst so aussieht, als hätte ich die für die Tauben ausgelegt."

Füttern, um sie zu vertreiben

Er wolle nämlich keineswegs mit den zwei Handvoll Körnern, die er täglich aufs Trottoir schleudert, Vögel anlocken. Im Gegenteil: "Ich füttere sie, um sie zu vertreiben", sagt Edler. Was Umweltreferent Peter Pluschke für eine "schräge Auffassung" hält. Dem Gesundheitsamt sei das Taubenhaus in der Hans-Sachs-Gasse bekannt, Mitarbeiter statteten Edler bereits Besuche ab, es gab ein Ordnungswidrigkeitsverfahren. Doch der Ernst der Lage sei trotz allem noch nicht zu dem Händler vorgedrungen. Deshalb schrieb Pluschke jetzt einen persönlichen Brief an Edler.

"Ich bitte ihn darin, das Füttern zu lassen, und weise auf die zivilrechtlichen und ordnungsrechtlichen Konsequenzen hin." In Nürnberg ist es verboten, Tauben zu füttern. Mit einem Bußgeld muss aber nur rechnen, wer auf frischer Tat geschnappt wird und seine Personalien abliefert. "Dafür brauchen wir die Hilfe der Polizei", sagt Pluschke. Die tue viel, habe verständlicherweise aber oft drängendere Probleme. 

Ute Möller

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