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Uni zieht auf früherem AEG-Gelände ein

Oberbürgermeister Maly sieht das Ganze mit "Träne im Knopfloch" - 23.09.2014 16:17 Uhr

Noch ist AEG en Relikt der industriekultur, doch in den kommenden 15 Jahren wird das Gelände zu einem wichtigen Universitäts-Standort ausgebaut.

Noch ist AEG en Relikt der industriekultur, doch in den kommenden 15 Jahren wird das Gelände zu einem wichtigen Universitäts-Standort ausgebaut. © Hagen Gerullis


Die bayerische Staatsregierung plant auf dem früheren Nürnberger AEG-Gelände ein Uni- und Forschungszentrum mit bis zu 5000 Studien- und 850 Arbeitsplätzen. Auf dem rund 100.000 Hektar großen Areal sollen vor allem Technologie-orientierte Fachrichtungen untergebracht werden, berichtete Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) am Dienstag in Nürnberg. Spaenle, der die „Vision“ zusammen mit seinen Kabinettskollegen Joachim Herrmann und Markus Söder (beide CSU) vorstellte, verglich den Technologiecampus mit dem Forschungsstandort Garching im Norden von München.

Nach Ansicht des Erlanger Uni-Präsidenten Karl-Dieter Grüske steht die Universität Erlangen-Nürnberg damit vor „der größten Standort-Restrukturierung in ihrer Geschichte“. Insgesamt entstünden „Auf AEG“ in den kommenden 15 Jahren rund zwölf bisher teils in Erlangen beheimatete Studiengänge. Angesiedelt werden sollen auf dem Gelände der früheren Hausgeräte-Fabrik unter anderem die Maschinenbauer, die Werkstofftechnik und der interdisziplinär angelegte Studiengang „Produktion, Ingenieurwesen und Management“.

In Erlangen verblieben die Grundlagenforschung und die Naturwissenschaften. Mit den freiwerdenden Räumen könne endlich die räumliche Zersplitterung aufgehoben werden. „Derzeit sind allein die technischen Fakultäten auf 28 Standorte verteilt“, berichtete Grüske. Zugleich biete die Umstrukturierung die Chance, die bislang in Nürnberg angesiedelte Ausbildung von Grund- und Haupt- und Realschullehrern in Erlangen zu zentralisieren. Sie soll bis zum Anfang des nächsten Jahrzehnts im heutigen Siemens-Verwaltungsbau, dem sogenannten Himbeerpalast, unterkommen.

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Im September 2014 bot sich für Besucher in Nürnberg auf dem AEG-Gelände die Gelegenheit, sich die Fotografien und Installationen zahlreicher Künstler anzusehen. In den großen Räumen des alten Industriekomplexes entfalteten die Installationen eine besondere Wirkung.


Für die Schaffung des neuen Uni-Zentrums will Finanzminister Söder das gesamte frühere AEG-Gelände erwerben – auch die bereits angemieteten Teile des Areals. Auf lange Sicht sei ein Erwerb der insgesamt 150.000 Quadratmeter großen Fläche wirtschaftlicher als die Anmietung, betonte Söder. Neben Fakultäten der Uni Erlangen-Nürnberg sollen auf dem Areal künftig auch wissenschaftliche Einrichtungen der Technischen Hochschule Nürnberg, ein Zentrum für Wissenstransfer und Hightech-Unternehmen Platz finden. Für die Umsetzung der Pläne veranschlagt die bayerische Staatsregierung 15 bis 20 Jahre.

Stadtoberhaupt zeigt sich erfreut

Das vom Freistaat zu erwerbende Areal umfasst laut Stadt Nürnberg neben dem Südostteil, in dem bereits der Energie Campus Nürnberg (EnCN) und der Nuremberg Campus of Technology (NCT) ansässig sind, auch das sogenannte Nordareal zwischen der Muggenhofer Straße und den Pegnitzwiesen.

Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) ist überzeugt davon, dass der neue Uni-Standort langfristig auch "technologieorientierte Unternehmen und Startups anziehen wird". Die Bedeutung Nürnbergs als High-Tech-Standort werde weiter gestärkt und dadurch erfahre auch die Stadtstruktur in Nürnbergs Westen eine Aufwertung.

Dennoch bleibt laut Maly "eine Träne im Knopfloch" zurück. Die Erziehungswissenschaften ziehen von Nürnberg nach Erlangen um, wodurch die Noris rund 1800 Studenten verliert.

Ebenfalls nicht vollkommen zufrieden mit den beschlossenen Maßnahmen ist die Landtagsabgeordnete Helga Schmitt-Bussinger (SPD), die unter anderem Mitglied im Hochschulausschuss ist. Sie fordert die Verantwortlichen in der Landesregierung auf, Konsequenz zu zeigen und "die gesamte Technische Fakultät nach Nürnberg zu holen". Im Zuge dessen sollten außerdem Lehrstühle für Architektur, Bauingenieurwesen sowie Stadt- und Verkehrsplanung in der Noris entstehen.

Die SPD-Politikerin kritisiert weiterhin, dass die Einrichtungen der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät über zwei Städte verteilt sind: "Wer eine Konzentration der Fakultäten ernst nimmt, muss über eine Verlegung des Fachbereichs Rechtswissenschaft an den Standort Nürnberg nachdenken". Schmitt-Bussinger sieht das Quelle-Areal als einen möglichen Standort dafür an. 

dpa, ajs

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