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Verzweifelt gesucht: Hebammen-Krise auch in Nürnberg

Schwangere haben auch in Franken immer größere Probleme - 14.09.2017 05:31 Uhr

Eltern sind verzweifelt auf der Suche nach einer Hebamme für die Nachsorge. (Symbolbild) © Paul Zinken/dpa


Glücklich, wer in Nürnberg eine Hebamme für die Nachsorge gefunden hat. So sagt Geburtshelferin Conny Krell von der Hebammenpraxis "Gugelrund": "Es ist im gesamten Stadtgebiet eine Katastrophe." Dabei habe jede gesetzlich krankenversicherte Frau Anspruch auf die Unterstützung einer Hebamme, wie Krell betont.

Auch Geburtshelferin Andrea Friedel aus Zabo betont: "Im Augenblick ist es chaotisch." Die Nachfrage in Nürnberg ist so groß, dass Mütter mittlerweile sehr früh auf die Suche gehen. Friedel, die für die Grünen im Stadtrat sitzt, erlebt, dass besorgte Frauen sich mitunter schon in der sechsten Schwangerschaftswoche um eine Nachsorge-Hebamme bemühen: "Dabei haben sie da noch nicht mal ihren Mutterpass." Ihre Sorge dabei ist, dass Frauen mit Migrationshintergrund oder aus sozial schwachen Schichten ohne Nachsorge-Hebamme bleiben - und aufgeben.

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Genau diese Befürchtung hat auch das Theresien-Krankenhaus. Man habe bereits ein Auge auf unsichere Mütter und Frauen aus sozial schwachen Schichten, die keine Nachsorge haben: Hier versucht die Klinik, kurzfristig eine Betreuung zu organisieren. Christian R. Löhberg, leitender Arzt der Frauenklinik am Theresien-Krankenhaus, erklärt: "Wir arbeiten daran, die Nachsorge weiter auszubauen und Lücken zu schließen."

Auch das Südklinikum ist besorgt. Hannelore Köhler, leitende Hebamme am Südklinikum, sagt: "Die Nachsorge ist ein Problem." Dabei sei es für die jungen Mütter wichtig, eine verlässliche Betreuung im Wochenbett zu haben: Hebammen achten hier etwa auf die Rückbildung der Gebärmutter oder die Heilung von Riss- und Operationswunden. Sie haben das Baby im Blick und kontrollieren etwa, ob das Kind gut zunimmt. Und sie helfen dabei, dass Mutter und Kind eine gute Beziehung zueinander aufbauen.

Ein Beruf mit Schattenseiten

Nürnberg stehe bei der Wochenbett-Betreuung noch einigermaßen gut da, sagt dagegen Susanne Weyherter vom Bayerischen Hebammen Landesverband. "In München oder Frankfurt am Main ist das Problem wesentlich größer." Warum fehlen Hebammen?

Dieser wunderbare Beruf habe eben auch Schattenseiten, gibt Weyherter zu. Da ist der relativ geringe Verdienst - eine angestellte Berufsanfängerin am Krankenhaus verdient lediglich monatlich 1500 Euro netto. Und da sind die stark gestiegenen Prämien: Eine selbstständige Hebamme muss jährlich 7600 Euro nur für die Berufshaftpflichtversicherung zahlen. Die ständige Rufbereitschaft sowie Schicht- und Wochenenddienst machen vielen Hebammen zu schaffen.

Der Deutsche Hebammenverband will weiter auf die schwierige Situation aufmerksam machen und tourt zur Bundestagswahl derzeit mit einem Info-Bus durch Deutschland. Verbandsvertreterin Susanne Weyherter rät Frauen, die eigene Krankenkasse etwa von der schwierigen Suche nach der Nachsorge-Hebamme zu informieren. "Wichtig ist, dass Frauen auf ihr Recht auf Hebammenhilfe pochen." 

Mehr Infos zum Hebammenthema finden Sie hier.  

Sabine Ebinger Lokales Nürnberg E-Mail

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