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Warum die Galerie Atzenhofer nun Slow Art Galerie heißt

Wir haben bei Betreiberin Lydia Schuster nachgefragt - 12.03.2017 19:11 Uhr

Lydia Schuster und ihr Mann Anton Atzenhofer. © Foto: Horst Linke


Frau Schuster, Sie folgen nicht dem alten Rock‘n‘Roller-Motto "Live fast, die young", sondern verkünden: "Live slow, grow old". Warum wollen Sie Ihr Leben entschleunigen?

Lydia Schuster: Ich wurde letztes Jahr 50 – und habe festgestellt, dass mir vieles im Leben zu hektisch geworden ist. Ich sitze zu viel vor dem Computer, blicke ständig auf mein iPhone, bin immer online. "Live slow, grow old" war also erstmal ein Schlachtruf für mich selbst.

Jetzt übertragen Sie das Ganze aber auch auf Ihre Galerie.

Schuster: Genau. Zu meinem Geburtstag war ich in einem Slow-Food-Gasthof in einer wunderschönen, ruhigen Umgebung mit richtig gutem Essen. Ich dachte mir, dass sich diese entspannte Atmosphäre doch auch auf die Kunst übertragen lassen müsste. Der Kunstmarkt ist ein schnelles und zudem hochkommerzialisiertes Geschäft geworden. Die Diskussion um große Namen, Image, Wertsteigerung steht oft im Vordergrund, nicht der persönliche Geschmack. Eigentlich sollte für die Kunstwerke selbst etwas mehr Zeit übrig sein.

Und Sie stellen fest, dass die auch in Ihrer Galerie niemand mehr hat?

Schuster: Es gibt viele Besucher, die mit dem Smartphone oder Tablet in der Hand durch die Galerie rennen und gar nicht mehr direkt auf die Wand schauen, sondern nur noch durchs Display. Und das bezieht sich nicht nur auf junge Leute! Das brachte mich auf die Slow-Art-Idee. Ich dachte ganz stolz, ich hätte das nun erfunden, musste dann aber leider feststellen, dass natürlich längst andere vor mir darauf gekommen waren. Seit 2009 findet einmal im Jahr der Slow Art Day statt. Aber immerhin gab es noch keine Slow Art Galerie.

Wie setzen Sie das nun konkret um? Muss man das Smartphone abgeben, wenn man Ihre Galerie besucht?

Schuster: Nein, so dogmatisch soll es auf keinen Fall sein. Niemand soll sich ein Werk länger anschauen, wenn es ihm nicht gefällt. Meine Empfehlung ist lediglich: Nehmen Sie sich Zeit. Manchmal lohnt ein längerer Blick, weil man dann mehr entdeckt. Gerne kann man auch in der Galerie vor Kunstwerken Platz nehmen, dafür haben wir die Räume noch besser ausgestattet mit bequemen Sitzgelegenheiten. Und: Wenn jemandem ein Bild gefällt, darf er es sich auch gerne mit nach Hause nehmen, um in Ruhe zu testen, ob es zu ihm passt.

Hat Ihnen die Entschleunigung persönlich schon etwas gebracht?

Schuster: Es ist alles noch im Werden. Ein großer Glücksfall ist für mich, dass ich die Künstlerin Susanne Schattmann für die Mitarbeit in der Galerie gewinnen konnte. Dadurch kommen professionelle Unterstützung und auch mal frische Ideen ins Galeriekonzept. Ich bin ja von Natur aus ein bisschen hektisch, aber ich werde schon ruhiger. (lacht)

Was versprechen Sie Besuchern, die sich nun auf Ihr neues Konzept einlassen wollen?

Schuster: Ich bringe am 8. April, am Slow Art Day, ein Bild mit in die Galerie, auf dem ein gegenständliches, allerdings ziemlich wild gemaltes Motiv zu sehen ist. Wenn man das Bild eine Weile betrachtet, erkennt man wirklich Dinge, die der Künstler gar nicht reingemalt hat. Ich verspreche also Entdeckungen, die einem beim flüchtigen Schauen einfach entgehen.

Aktuelle Ausstellung: "Frühlingsgezwitscher", Weinmarkt 12, Mi. bis Sa. 13 bis 19 Uhr. 

Interview: SUSANNE HELMER

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