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"Wirre Thesen": Neonazi Ittner nervt den Staatsanwalt

Angeklagter hält Richterin für befangen und beschwert sich über Haftbedingungen - 25.03.2015 14:11 Uhr

Volksverhetzung und Verunglimpfung des Staates: Neonazi Gerhard Ittner steht in Nürnberg erneut vor Gericht. © Roland Fengler


Bereits vor Beginn der Verhandlung ging der Zirndorfer Neonazi in die Offensive. Während die Fotografen noch im Saal waren, behauptete er, ein "Opfer der Meinungsverfolgung" zu sein, das ein "Terror-Urteil" zu erwarten habe.

An ein faires Verfahren glaubt Ittner deshalb nicht. Er stellte einen Befangenheitsantrag gegen die vorsitzende Richterin, den er mit kurios anmutenden Begründungen unterfütterte. Sein Verhältnis zu seinen drei Pflichtverteidigern sei zerrüttet, erklärte er. Einer der Anwälte war gar nicht zur Verhandlung erschienen. Stattdessen formulierte Ittner die Begründung für seinen Antrag mündlich – und zwar lautstark, ausufernd, dabei wiederholte er sich oft.

Und wirr geht es weiter: Er lege großen Wert darauf, dass seine Staatsangehörigkeit nicht "deutsch" sei, sondern er als Bürger des "Deutschen Reiches" bezeichnet werden möchte. Als solcher sei er "im Ausland gekidnapped" worden, in das er sich im Jahr 2005 abgesetzt hatte.

Staatsanwalt war genervt

Weil im Beschluss zur U-Haft zu lesen ist, dass ihm eine "empfindliche Haftstrafe" drohe, wenn sich die Vorwürfe erhärteten, fühle er sich "vorurteilt". Auch im Gefängnis selbst seien die Bedingungen schrecklich gewesen, er habe sich dort zudem nicht richtig auf den Prozess vorbereiten können. Er habe keinen Computer mit Internet-Zugang gehabt, notwendige Literatur habe er sich von seinem eigenen Geld bestellen müssen. Die Haftbedingungen hätten zudem seine körperliche und psychische Verfassung stark beeinträchtigt.

Der Oberstaatsanwalt war zunehmend genervt. „Der Angeklagte nutzt die Hauptverhandlung, um seine wirren Thesen auszubreiten“, meinte Schrotberger und beantragte, die Sitzung zu unterbrechen.

Der Prozess wurde vorübergehend ausgesetzt. Die 47 Seiten umfassende Anklageschrift wurde dann am Mittwoch verlesen, Ittners Befangenheitsantrag wurde abgelehnt. Der Prozesstag war damit dann auch beendet. Die Verhandlung geht erst am 8. April weiter. Dann werden Zeugen vorgeladen und können Aussagen machen. Insgesamt sind 14 Verhandlungstage angesetzt. Ittner ist wegen Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole in fast 20 Fällen angeklagt.

Der Artikel wurde am Mittwoch um 14.11 Uhr aktualisiert.

Dieses Video wird präsentiert von Franken Fernsehen:

 

pd/mif

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