Montag, 17.12.2018

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Wo aus Müll Rohstoffe werden

Ressourcenwerk im Nürnberger Hafengebiet sortiert gewerblichen Abfall - 10.08.2018 19:13 Uhr

Ab sechs Uhr morgens rollen die Laster aus der gesamten Metropolregion an und kippen ihre Ladung in den Müllbunker. Sie liefern Abfall jeder Art – vom Plastikeimer bis zum Metallteil. Das alles wird im Ressourcenwerk sortiert und im Anschluss als Rohstoff für neue Produkte verkauft. © Eduard Weigert


Da ist kein Durchkommen: Drei Lastwagen blockieren die Antwerpener Straße im Nürnberger Hafengebiet — beladen mit Nachschub für das dortige Aufbereitungszentrum. Gewerbemüll — vom Altholz bis zur Verpackung — wird dort entgegengenommen. Seit Anfang des Monats mischt auf dem weitläufigen Gelände auch das Ressourcenwerk Nürnberg mit, ein Gemeinschaftsunternehmen der Firma Die Grünen Engel und der Nürnberger Gewerbemüll Verwertung NGV — eine Tochter der Büchenbacher Hofmann Gruppe.

Das Ressourcenwerk soll sich vor allem um unsortierten Gewerbemüll kümmern. Denn diesen aufzubereiten, ist aufwendig. Und daher haben zwei Unternehmen ihre Kapazität hier in einer gemeinsamen Firma gebündelt, erklären die beiden Ressourcenwerk-Geschäftsführer Christian Ascherl-Landauer und Johannes Gritz.

Von sechs Uhr morgens bis acht Uhr abends rollen Laster aus der ganzen Metropolregion aufs Gelände. Ihre Ladung kippen sie in den Sammelbunker, ein riesiges Becken am Rande des Verladehofes: Getränkedosen, ein Ventilator, Plastikeimer, Metallteile sammeln sich dort — eben alles, was zum Beispiel auf einer Baustelle in einem Container landet. Und alles ist Geld wert, betont Gritz. Der Inhalt von rund 400 solcher Containern hat hier seine Endstation, Tag für Tag.

Stillstand gibt es nur von Samstagnachmittag um 14 Uhr bis Montagmorgen um sechs Uhr. Die ganze Woche über kümmern sich die Ressourcenwerk-Mitarbeiter im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr um den Müll. Unermüdlich greift der Kran mit seinen Krallen in das Müllbecken, schwenkt mit der dreckigen Last zur Seite und versenkt sie im sogenannten Sackaufreißer.

Lieferung für den Ressourcenwerk-Gesellschafter Die Grünen Engel: Schienenschwellen und Gleisschotter zur Wiederaufbereitung. © Eduard Weigert


China steigt aus

Von dort geht es aufs Fließband. Zum Teil per Hand wird dort der Müll getrennt. Das sortierte Material wird im Anschluss verkauft, Metall zum Beispiel an Stahl- und Eisenhütten. Und aus alten Kunststoffkanistern und -eimern wird Granulat. Dies wiederum ist die Grundlage für frische Verpackungen.

In die Karten spielt dem Unternehmen dabei, dass China — bislang ein bedeutender Abnehmer — den Müll aus dem Westen nicht mehr haben möchte. Europa muss sich um seinen Abfall also in stärkerem Maße selbst kümmern. Das gibt mehr Sicherheit, dass sich die Investition in die nötigen Verwertungsanlagen auszahlt.

Die werden immer kostspieliger, da die Anforderungen in der Wiederverwertung steigen. Ziel: Die Recyclingquote soll steigen. Allein beim Ressourcenwerk haben die notwendigen Maschinen sechs Mio. Ã gekostet. Dazu kamen Anlagen für den Brandschutz, die noch einmal mit 2,5 Mio. Ã zu Buche geschlagen haben.

Beim Umsatz streben die Geschäftsführer zehn Mio. Ã in diesem Jahr an. In die Gewinnzone rutscht das gerade an den Start gegangene Unternehmen den Planungen zufolge in vier bis fünf Jahren. Zuvor stehen noch weiter millionenschwere Investitionen auf dem Programm.

Das gebündelte Endprodukt der Müllsortierung im Hintergrund: die beiden Geschäftsführer Johannes Gritz (l.) und Christian Ascherl-Landauer. © Eduard Weigert


Die Zahl der Beschäftigten soll steigen. Aktuell stehen 50 Personen auf der Lohn- und Gehaltsliste — mit ganz unterschiedlichem Hintergrund: Am Fließband sortieren angelernte Mitarbeiter das Material, damit die Anlagen funktionieren, gibt es Ingenieure. Und auch promovierte Chemiker, Mineralogen und natürlich Kaufleute gehören zum Team.

Angeschlossen ist das Gelände unterdessen auch an den Bahnverkehr. Was auf den Waggons anrollt, wird vom Ressourcenwerk-Gesellschafter Grüne Engel verwertet: Schienenschwellen und Schotter. Die Bahn ist ein wichtiger Partner, sagt Gritz, der auch die Geschäfte der Grünen Engel führt.

Kaum eine Rolle spielt dagegen der dritte Verkehrsweg, der im trimodalen Güterverkehrszentrum Hafen Nürnberg nutzbar ist: Nur ein Prozent des Materials im Aufbereitungszentrum wird mit dem Schiff bewegt. Das könne sich jedoch recht schnell ändern, meint Gritz, der seit 30 Jahren im Geschäft ist. Eine entscheidende Stellschraube sei hier nicht zuletzt der Ölpreis. 

MARKUS HACK (Text) UND EDUARD WEIGERT (Fotos)

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