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Oberfürberger geraten in Alarmstimmung

Erster Abschnitt des umstrittenen Baugebiets an der Südwesttangente steht im Oktober zur Diskussion - 05.10.2010 08:26 Uhr

Freies Feld, so weit das Auge reicht: Hier am nördlichen Ortsrand von Oberfürberg sollen nach den Vorstellungen eines privaten Grundstücksentwicklers bis zu 800 neue Wohnungen entstehen.

Freies Feld, so weit das Auge reicht: Hier am nördlichen Ortsrand von Oberfürberg sollen nach den Vorstellungen eines privaten Grundstücksentwicklers bis zu 800 neue Wohnungen entstehen. © Ralf Rödel


Für Diskussionsstoff dürfte das Pro­jekt zuvor schon bei der Bürgerver­sammlung des Stadtbezirks Süd am kommenden Montag um 20 Uhr in der Turnhalle der Adalbert-Stif­ter- Grundschule sorgen. Der Verein „Rettet Fürberg“, der gegen das Bau­vorhaben Sturm läuft, lädt am Don­nerstag, 21. Oktober, um 19 Uhr zu einer öffentlichen Diskussionsveran­staltung ins Gasthaus Kirschbaum (Unterfürberger Straße 105). Es soll verhindert werden, dass der Stadtrat in seiner Sitzung am 27. Oktober grü­nes Licht gibt.

Die Verwaltung ist darum bemüht, den Konflikt mit den Oberfürbergern zu entschärfen. In einem ersten Schritt wurde ein 6000 Quadratmeter großes Schulgrundstück am Rennweg aus dem Gesamtpaket herausgenom­men. Für weitere Beruhigung soll er Umstand sorgen, dass zunächst nur ein Teilbereich der Gesamtfläche über­plant wird. Es geht um 120000 Qua­dratmeter vom Main-Donau-Kanal Richtung Kirchenweg — der vom Lärm am meisten betroffene Bereich.

Ein bis zu 15 Meter hoher Wall soll das Baugebiet abschirmen. Die Ver­kehrserschließung ist über die Verlän­gerung der Straße Am Europakanal geplant. Nahversorgungszentrum und Kindergarten sind im Plan enthalten. Baureferent Joachim Krauße argu­mentiert, dass dieser Bauabschnitt auch für sich allein bestehen könne, also nicht unbedingt Zuwachs bekom­men müsste. Die weitere Entwicklung solle von der Nachfrage abhängig gemacht werden.

Deshalb, so Krauße auf Anfrage der Fürther Nachrichten, verteuere sich der Erschließungsbeitrag für die Grundstückseigentümer. Allerdings sei das Ganze immer noch wirtschaft­lich, da die Grundstücke durch Um­wandlung vom Ackerland in Bauland erheblich an Wert gewinnen. Zwei bis vier Euro kostet der Quadratmeter Ackerland, etwa 270 Euro erschlosse­nes Bauland. Die Erschließungskos­ten wurden ursprünglich mit 73 Euro pro Quadratmeter angesetzt. Die Stadt kann vor allem vom ersten Bau­abschnitt profitieren. Denn von den 55000 Quadratmetern, über die sie auf der Gesamtfläche verfügt, fallen allein 40 000 in diesen Bereich. Neben der Kommune gibt es nach Angaben von Stadtplaner Dietmar Most wei­tere 40 Grundeigentümer, neun davon im ersten Bauabschnitt. Die Gesamt­fläche ist in drei Bauabschnitte unter­teilt.

Geplant wird das Baugebiet von der LI-Consult Gmb H aus Neuhausen bei Pforzheim. Schwierigster Part ist die Neuordnung der Grundstücke. Der Bürgerverein, der schon seit Monaten Unterschriften gegen das Projekt sam­melt, rüstet sich für eine harte Ausei­nandersetzung. Sollte tatsächlich eine Baugenehmigung erteilt werden, schließt Vereinsmitglied Rainer Heim­­ler, Fachanwalt für Baurecht, eine Normenkontrollklage nicht aus.

Was „Rettet Fürberg“ so aufbringt, ist die befürchtete Veränderung des Ortscharakters durch eine Verdopp­lung der Bausubstanz. Außerdem zweifelt Vereinsvorsitzende Marion Crozat daran, dass die Blechlawine gebändigt werden kann. Und schließ­lich geht es auch um den Verlust von Freiflächen vor der Haustür.

Die Stadt, die auch auf dem Reichs­bodenfeld an der Breslauer Straße ein großes Wohngebiet plant, setzt weiter­hin auf Bevölkerungszuwachs. Inner­städtische Alternativen zu Baugebie­ten auf der grünen Wiese gibt es nach Ansicht der Stadtspitze nicht, will man die Bauinteressenten nicht an den Landkreis verlieren. Der Bund Naturschutz kritisiert indes den gras­sierenden Flächenverbrauch.
 
 

Volker Dittmar

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