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Bedrückende Erinnerungen

Roth: Ausstellung über den Auschwitz-Überlebenden Franz Rosenbach eröffnet - 20.09.2015 17:55 Uhr

Zeitzeuge Siegfried Heilig (li.) berichtete bei der Ausstellung in Roth, wie er nur knapp der Deportation entging. © Foto: Unterburger


ROTH — „Was mit den Sinti und Roma in der Zeit des Nationalsozialismus passiert ist, wissen viele nicht oder es wurde totgeschwiegen“, bedauerte die Rother VHS-Leiterin Karin Duman-Geiß.

Bürgermeister Ralph Edelhäußer erinnerte an die Initiative „Roth ist bunt“ und verglich das Schicksal der Sinti und Roma mit dem Schicksal der Flüchtlinge heute. „Heute werden wieder Menschen verfolgt und sind auf der Flucht“, sagte er, „in die Rother Kaserne sollen 3000 bis 5000 Asylbewerber kommen.“ Dies werde eine schwierige gesamtgesellschaftliche Aufgabe werden. „Wer verfolgt wird, dem muss man einfach helfen“, schloss der Bürgermeister, „Extreme haben Deutschland nie gut getan.“

„In Roth wurde schon viel gegen rechte Extremisten getan“, anerkannte Wolfgang Lebock von der „Gesellschaft für bedrohte Völker“. Er wies darauf hin, dass vor 23 Jahren das Projekt „Sinti und Roma in Ungarn“ gestartet worden sei und dass er in Ungarn Jugendliche begleitet habe.

Die Buchautorin und Rechtsextremismus-Expertin Birgit Mair berichtete über das Leben des Franz Rosenbach. 2004 gründete sie das Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung in Nürnberg. Seit zehn Jahren führt sie Zeitzeugengespräche mit Holocaust-Überlebenden durch, veranstaltete Fachtagungen zu Strategien gegen Neonazismus und Rassismus und leitete öffentlich geförderte Projekte.

„Im Jahr 2006 habe ich Franz Rosenbach bei einer Gerichtsverhandlung in Nürnberg kennen gelernt, als ein Antifaschist einem Nazi die Reichskriegsflagge entriss“, erzählte Birgit Mair, „Rosenbach war als interessierter Prozessbeobachter anwesend.“ Rund 100 bis 150 Veranstaltungen mit Franz Rosenbach habe sie durchgeführt. „2009 machte ich zu seinem 80. Geburtstag eine Ausstellung über ihn“, berichtete Birgit Mair weiter.

Franz Rosenbach wurde am 29. September 1927 in einem Bahnwärterhäuschen in Horatitz/Horetice in der Tschechoslowakei geboren. Im Frühjahr 1943 wurde er aus einem einzigen Grund von den Nazis verhaftet und in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verschleppt: Er gehörte der Minderheit der Sinti an. Nur knapp überlebte er Sklavenarbeit, Konzentrationslager und einen Todesmarsch. 21 Familienmitglieder fielen der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie zum Opfer, darunter seine Eltern und eine Schwester. Am 27. Januar 1945 wurde Auschwitz von Soldaten der Roten Armee befreit.

Franz Rosenbach heiratete und lebte lange in Nürnberg. Seine neun Kinder wurden nicht als deutsche Staatsbürger anerkannt. Er selbst galt als staatenlos. Erst 1993 wurde er eingebürgert. Im Oktober 2012 starb er nach einer schweren Erkrankung und wurde in Nürnberg bestattet.

Großmutter sei Dank

Anschließend erzählte Siegfried Heilig, Jahrgang 1934, ein Freund von Franz Rosenbach und ebenfalls Sinto, über sein Schicksal. Heilig wuchs in Magdeburg auf. Während seiner Schulzeit wurden er und sein Bruder von den Schülern gemobbt; der Lehrer hat den beiden nicht geholfen. Heiligs Vater hatte ein Marionettentheater, trat damit auf und ernährte damit die Familie. 1943 sollten er und seine Familie nach Auschwitz-Birkenau deportiert werden. Dank der Courage seiner Großmutter entging er nur knapp der Deportation. „Als die Gestapo kam, waren wir im Wohnwagen und haben uns nicht gerührt“, sagte Heilig. Oma sagte: ,Da ist niemand drin, das ist ein Packwagen.’ Das war unsere Rettung.“ Teils in Wäldern, teils bei Bauern versteckt konnten Siegfried, seine beiden Brüder und die Eltern zwei Jahre lang unbemerkt überleben.

Am Freitag, 25. Oktober, hält Erich Schneeberger, Vorsitzender des Landesverbands der deutschen Sinti und Roma, um 19 Uhr einen Vortrag im Seckendorffschloss. 

ROBERT UNTERBURGER

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