Montag, 19.11.2018

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Beim Großbrand in Spalt: Ersthelfer retteten Bewohner

Für Felix Bergmann und Kai Engelhard ist es "eine Selbstverständlichkeit" - 10.05.2018 06:00 Uhr

Als in Spalt die Scheune schon lichterloh brannte, saß im angrenzenden Wohnhaus noch eine Familie in der Küche. Felix Bergmann und Kai Engelhard konnten sie schließlich aus dem Haus holen. © Detlef Gsänger


Felix Bergmann hatte gerade Feierabend. Am Freitag um 18 Uhr setzte er sich vor dem Baubetrieb seines Arbeitgebers in Spalt ins Auto, um nach Enderndorf heimzufahren, als er Richtung Altstadt blickte und Rauch sah. "Ich hab kurz gewartet und gleich gemerkt, dass da nicht nur ein Grill angeworfen wird", sagt der 27-Jährige. Im selben Moment kam aus dem Firmenhof auch sein Freund Kai Engelhard, sofort fuhren die beiden los Richtung Altstadt, um nach der Ursache für den Qualm zu suchen.

Ex-Feuerwehrler Felix Bergmann hat sofort reagiert. © briese-werbung-verlag-foto


Vom Bayerischen Hof aus erkannte Felix Bergmann, dass auf der anderen Seite der kleinen Brücke ein Stadel schon lichterloh brannte, sah aber gleichzeitig einen Bekannten, der bereits die Feuerwehr benachrichtigte. Das war also erledigt.

Bewohner gesucht

Am Stadel angekommen, rissen Bergmann und sein Kumpel die Tür auf und riefen laut - "weil ein Feuer ja meistens nicht von allein entsteht" - nach innen, ob da jemand sei. "Gott sei Dank, da war niemand drin", berichtet er, das Innere stand schon im "Vollbrand", wie er die Lage professionell benennt. Felix Bergmann ist selbst lange Zeit Mitglied einer großen Freiwilligen Feuerwehr im Vogtland gewesen und weiß genau, was wann im Einsatzfall zu tun ist.

Der Stadel grenzt allerdings direkt an ein Wohnhaus an, "die Haustür ist vielleicht fünf Meter entfernt". Also rannten die beiden jungen Männer sofort dorthin, drinnen saßen ein älteres Ehepaar und ihr Pflegesohn beim Abendessen.

Dem Bulldog nachgetrauert

"Jetzt wird’s aber Zeit", hätten sie die drei gedrängt, doch anscheinend stand die Familie schon unter Schock, glaubt Bergmann: Man trauerte lediglich dem brennenden Bulldog nach. Erst seine Mahnung, dass die Balken schon bedenklich knarzten, das Feuer direkt nebenan bereits deutlich zu riechen und zu hören war, außerdem starke Windböen immer wieder Rauchwolken in die Küche trieben, überzeugte die Familie: Endlich konnten Felix und Kai sie aus dem Haus ins Freie manövrieren. Kurz danach stürzte der Dachstuhl der Scheune ein.

... und mit Kai Engelhard die Hausbewohner gerettet. © privat


Sehr schnell sei auch die Feuerwehr eingetroffen, erinnern sie sich, und die Anwohner wurden von einer Notärztin behandelt. Dass der ältere Herr infolge der dramatischen Ereignisse doch noch eine Herzattacke erlitten hatte, erfuhr Bergmann später. Die anderen Familienmitglieder konnten aber inzwischen wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Nicht in Vordergrund gedrängt

Für Bergmann, der früher bei der Wehr im Vogtland gleich mehrmals pro Woche im Einsatz war, bedeutet es "eine Selbstverständlichkeit" zu helfen, wenn - wie hier im Wortsinn - "Not am Mann" ist. Darüber reden will er gar nicht groß, erst über Umwege fand die ebenso uneigennützige wie professionelle Rettungsaktion der beiden jungen Männer (Kai ist gerade erst 18 Jahre alt) den Weg in die Redaktion.

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Derzeit ist der gelernte Land- und Baumaschinenmechaniker Bergmann aber nicht bei der Feuerwehr aktiv. Das liegt zum einen daran, dass er erst vor einigen Jahren hierher umgezogen ist und dass er zum anderen gerade auf seine Meisterprüfung gelernt hat - "das kostet auch eine Menge Zeit".

Und für ihn ist einfach klar: "Wenn ich was mache, dann mache ich es auch zu 100 Prozent." Beim Einsatz für die Familie haben er und Kai das eindeutig bewiesen.

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Carola Scherbel E-Mail

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