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Franz-Josef Bößl ist "Naturschutzpartner Landwirt 2018"

Röttenbacher betreibt die Landwirtschaft eher als Hobby - 17.06.2018 16:02 Uhr

Der Röttenbacher Landwirt Franz-Josef Bößl wurde mit dem Titel „Naturschutzpartner Landwirt 2018“ ausgezeichnet. © Foto: Johann Schrenk


Der Bayerische Umweltminister Marcel Huber und der Umweltpräsident des Bayerischen Bauernverbandes Stefan Köhler übergaben Bößl im Münchner Prinzregententheater eine entsprechende Urkunde. Bößl ist Maschinenbauingenieur und bewirtschaftet im Röttenbacher Ortsteil Niedermauk gemeinsam mit seinem Vater Josef im Nebenerwerb rund 30 Hektar Fläche.

Seine Futterwiesen liegen teilweise in einem Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH), hier verzichtet er auf eine Düngung. Auf Bößls Äckern wächst Mais für eine Biogas-Anlage. Im Rahmen des bayerischen Vertragsnaturschutzprogramms (VNP) hat er sich dazu verpflichtet, keine Pflanzenschutzmittel einzusetzen und die Wiesen nicht vor dem 1. Juli eines jeden Jahres zu mähen.

Beide Bedingungen waren Voraussetzungen für eine Förderung durch das Umweltministerium. Das Heu bietet Bößl Landwirten in der Region zur Verfütterung an Stallpferde an, darunter einem Bauer aus dem nahegelegenen Mosbach.

Bis vor ein paar Jahren haben die Bößls noch eine intensive Milchviehhaltung betrieben, bevor sie sich auf den Ackerbau und die Grünlandbewirtschaftung spezialisiert haben. Dabei mussten sie sich auf eine mindere Qualität der Böden einstellen. Die nur knapp 20 Zentimeter dicke und zugleich schwach humose Bodendecke speichert nur wenig Wasser. Der Untergrund besteht überwiegend aus Sand und verwittertem Burgsandstein, so dass extreme Wetterbedingungen – wie etwa in diesem trockenen Frühjahr – erhebliche Ernteeinbußen zur Folge haben. Als Vollerwerbslandwirt könnte er davon nicht leben, gesteht Bößl im Gespräch mit dieser Zeitung.

Doch nach dem Motto "Niederlagen in Siege verwandeln" habe er die Böden für den Anbau von Sonderkulturen genutzt, darunter Amarant und Leindotter. Diesen verwendet er in einer Art Mischbepflanzung für den Maisanbau: Im Herbst sät Bößl Leindotter, Winterroggen und Winterrübsen aus. Die Pflanzen lässt er bis Mai auf den Feldern stehen, bevor sie zu Mulch verarbeitet werden, verrotten und damit zur Humusbildung für die Maiskulturen beitragen.

Eigene Maschinen konstruiert

Das schränkt die Unkrautbildung ein, befördert das Wachstum von Bodentieren wie Regenwürmern und verbessert durch die Beschattung den Wasserhaushalt. Mit seiner Methode "Mais im Lebendmulch" sei es ihm gelungen, den Einsatz von konventionellem Dünger zu reduzieren und ohne das Totalherbizid Glyphosat auszukommen. Für seine Feldarbeiten hat der Ingenieur eigens konstruierte Maschinen zum Aussähen und für die Pflege eingesetzt, die ihm die Streifenbewirtschaftung merklich erleichtern.

Als weitere Sonderkultur pflegt Franz-Josef Bößl den Sanddorn, der in Sträuchern wächst. Die Früchte werden entweder zu Saft, Gelee oder Marmelade weiterverarbeitet oder dienen Vögeln als Futter. So trägt auch diese Sonderkultur zur Verbesserung der Biodiversität seiner landwirtschaftlichen Flächen bei. Franz-Josef-Bößl bezeichnet sich selbst nicht als Bio-Bauer: Die Landwirtschaft betreibt er eher als Hobby.  

JOHANN SCHRENK

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