Sonntag, 18.11.2018

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Hilpoltstein: Das Projekt "S-Bahn 2030" kommt nicht in Fahrt

Arbeitsgruppe kämpft für Anschluss der Burgstadt ans Nürnberger S-Bahn-Netz - 18.08.2018 12:00 Uhr

Die „Gredl“ steht abfahrbereit am Hilpoltsteiner Bahnhof. Bis 2030 läuft der Vertrag für den Betrieb der Bahn noch. Und was kommt dann? Hilpoltstein kämpft um einen Anschluss ans S-Bahn-Netz. Doch das Projekt „Pro S-Bahn 2030“ kommt nicht so richtig in Fahrt. © Foto: Beate Windisch


Seit zwei Jahren sammelt die Arbeitsgruppe "Pro S-Bahn Hip" Argumente dafür, auf den Schienen, auf denen derzeit die "Gredl" zwischen Roth und Hilpoltstein pendelt, lieber die S-Bahn fahren zu lassen. Bei einem Workshop wurde gemeinsam ein Teil der Bahnstrecke abgelaufen, um technische Möglichkeiten und Probleme aufzuzeigen. Und es liegen sogar schon erste Pläne für den notwendigen Umbau der Bahnhöfe in Hilpoltstein, Eckersmühlen und Roth vor.

Für die Befürworter liegen die Vorteile auf der Hand: Die S-Bahn würde mindestens alle 40 Minuten, vielleicht sogar alle 20 Minuten fahren, und das bis Mitternacht. Die Gredl dagegen fährt wochentags jede Stunde und am Wochenende nur alle zwei Stunden, und das auch nur bis zum Abend.

Mit der neuen S-Bahn würde außerdem das Umsteigen am Rother Bahnhof entfallen. Vor allem aber: Wird die S-Bahn-Strecke verlängert, dann wird sie auch elektrifiziert. Damit würden die Dieseltriebwagen außer Betrieb gehen. Sie müssten also nicht mehr drei Mal pro Woche nach Nürnberg zum Tanken fahren, weil die Diesel-Tankstelle in Roth schon lange geschlossen ist, erklärt Wolf Bandemir, Mitglied im Fahrgastverband Pro Bahn und Mitglied im AK "Pro S-Bahn".

Bahnen mit Elektroantrieb sind aber nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch viel leiser. Sie sind außerdem billiger im Unterhalt, sagt Markus Ganserer, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion. Er wurde schon vor einiger Zeit von Wolf Bandemir über das Vorhaben informiert und nach Hilpoltstein eingeladen. Nun ist in den Ferien Zeit für ein Gespräch im Rathaus mit Ulla Dietzel. Dabei verweist er auf einen weiteren Aspekt: Die Strecken im Dieselnetz Nürnberg würden Stück für Stück elektrifiziert werden, irgendwann, so Ganserer, "sind die Gräfenbergbahn und die Gredl die einzigen mit Dieseltriebwagen". Das mache die Strecke für mögliche Anbieter uninteressant. Oder anders gesagt: Bei der nächsten Ausschreibung "wird es vielleicht keinen Wettbewerb mehr geben und die Anbieter lassen sich das Betreiben der Diesellok teuer zahlen". Ganserer hält es daher für "dringend notwendig", das S-Bahn-Netz bis Hilpoltstein zu verlängern.


Das umzusetzen, ist eigentlich Sache des Bundes. Doch wenn der Freistaat es als notwendig erachtet, "dann wird er den Ausbau selbst in Auftrag geben", sagt Ganserer. Doch bis es so weit ist, "braucht man Visionen und einen langen Atem". Und ein klares Votum aus der Region, die ihre Forderung an den Freistaat deutlich macht.

Daran aber hapert es im Moment noch. Statt einer klaren Aussage und gemeinsamen Strategie gibt es schon bei der Zusammenarbeit mit der Nachbarstadt wie berichtet Probleme: Im Frühjahr 2017 hatten Hilpoltsteins Bürgermeister Markus Mahl und seine Stellvertreterin Ulla Dietzel im Rother Stadtrat für das Projekt geworben. Dieser hatte sich daraufhin mehrheitlich für eine Unterstützung ausgesprochen und vier Mitglieder in den interkommunalen Arbeitsausschuss entsandt. Doch ein Jahr später, als es eigentlich nur um die Geschäftsordnung für die gemeinsame Arbeitsgruppe ging, fanden sich schon nicht mehr so viele Befürworter im Rother Stadtrat.

Das Gremium lehnte außerdem nicht nur die Geschäftsordnung ab, sondern stellte die gesamte Idee in Frage: Kritisiert wurden der notwendige Umbau der Bahnhöfe; der befürchtete Werteverlust der an die neue S-Bahn angrenzenden Grundstücke; der mögliche Abriss von Vereinsheimen, die der Bahn im Weg stehen; der Stau in der Münchner Straße in Roth, den es dann alle 40 Minuten gibt, wenn am Bahnübergang die Schranke geschlossen wird. Selbst zwei der vier Rother Stadträte, die im AK "Pro S-Bahn" mitarbeiten, seien gegen das Projekt. "Wie soll man da weiterarbeiten?", fragt Ulla Dietzel.

Mitte Juli hat sich der AK das letzte Mal getroffen und Aufgaben verteilt: Kontakte zu den Bürgermeistern der ILE-Gemeinden (neben Hilpoltstein gehören Allersberg, Greding, Heideck und Thalmässing dazu) knüpfen, an die Bayerische Eisenbahngesellschaft schreiben. Vor allem aber: Mit dem Landrat sprechen. "Wir brauchen einen Beschluss des Kreistages, um das Thema auf eine höhere Ebene zu bringen", fordert Ulla Dietzel, die selbst für die CSU im Kreistag sitzt. Dort aber "lässt man uns am langen Arm verhungern".

Grünen-Landtagspolitiker Markus Ganserer will die Initiative „Pro S-Bahn“ unterstützen.


Dabei sei das Ganze doch eigentlich recht einfach: Die Infrastruktur ist praktisch schon vorhanden, denn die neue Bahn könnte problemlos die alten Gleise nutzen. Und zahlen müssten Landkreis und Kommunen auch nicht viel, schließlich trägt das Land die Kosten für den Ausbau und den Betrieb.

Genaue Summen, was wie viel kostet, gibt es zwar noch nicht. Immer mal wieder ist aber von rund 20 Millionen Euro die Rede. Elf Millionen Euro würde alleine die Elektrifizierung kosten (eine Million Euro pro Kilometer), der Rest müsste in die notwendigen Umbauten entlang der Strecke gesteckt werden.

Genau hier aber wäre so einiges zu machen. In Roth zum Beispiel müsste das Gredl-Gleis an die S-Bahn-Strecke angeschlossen werden, und das ist nicht ganz so einfach, weil das Bahnhofsgebäude in die Umbaupläne einbezogen werden muss, und das steht auf der Liste der Baudenkmäler in Roth. Die Überführung nach Belmbrach müsste um bis zu einen Meter angehoben werden. Der Bahnhof in Eckersmühlen ist zudem für die längeren S-Bahn-Züge zu kurz. Die bislang unbeschrankten Bahnübergänge müssten endlich gesichert werden (Positiver Nebeneffekt: Das Pfeifen, mit dem sich die Züge ankündigen, fällt weg). Und nicht zuletzt wird auf der einspurigen Strecke ein Abschnitt gebraucht, auf dem sich zwei Züge kreuzen können.

Tatsächlich hat sich der Landkreis noch nicht positioniert. Das liege aber vor allem daran, dass noch gar kein entsprechender Antrag aus einer der Fraktionen vorliegt, das Thema also noch gar nicht diskutiert und damit auch noch kein Beschluss gefasst werden konnte, heißt es dazu seitens des Landratsamtes auf Nachfrage unserer Zeitung. Bürgermeister Markus Mahl hat im Juni im Kreis-Umweltausschuss das Projekt erläutert, mehr aber gab es bislang nicht.

Übergangsvariante

Viel Zeit darf sich die Projektgruppe allerdings nicht mehr lassen. Zwar läuft der Vertrag für den Betrieb der Gredl noch bis 2030, doch bis der Landtag einen positiven Beschluss zum S-Bahn-Ausbau fällt, "können schnell ein paar Jahre ins Land gehen", weiß Markus Ganserer.

Daher soll jetzt wenigstens möglichst schnell die erste Forderung umgesetzt werden, laut Ulla Dietzel die "Übergangsvariante": den Stundentakt erhöhen und die Gredl sieben Tage pro Woche zwischen 6 und 24 Uhr stündlich fahren zu lassen.

„Es ziehen nicht alle an einem Strang“, kritisiert Hilpoltsteins 2. Bürgermeisterin Ulla Dietzel.


Hier verspricht Markus Ganserer Hilfe und beruft sich dabei auf die bayerische Regierung. Die hatte nach der Kabinettssitzung im Juli verkündet, im Jahr 2018 zusätzlich 100 Millionen Euro in den ÖPNV zu investieren, und dabei unter anderem versprochen, im sogenannten Schienenpersonennahverkehr den Stundentakt auf alle Strecken auszuweiten, "wo dies technisch möglich ist". Ganserer will daher nun eine schriftliche Anfrage stellen, für welche Strecken dies ganz konkret gilt (und für welche vielleicht nicht).

Sollte sich auch für die Gredl ein Stundentakt realisieren lassen, dann ist dies für Ganserer "der Einstieg in die Elektrifizierung". Damit wäre die Initiative einen ganz entscheidenden Schritt weiter auf ihrem Weg zum Ziel: eine durchgängige Strecke von Nürnberg bis nach Hilpoltstein.

Genau daran wollen die Mitstreiter von "Pro S-Bahn" auch festhalten. Nur dann sei es möglich, den Nahverkehr so attraktiv zu machen, dass die Bürger tatsächlich ihr Auto stehen lassen. Aber dafür, so Ulla Dietzel, "müssen wir uns als ländlicher Raum auch auf die Füße stellen". 

BEATE WINDISCH

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