Montag, 19.11.2018

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Jobs: Eine Chance in der neuen Heimat

Berufsintegrationsklassen der Berufsschule ermöglichen Einblicke in die Berufswelt - 21.08.2018 06:00 Uhr

Die beiden Schüler Ivan und Zenebu mit Sozialpädagogin Modrow (von links). © Foto: KBZ Roth


In den Berufsintegrationsklassen werden berufsschulpflichtige Asylsuchende und Flüchtlinge, in der Regel zwischen 16 und 21 Jahren alt, sowie berufsschulpflichtige Jugendliche und junge Erwachsene in Deutsch unterrichtet und sozialpädagogisch betreut. Die Schülerinnen und Schüler besuchen drei Tage pro Woche die Berufsschule und zwei Tage ein Berufspraktikum oder das Kolping-Bildungszentrum Roth.

Im vergangenen Schuljahr stammten sie unter anderem aus Syrien, Afghanistan, dem Iran und Irak, Äthiopien sowie Rumänien. In den Gruppenstunden im Kolping-Bildungszentrum stehen Berufsorientierung und Berufsvorbereitung an. Den jungen Menschen soll durch Unterstützung und Förderung eine Ausbildung oder der Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert werden.

Zum Schuljahresbeginn erfragten die Sozialarbeiterinnen des Kolping-Bildungszentrums die schulische und berufliche Laufbahn der Teilnehmenden sowie Qualifikationen und berufliche Ziele. Anhand der Informationen wurden Bewerbungsunterlagen sowie ein Entwicklungs-Fahrplan für das Schuljahr erstellt.

Neben berufsbezogenen theoretischen Inhalten und der Förderung berufsspezifischer Kompetenzen ging es vor allem um die berufliche Orientierung der Heranwachsenden.

Im Hinblick auf das Ausloten von persönlichen Neigungen, Fähigkeiten und das Kennenlernen von verschiedenen Berufen sowie möglichen künftigen Arbeitgebern spielte insbesondere die Vermittlung in Praktika im gesamten Schuljahr eine wichtige Rolle.

Zusätzlich gaben die Anleiter des Kolping-Bildungszentrums theoretische und praktische Einblicke in die Arbeitsbereiche Metall und Holz. In den hauseigenen Werkstätten konnten sich die Schülerinnen und Schüler ausprobieren und eigene Interessen, Stärken und Schwächen erkennen.

Ein Beispiel: Zenebu ist 22 Jahre alt und kommt ursprünglich aus Äthiopien. Vom Beruf Altenpflegehelferin hat sie das erste Mal in Deutschland gehört und fand ihn sehr interessant, erzählt sie rückblickend. "In meinem Heimatdorf gab es keine Pflegeheime; die Pflege wurde von den Familien übernommen."

Um mehr über den Beruf zu erfahren, wollte sie in ihrer neuen Heimat ein Praktikum als Altenpflegehelferin machen. Im Petersgmünder Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt konnte sie diesen Wunsch auch in die Tat umsetzen.

Mit positiven Folgen. Für beide Seiten: Denn Zenebu wird im kommenden Schuljahr eine schulische Ausbildung zur Altenpflegehelferin an der Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe in Roth beginnen.

Auch der 19-jährige Ivan hat Chancen, Fuß in der Berufswelt zu fassen: Vor drei Jahren kam er aus Russland nach Deutschland. Nachdem er zu Beginn des Schuljahres zunächst ein Praktikum in einer Schreinerei gemacht hatte, entschied er sich, noch ein Praktikum als Elektroniker anzuschließen. Auch das gelang.

Durch ein Praktikum bei der Firma BGW Elektrotechnik GmbH in Schwaig bei Nürnberg hat der 19-Jährige nun die Chance, die Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik zu beginnen. Er wird dort im September mit der Einstiegsqualifizierung starten.

Auf der Suche nach Praktika

Auch im nächsten Schuljahr besuchen Berufsintegrationsklassen das Kolping-Bildungszentrum in der Gartenstraße und wenden sich bei der Praktikumssuche an Betriebe im Landkreis. Die Verantwortlichen hoffen, dass sie auch dann wieder offene Türen vorfinden für junge Leute, die — auch über den Beruf — hier eine neue Heimat finden wollen. Mit allem, was dazu gehört.  

rhv

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