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Klosterweglauf Aurau zieht trotz WM

SFV muss aber eine Investition stemmen, wenn es weitergehen soll - 16.07.2018 16:29 Uhr

Trotz WM-Finale und Wetter zog der Aurauer Klosterweglauf 155 Läufer an. © Stefan Bergauer


Eigentlich ist alles wie immer in Aurau. An der Wand des Bierzeltes bedankt sich das Dorf mit ausgedruckten Plakaten bei den Sponsoren und Unterstützern der Kirchweih. Am Eingang werden die Startunterlagen ausgegeben, daneben Kuchen verkauft. Zwei Männer tragen einen riesigen Flachbildschirm herein: Richtig, das WM-Finale steht an. Das beißt sich ein wenig mit dem Klosterweglauf: Eine knappe Stunde vor dem Anpfiff wird der Hauptlauf gestartet.

Man darf es eigentlich gar nicht schreiben, aber Erich Lederer, der den Lauf seit Jahren organisiert, hat gehofft, dass der Klosterweglauf von einem Finale mit deutscher Beteiligung verschont wird.So haben sich 155 Läufer angemeldet, 140 schaffen es in die Wertung. Sie trotzen auch der Wettervorhersage, bis auf einen kurzen Duscher vor dem Hobbylauf bleibt Aurau verschont.

Um die 20 Starter sind es weniger als in den Jahren zuvor, aber Lederer ist trotzdem ganz zufrieden. "Wir sind Läufer und keine Fußballer" – so drückt es ein Hilpoltsteiner später aus. Da schwebt neben Mandelduft gerade die Frage auf dem Bierzelt-Vorplatz, ob man die Siegerehrung gleich oder in der Halbzeitpause des Finales durchführt.

Das Feld des Hautlaufes wird wie im Vorjahr von den Favoriten dominiert. Sven Ehrhardt will dieses Jahr endlich den Titel im Läufer-Cup – so oft ist er schon angetreten, aber höchstens Zweiter geworden. Das empfindet Ehrhardt als kleinen Makel, der nun im Jahr der Geburt seiner Tochter, noch auspoliert werden soll. Sechsmal ist er in dieser Saison bereits angetreten, sechsmal hat er gewonnen. Zwei Siege fehlen also noch, um Stefan Böllet als Gesamtsieger nachzufolgen. "Es ist entspannter, wenn er nicht da ist", sagt Ehrhardt – Böllet hat heuer erst drei Rennen gemacht und passt auch in Aurau.

Sven Ehrhardt will endlich einmal den Läufer-Cup gewinnen. In Aurau machte er den nächsten großen Schritt. © Stefan Bergauer


Hier hat der Rother Ehrhardt beinahe ein Heimspiel, einige Trainingsstrecken führen hier vorbei, er schätzt die Veranstaltung. Den Sieg (33:53) kann er quasi im Vorbeigehen einstreichen: Nach der ersten Runde führt er mit etwa einer Minute Vorsprung, im Ziel sind es etwa zweieinhalb Minuten auf Roland Rigotti (36:24), den Vielläufer, der im Läufer-Cup nur den Auftakt verpasst hat.

"Beim letzten Mal habe ich etwas Lehrgeld bezahlt", sagt Ehrhardt im Ziel. Die Strecke war damals geändert worden, der Langstreckenläufer die erste Runde zu schnell angegangen. Nun gab es zwar wieder kleinere Korrekturen, aber Ehrhardt teilt sich das Rennen etwas besser ein, ist zwar am Ende etwa 20 Sekunden langsamer als im Vorjahr, fühlt sich aber besser. Und hat ja auch schon einen Trainingslauf über sieben Kilometer am Vormittag in den Beinen. Ein Goldener Schuh ist der Lohn, Ehrhardt muss dann aber schnell weiter. Seine Frau und das Finale warten.

Marathon und Familie

In ein paar Wochen ist es bei Familie Ehrhardt so weit. Wenn es das Töchterchen zulässt, will der Papa beim Burgfestlauf in Hilpoltstein oder beim Rother Kirchweihlauf den Matchball zum Gesamtsieg verwandeln. Im Herbst liebäugelt er mit einem Marathon in Berlin oder München – deshalb der Trainingslauf. Aber über die Teilnahme wird das Baby entscheiden.

Larissa Korn hat eigentlich das Sportexamen im Blick, gewann aber locker. © Stefan Bergauer


Auch Larissa Korn geht als Favoritin ins Feld und wird dieser Rolle gerecht. Als Gesamtelfte (43:13) läuft sie dreieinhalb Minuten auf Susen Kunstmann (46:55) heraus, doch auch sie gibt nicht alles. Schon im vergangenen Jahr hatte sie Aurau kurz vor dem Sportexamen gewonnen, bei den Prüfungen bremste sie dann eine Achillessehnenverletzung aus. Strecke, Kinder und viele bekannte Starter lockten Korn heuer wieder nach Aurau. "Ich wollte locker mitmachen und es hat sich gut angefühlt" – heute und morgen muss sie sich nun in Weitsprung, Hochsprung und mit dem Speer beweisen. Als Langstrecklerin – im April absolvierte sie bei den bayerischen Meisterschaften in Amberg den Halbmarathon in 1:27 Stunden – ist der Sprint beim Weitsprung mittlerweile eine Herausforderung, aber es wird schon klappen.

Nach dem Examen würde Korn auch gerne im Läufer-Cup die Mission Titelverteidigung starten. Einige Rennen musste sie wegen Prüfungen oder anderen Wettkämpfen absagen, bei anderen war sie krank, doch mit dem Sieg in Aurau, ihrem zweiten, schiebt sie sich in der Gesamtwertung auf Platz zwei. Heuer laufen die Damen nur sporadisch bei den Wettkämpfen mit, Michaela Jilg (TSV Rothaurach) hat mit vier Starts noch die meisten absolviert. So führt Annika Ehrhardt mit drei Siegen – nach der Sommerpause könnte Korn noch einmal angreifen.

Werner Kopp (li.) und Erich Lederer stemmten den Klosterweglauf. © Stefan Bergauer


Derweil werden im Fernseher die Hymnen gespielt. Lederer hat aber keine Zeit für einen Blick. Er hat während des Hauptlaufes die Sieger der anderen Rennen geehrt, nun verteilt er goldene, silberne und bronzene Schuhe. Seit in der Früh um 8.30 Uhr ist der 72-Jährige in Sachen Klosterweglauf unterwegs, hat Strecken markiert und präpariert, vorbereitet. Zum Glück hilft ihm Werner Kopp, alleine wäre es nicht zu stemmen, auch wenn das Dorf mitanpackt.

Heuer ist nicht alles wie immer in Aurau, SAS übernimmt die Zeitnahme. Eigentlich eine große Hilfe, eine Baustelle weniger, um die sich Lederer und die Helfer kümmern müssen – Aurau stemmt den Lauf ja neben der Kirchweih. Der Wechsel war nötig geworden, weil die bisher verwendeten Rechner den Geist aufgaben und es sich nicht gelohnt hätte, die Software umzuziehen. Aber der SAS-Service kostet natürlich auch, 850 Euro. Sechs Euro zahlen die Erwachsenen für einen Start in Aurau, Kinder die Hälfte.

"Der Lauf rentiert sich nicht mehr", sagt Lederer. Jetzt muss der SFV Aurau entschieden, unter dessen Dach der Klosterweglauf stattfindet. Soll es weitergehen oder nicht? Lederer ist eher skeptisch, Kopp optimistischer – man wird sehen. Im Herbst weiß man mehr. Schade drum wär’s. 

Stefan Bergauer Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung E-Mail

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