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Lokalpolitiker auf Roll-über-Rock-Tour im Zentrum

Bürgermeister und Rother Stadträte erlebten im Rollstuhl und mit Rollator die baulichen Barrieren für Menschen mit Handicaps - 30.10.2013 16:58 Uhr

Da darf es nicht pressieren: Bürgermeister Ralph Edelhäußer tüftelt eine Strategie aus, um mit dem Rolli in die einzige öffentliche Behinderten-Toilette der Stadt zu kommen. © Tschapka


Dr. Paul Rösch, der Vorsitzende des Inklusionsnetzwerks, hatte beim Rother Krankenhaus fünf Rollstühle und zwei Rollatoren ausgeliehen, damit für die nichtbehinderten Stadtvertreter diese gemeinsame Runde möglichst authentisch ausfällt. Gleich nachdem Bürgermeister Ralph Edelhäußer und Co. in ihren Rollstühlen Platz genommen hatten, gab Rösch erst einmal eine Sicherheitseinweisung, wie die Stühle zu bedienen seien. „Sonst müssen wir die Rollstühle beim Krankenhaus mit Inhalt zurückgeben“, scherzte dieser, ehe sich die Gruppe auf den Weg machte.

„Schmeiß mich nicht raus“, meinte CSU-Stadtrat Heinz Bieberle zu seinem SPD-Stadtratskollegen Gerhard Grau, der dessen Rollstuhl schob. Später wurde fraktionsübergreifend die Position gewechselt.

Als erste Station wurde der von Kopfsteinpflaster bedeckte Schlosshof ausgewählt, eine echte Herausforderung für die Arme, darin waren sich alle einig. „Das ist gar nicht so einfach“, stellte Roths stellvertretende Bürgermeisterin Elisabeth Bieber fest, und auch Edelhäußer befand, dass diese Strecke für Ungeübte ziemlich schwer sei. „In der Zeit, als der Hof gepflastert wurde, hat sich noch niemand Gedanken gemacht über Rollstühle oder Barrierefreiheit“, so der Bürgermeister.

„Ich bin jetzt aber schon besser geworden“, freute sich Bieber, die sich langsam an die Situation gewöhnte, und äußerte die Idee, einen schmalen Pfad aus geradem Kopfsteinpflaster durch den Schlosshof zu legen, darauf kämen Rollstuhlfahrer zurecht, und es würde auch gut aussehen.

Gemeinsam rollte die Gruppe entlang des Schlosses zum Parkdeck bei der Müller-Drogerie, wo die einzige öffentliche Behindertentoilette in Roth zu finden ist. Zuvor machte Edelhäußer am Rand des Schlossgrabens aber noch Bekanntschaft mit einem ziemlich ungeeigneten Untergrund. „Split geht gar nicht, da sinke ich ja ein“, stellte er fest, ehe er, an der Toilette angekommen, mit der Tür kämpfte. „Ich halte die Tür auf, aber sonst halt ich nix“, unterstützte ihn Bieber bei dem bürgermeisterlichen Test-Toilettengang.

Allerdings gab es viel zu kritisieren an dieser Toilette. Die Ausschilderung sei unzureichend, es fehle die gesetzlich vorgeschriebene Notruf-Leine, und besonders sauber sei sie auch nicht. Auch am Jugendhaus stellte die Gruppe Mängel fest: „Jugendliche Rollstuhlfahrer kommen nur in das Erdgeschoss, und um im Büro im ersten Stock zu klingeln, muss erst eine Treppe überwunden werden“, so Rösch. Des Weiteren seien auf dem Marktplatz, den die Gruppe als nächstes ansteuerte, die wenigsten Geschäfte barrierefrei, überall Treppen und Absätze. „Versuchen sie einmal, sich hier einen Kaffee zu besorgen oder am heutigen Weltspartag einen Euro in der Postbank einzuzahlen“, so Rösch.

Ganz schlimm für Rollstuhlfahrer erwies sich auch der Willy-Supf-Platz, den die Rother Stadtbaumeisterin Lydia Kartmann „meiden würde, wenn ich im Rollstuhl sitzen würde“. Dafür sei ihr zufolge nach Abschluss der schon lange andauernden Bauarbeiten rund um den Platz die völlige Barrierefreiheit das Ziel, wobei speziell in der Nürnberger Straße auch die privaten Anwohner für zum Beispiel Bordsteinabsenkungen mit ins Boot geholt werden müssten.

Rothmühl-Passagen Eins A

Nichts zu bemängeln hingegen gab es für alle Beteiligten in den Rothmühl-Passagen, sowohl angesichts der Erreichbarkeit aller Geschäfte, des Fahrstuhls für den ersten Stock, und auch der Behindertentoilette, die sich sauber, warm und auch mit der Notfall-Leine ausgestattet präsentierte.

Auch das Positive galt es laut Paul Rösch vom Inklusionsnetzwerk darzustellen. „Wir wollten uns ja nicht mit erhobenem Zeigefinger auf den Weg durch Roth begeben, sondern konstruktiv mit der Stadt zusammenarbeiten“, so Rösch, laut dem rund zehn Prozent der Rother Bevölkerung Schwierigkeiten mit dem Laufen haben, dies sei eine realistische Schätzung. „Und wenn wir diese zehn Prozent bewegen können, öfter die Rother Innenstadt zu besuchen, so trägt das auch zur Belebung der Stadt entscheidend bei“, ist sich Rösch sicher.

TOBIAS TSCHAPKA 

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