Staatsschutz ermittelt

Nazi-Parolen in fränkischer Disko: Stecken AfD-Mitglieder dahinter?

Johannes Lenz

Nordbayern-Redaktion

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16.1.2024, 13:24 Uhr
Rund 30 Partygäste versuchten, den Dancefloor einer Gredinger Diskothek mit ihren Parolen braun zu färben (Symbolbild).

© IMAGO/Gonzales Photo/Kim Matthai Lelan Rund 30 Partygäste versuchten, den Dancefloor einer Gredinger Diskothek mit ihren Parolen braun zu färben (Symbolbild).

In einer Diskothek in der Gredinger Bahnhofstraße trafen sich auch in der Nacht von Samstag auf Sonntag zahlreiche Feierwütige. Mit dabei: Italo-Dance-Legende Gigi D'Agostino. Nicht in persona, aber immerhin dröhnte gegen drei Uhr morgens sein 90er-Jahre-Hit "L'Amour Toujours" durch den Tanzsaal. Eigentlich ein Garant für gute Stimmung, doch ein Teil der Gäste sorgte für das genaue Gegenteil: Nach Information des Polizeipräsidiums Mittelfranken skandierte gegen drei Uhr morgens eine etwa 30-köpfige Gruppe ausländerfeindliche Parolen zu "L'Amour Toujours".

Mit "Amour", Liebe, hatten die verbalen Entgleisungen der Disko-Gäste nichts zu tun. Sie grölten "Deutschland den Deutschen, Ausländer raus" im Takt des Techno-Songs, wie aus einem Video hervorgehe, das der Polizei vorliegt. Dabei handelt es sich um eine bekannte Kampfparole aus der rechtsextremen Szene. In rechten Kreisen scheint es mittlerweile ein regelrechter Trend zu sein, die Parole mit Gigi D'Agostinos Lied zu verknüpfen. Zahlreiche Clips in den sozialen Netzwerken und auf YouTube dokumentieren die Praxis, auch der "Deutschlandfunk" und die "Hessenschau" berichteten bereits.

Nun hat der braune Trend seinen Weg nach Greding gefunden. Zufälligerweise genau an dem Wochenende, an dem die AfD ihren Landesparteitag im Gredinger Hippodrom abhielt? Wahrscheinlich nicht: Tatsächlich lägen der Polizei Anhaltspunkte vor, wonach es sich bei den Parolen-Grölern um Teilnehmer des AfD-Parteitages gehandelt habe. Genauere Angaben zu diesen Anhaltspunkten möchte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit noch nicht machen, aber die Hinweise würden aktuell geprüft.

"Gegendruck" anderer Gäste - Polizei sucht Zeugen

Zurück zu den Geschehnissen in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Laut Polizei habe der Betreiber die Personengruppe gebeten, aufzuhören, ihre Parolen zu skandieren. Auch sei zu hören gewesen, wie andere Gäste "Nazis raus" rufen - "es gab einen gewissen Gegendruck", bestätigte eine Sprecherin der Polizei Mittelfranken. Für die rund 30 Gäste mit ausländerfeindlicher Gesinnung wird der Vorfall dennoch ein Nachspiel haben: Aktuell bestehe nach Polizeiangaben der Anfangsverdacht auf Volksverhetzung nach § 130 StGB. Deshalb ermittelt mittlerweile das Kommissariat für Staatsschutz der Schwabacher Kriminalpolizei in dem Fall.

Die Beamten des Schwabacher Staatsschutzes bitten nun um Zeugenhinweise. Wer in der betreffenden Nacht in der Diskothek war und Angaben zu dem Vorfall machen kann, oder weitere Bilder oder Videos angefertigt hat, wird gebeten, sich unter der Rufnummer 0911 / 2112 3333 zu melden.