Freitag, 16.11.2018

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Roth: Die Kirchweih-Kartler

Georg Strebs Runde spielt schon seit 30 Jahren - 15.08.2018 06:00 Uhr

Die Kartelrunde um das Ehepaar Streb auf der Rother Kirchweih feiert heuer runden Geburtstag: Seit 30 Jahren sitzen die fünf immer püntklich zum Kartenspielen beim Festbetrieb beieinander. © Foto: Marco Frömter


"Wir sind gespannt, ob wir vor dem Bierzelt auch karteln dürfen", sagt Brigitte Streb. Ihr Mann Georg sieht keine Probleme. "Wir sorgen ja für guten Umsatz. Jeder von uns trinkt dann schon seine vier Maß Bier", scherzt er zuversichtlich.

So einfach war es in der Vergangenheit nämlich nicht, beim Festbetrieb auf der Rother Kirchweih ein paar Partien Karten zu spielen. Georg Streb erinnert sich noch lebhaft: "Der alte Festwirt, Siegfried Schmidt, wollte nicht, dass wir auf der Kirchweih Karten spielen." Eine Kirchweih und Karteln würde sich nicht vertragen, hieß es. "Von ihm haben wir jedenfalls keine Karten bekommen. Dann haben wir eben unsere eigenen mitgebracht. Wir wurden aber geduldet."

Aus dem Vorhaben entstand eine insgeheime Tradition, die nun schon seit drei Jahrzehnten fester Bestandteil für die Familie Streb auf der Rother Kirchweih geworden ist. Und: "So lange wir noch spielen können, machen wir auch weiter."

Entstanden ist die Idee Ende der 1980er Jahre, als das Ehepaar noch aktiv beim TSV Roth Tischtennis spielte. "Wir richteten am Dienstagnachmittag die Kinderbelustigung auf dem ehemaligen TSV-Gelände aus." Die Sportabteilungen wurden angehalten, freiwillige Helfer zu akquirieren, was nicht so einfach war. Die Fußballer und Leichtathleten zeigten kein Interesse.

Aus der Not heraus meldeten sich drei junge Männer aus den eigenen "Tischtennis-Reihen" – einer davon war Sohn Lothar. Jeder der Sportler erhielt eine eigene Station, bei der die Kinder ihr Geschick unter Beweis stellen durften: "Für die Teilnahme gab es jeweils zehn Pfennig zu erkämpfen." Die Teilnahme sei überwältigend gewesen, und man kam nicht hinterher, genug "Zehnerle" bereitzuhalten, erinnert sich der ehemalige TSV-Kassier Georg Streb. Auch der Nachwuchs zeigte schnell große Freude zu helfen.

Kleines "Zuckerle"

Als kleines "Zuckerle" wurden die drei Männer nach der Veranstaltung auf eine Maß Bier auf der Kirchweih eingeladen. "Wir hatten viel Spaß, und irgendwann kam die Idee auf, dort Karten zu spielen."

Lothar Streb, Armin Grosch und Robert Nachtrab haben an dieser Tradition ebenfalls festgehalten. "Seit 30 Jahren kommen die Freunde verlässlich zur Kirchweih und spielen mit uns", freut sich Brigitte Streb heute noch. Jeder habe zwar seine Verpflichtungen und volle Terminkalender, doch für den "Familien-Event" nehme sich jeder frei. Bis auf einmal – Sohn Lothar musste aufgrund eines Urlaubs in Mexiko ein einziges Mal passen – seien die fünf immer komplett. Auch in diesem Jahr.

Eine Spielepartie dauere bis zu fünf Stunden, wird erklärt. Es sei also nicht selten, dass bis zum Ende der Kirchweih gespielt werde. "Wir suchen uns dann immer einen Platz, wo eine Laterne steht, sobald es dunkel wird", so Georg Streb. Dabei lasse man sich dann schon die eine oder andere Maß schmecken.

Nur Brigitte Streb verzichte seit jeher auf Bier und übernahm zum Schluss immer den Fahrdienst für die Herren. Heute würden schon die Kinder der "Jungs" fahren und ihre Väter abholen. Lothar Streb komme übrigens eigens aus Würzburg angereist, um der "Kartel-Runde" in gewohnter Art und Weise beiwohnen zu können. Und dann gehe es professionell zur Sache: "Unser Lothar ist ein Mathematiker."

Er berechne bereits im Vorfeld mögliche Kartenpaarungen. Wichtig sei für alle, dass es auch zukünftig bei der "Fünfer-Konstellation" bleibe. "Wir spielen immer zu viert. Einer hat dann immer die Zeit, etwas zu essen oder zu trinken."

Mittlerweile schauen schon viele Freunde und Bekannte am Tisch der Strebs vorbei, und so mancher "Profi-Kartler" werfe dabei durchaus neidische Blicke auf die Spieler, registrieren sie schmunzelnd.

Natürlich werde die diesjährige Rother Kirchweih auch wieder bis zum Schluss ausgenutzt, um das bunte Festtreiben samt Kartenspielen traditionell ausklingen zu lassen. 

MARCO FRÖMTER

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