Mittwoch, 19.12.2018

|

Roth lag im Sperrgebiet gleich neben dem "Eisernen Vorhang"

Das Dorf in Thüringen konnte bis 1972 nur mit Passierschein besucht werden - 08.10.2018 11:29 Uhr

Der "Laufbrunnen" in Roth bei Römhild © joachimender51, CC BY-SA 3.0


Mit seinen rund 290 Einwohnern ist Roth ein klassisches Kirchendorf, eingebettet in die Ausläufer der beiden Gleichberge im Tal der Milz: In der Dorfmitte steht die Marienkirche, die erstmals anno 1321 bei der Einpfarrung von Roth nach Bedheim schriftlich genannt wurde. Noch älter ist die erste urkundliche Erwähnung der ganzen Ortschaft im Jahre 1198. Die über Jahre hinweg aufgebaute Chronik von Roth besteht heute aus mehreren Bänden, die bis 1910 zurückreichen.

Idyllische Gegend für Fahrradtouren

"Wir haben viele Fachwerkhäuser, die das Ortsbild prägen", erklärt Peter Müller. Rund um Roth herum gibt es "viel Natur, Wald und landwirtschaftliche Flächen." Seit dem Bau zweier Stauseen nutzen die Rother (und die Menschen aus der Umgebung) die idyllische Gegend für Spaziergänge und Fahrradtouren. Heute kann jeder, der mag, wann er will nach Roth kommen und eine Runde durch die Natur drehen. Bis zum Jahr 1972 war das noch ganz anders: Roth lag nur etwa zehn Kilometer entfernt vom "Eisernen Vorhang", der die DDR von der BRD trennte. 

"Wer hier hin kommen wollte, brauchte einen Passierschein", erinnert sich Müller. An den Straßen gab es Kontrollstellen, an denen jedes Fahrzeug anhalten musste, das nach Roth hinein oder aus Roth heraus fuhr. Erst 1972 lockerte das DDR-Regime diese Regelung, so dass Besuche in Roth ohne Passierschein möglich wurden.

Zum Einkaufen über die bayerische Grenze


Nur kurz nach der Deutschen Wiedervereinigung, nämlich 1992, wurde Roth in die Gemeinde Gleichamberg eingegliedert. Bis dahin war Peter Müller der Bürgermeister von Roth. Später wurde Gleichamberg wiederum selbst nach Römhild eingemeindet. So gehört Roth, das die Postleitzahl 98630 trägt, heute zu Römhild.

Im Dorf gibt es noch ein einziges Gasthaus, die "Preußenscheune". Das in den 1970er Jahren noch zu DDR-Zeiten erbaute Kulturhaus wurde in den vergangenen Jahren umfangreich renoviert. Zum Einkaufen müssen die Rother in Ermangelung eines Ladens in die Kreisstadt Hildburghausen oder nach Bad Königshofen auf der bayerischen Seite der nahen thüringisch-bayerischen Grenze fahren. Was heute problemlos möglich ist, bis 1990 jedoch völlig undenkbar war.

Trinkwasserspeicher Roth II

Unweit von Roth verlaufen der Rabers- und der Solzbach, direkt durch die Ortschaft fließt ein Bächlein namens Milz, das sich in seinem weiteren Verlauf zum Fluss entwickelt und schließlich in die Fränkische Saale mündet. Im Oberlauf der Milz befindet sich ein nach Roth benannter Stausee, der Trinkwasserspeicher "Roth II".

Eine besondere Tradition, die Peter Müller besonders am Herzen liegt, ist das Nikolausfest jedes Jahr am 6. Dezember: "Da kommt seit 70 Jahren der Nikolaus auf den Dorfplatz. Die Eltern geben Geschenke ab, die Kinder singen Lieder und dann verteilt der Nikolaus die Geschenke."

Von Roth kommt man in gut 20 Minuten auf die Autobahn 71 von Schweinfurt nach Suhl und die Autobahn 73 von Bamberg nach Suhl. In der Kreisstadt Roth in Mittelfranken war Peter Müller noch nie. Aber in Roth im oberfränkischen Landkreis Lichtenfels.

 

MARTIN REGNER E-Mail

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Roth