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Roth: Per Bungee-Sprung die Chancen abchecken

"Tag der Begegnung" am AWO-Betreuungszentrum zeigt Ausbildungsoptionen im sozialen Bereich auf - 21.04.2017 17:49 Uhr

Wie fühlt sich Alter eigentlich an? GERT gibt Antworten: Im Alterssimulationsanzug können Jugendliche am 9. Mai eine kleine „Zeitreise“ antreten.

Wie fühlt sich Alter eigentlich an? GERT gibt Antworten: Im Alterssimulationsanzug können Jugendliche am 9. Mai eine kleine „Zeitreise“ antreten. © Foto: Klier


Wie fühlt sich das an? Die Augen sind getrübt, die Gelenke steif, mit dem Hören klappt´s nicht mehr so gut und allmählich schwinden die Kräfte. Dieses defizitlastige Gesamtpaket hat einen Namen: Alter. Ein Zustand, den immer mehr Menschen immer länger erleben werden.

Jugendliche tun sich freilich schwer mit dem Nachempfinden von Gebrechlichkeit. Und darum gibt es GERT. Der "Alterssimulationsanzug" will Verständnis für die Lebenssitutation älterer Menschen wecken, indem sich die Jugend das Alter einfach "anzieht". . .

Nur eine Komponente von vielen. Denn schließlich soll der 9. Mai im Awo-Betreuungszentrum an der Ludwig-Thoma-Straße "ein richtiger Erlebnistag" für Schulklassen und Interessierte ab 14 Jahren werden. Günther Wittmann, Geschäftsstellenleiter der "Gesundheitsregion plus" am Rother Landratsamt, ist regelrecht begeistert: Hier könnten junge Menschen das große Thema "Pflege" in all seinen Facetten "aktiv nachvollziehen". Indem sie eingebunden würden, selbst ausprobieren dürften – "das macht diesen Tag so besonders", gibt sich Mit-Koordinator Wittmann überzeugt.

Nicht jammern, handeln!

Überzeugt ist auch Einrichtungsleiterin Perina Feicht von der Idee, denn: "Es herrscht so viel Gejammer über den Fachkräftemangel im Sozialwesen, der in Zukunft noch größer wird." Aber: "Man darf nicht jammern, man muss was tun!"

Erkennbar ist nämlich längst: Der Bedarf an Pflegekräften steigt stetig, weil die Deutschen immer älter werden. Und: Das Personal auf den Stationen altert mit, derweil die Schülerzahlen sinken. Günther Wittmann belegt´s anhand einer Statistik. Um also Jugendliche für eine Qualifizierung auf dem Pflegesektor zu gewinnen, sei positive Aufklärung vonnöten. Jugendgerechte Aufklärung. Wie beim "Tag der Begegnung" im Awo-Betreuungszentrum: "Hier gehen wir neue Wege", freut sich Günther Wittmann und untermauert einmal mehr das "Erfahren, Fühlen, Spüren".

Körperliche Belastung, Schichtdienst und ganz gewiss kein Spitzengehalt? Klar, das alles lasse sich im Pflegebereich nicht wegdiskutieren. Gleichwohl habe man dem auch etwas entgegenzusetzen, sagt Feicht: "Krisenfeste Jobs mit echtem Entwicklungspotenzial".

Soll heißen: Die Karriereleiter lehnt bereit. Wer beispielsweise mit dem "Quali" in der Tasche eine pflegerische Ausbildung anstrebt, dem stehe im Anschluss durchaus ein duales Studium auf dem Gebiet des Gesundheits-, Sozial- oder Pflegemanagements offen.

Das Spektrum sei so breit wie zugänglich. Von vielen Seiten her. Auch das wolle dieser "Tag der Begegnung" demonstrieren. Ob in Heilerziehungspflege oder Altenpflege: Freiwilliges Soziales Jahr, Bundesfreiwilligendienst, Betreuungsassistenz, die einjährige Ausbildung als Pflegehilfe, tiergestützte Pädagogik – es gebe zahlreiche Möglichkeiten, mit einer zukunftsträchtigen Branche auf Tuchfühlung zu gehen, so der Tenor. Den Anstoß könnte der unverbindliche "Bungee-Sprung" im Awo-Betreuungszentrum liefern. Wortwörtlich übrigens. Denn neben Infoständen, Gesprächsangeboten und vielen Einblicken ins Pflegegeschehen lädt tatsächlich ein "Bungee-Trampolin" zum Springen ein.

Im Kontrast dazu werden an einer Station alterstypische Bewegungseinschränkungen erfahrbar gemacht. GERT lässt grüßen! Außerdem dürfen die TeilnehmerInnen ihr Geschick im Einsatz von Pflegehilfsmitteln und -methoden erproben – vom Badewannenlifter bis zur Aufstehstütze.

Rollstuhlparcours

Blutdruck- und Pulsmessung oder das Stellen von Tabletten gehören ebenfalls zum Praxis-Angebot. Darüber hinaus wartet ein "Rollstuhlparcours" darauf, überwunden zu werden – Schrägen, Wippen und Brücken inklusive. Musikalisch flankiert wird das Ganze von den "Redh Brains", der Schulband des Rother Gymnasiums. Auch fürs leibliche Wohl sei gesorgt, heißt’s.

Damit das Konzept aufgeht, hat sich die Awo einige Kooperationspartner ans Haus geholt. Neben dem Gesundheitsamt sind´s: das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, die Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe Roth, das Bildungszentrum für Pflege, Gesundheit und Soziales Nürnberg, die Fachschule für Heilerziehungspflege Ebenried, aber auch die Apothekerfamilie Eiber oder das Rother "Haus der Schönheit". Fachleute und Azubis der jeweiligen Institutionen würden ihr Wissen auf entspanntem Wege  weitergeben.

Während sich Perina Feicht einen Nachhaltigkeitseffekt der Veranstaltung im Sinne von "alle Jahre wieder" erhofft, geht Günther Wittmann in seinem Ausblick noch einen Schritt weiter: Wenn die Aktion ankommt – warum nicht dereinst auch eine ganze Ausbildungsmesse mit dem Schwerpunkt Pflege in Roth konstituieren? So würde dieser Bungee-Jump zum Rother "Kick-Off" für eine "gepflegte" Zukunft . . .

Der Vormittag des 9. Mai (8.30 bis 12 Uhr) ist für Schulklassen (ab 7. Jhgst.) reserviert, während der Nachmittag (13 bis 17 Uhr) interessierten Jugendlichen offensteht. Anmeldung erforderlich: martina.wuttke@awo-ofr-mfr.de; mehr Infos im Awo-Betreuungszentrum, Ludwig-Thoma-Straße 1, Roth, Telefon (0 91 71) 8 43 80 oder www.awo-betreuungszentrum-roth.de 

PETRA BITTNER

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