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Sebastian Reinwand: "Meine Träume sind in Erfüllung gegangen."

Sportler des Jahres 2018 im Landkreis Roth: Die Nominierten - 26.12.2018 17:30 Uhr

Der sportliche Höhepunkt und auch Abschluss einer beeindruckenden Läuferkarriere: Sebastian Reinwand (li.) in diesem Sommer als Mitglied der Deutschen Marathonmannschaft bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Berlin. © privat


"Einmal im Nationaltrikot, das war mein Kindheitstraum." Sebastian Reinwand hat sich diesen Traum erfüllt. Bei der diesjährigen Europameisterschaft in Berlin gehörte er zur Marathon-Nationalmannschaft und erreichte mit einer Zeit von 2:19:38 Stunden Platz 33 im 72-Mann-starken internationalen Starterfeld. Damit war er der dritte von sechs deutschen Läufern. "Das war die Krönung", sagt Reinwand. "Damit habe ich mehr erreicht, als ich mir vorgestellte hatte", so der 31-jährige. Nach neun Jahren als Profi will Reinwand seine Laufschuhe nun an den Nagel hängen und im Landkreis Roth den Nachwuchs fördern.

Sebastian Reinwand hat die ersten Schritte seiner Läufer-Karriere ab 2001 in der Büchenbacher Leichtathletikabteilung unter Elli Müller absolviert. Ein Schulwechsel von Schwabach ans Gymnasium Roth gab dann den endgültigen Startschuss für den Kammersteiner. 2003 wurde er bei Leichtathletik-Koryphäe Loni Schroll vom SC Roth vorstellig. Er hat ihn als großes Talent erkannt. Es fand sich ein Trainer-Läufer-Paar, das sich bestens ergänzte. "Loni hat mich mit Herzblut trainiert", erinnert sich Reinwand. "Über Jahre hinweg war er für mich eine Vaterfigur."

Sebastian hatte der Ehrgeiz gepackt. Loni Schroll setzte auf Engagement und Disziplin. "Er hat ausschließlich Jugendliche gefördert, die auch regelmäßig trainierten." Fünf bis sechs Mal pro Woche hat Sebastian Reinwand fortan die Laufschuhe geschnürt, zweimal gemeinsam auf der Laufbahn. Das weitere Training wurde täglich abgesprochen.

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Sportler des Jahres 2018 im Landkreis Roth

Jedes Jahr zeichnet der Landkreis Roth seine erfolgreichsten Sportlerinnen, Sportler und Mannschaften aus. Hier die Nominierten für die "Gläserne Eins" im Überblick (wird laufend ergänzt).


Sebastian Reinwand ist ein echtes Kind des Landkreises Roth. Seine frühe Kindheit hat er in Rohr verbracht. Ab dem elften Lebensjahr stand sein Elternhaus in Kammerstein. Der Schulwechsel war zunächst aus der Not geboren. "Ich musste die siebte Klasse wiederholen." Eigentlich aber ein Glücksfall. "Sonst wäre ich nie zu Loni gekommen."

Überzeugt und begeistert

Schroll war überzeugt und begeistert zugleich von seinem hochbegabten Schützling. "Loni hat eigene Familienfeiern geschwänzt, um mich zur bayerischen Meisterschaft zu begleiten", erzählt Sebastian Reinwand. Der Lauf-Guru legte also die Grundlagen seiner späteren Profi-Kariere.

Mit dem Team Memmert und später als Mitglied des ART Düsseldorf hat er große Erfolge gefeiert. 2018 wurde er Deutscher Vizemeister im Marathon. Jeweils zweimal hat er mit den beiden Vereinen die deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Marathonlauf gewonnen.

Seinen ersten Einzel-Meistertitel hat er als 19-Jähriger im Freistaat gefeiert: 2006 ist er nämlich Bayerischer Meister über 5000 Meter geworden.

Viele phantastische Zeiten gab es inklusive. "Mein Ziel war es, fünf Kilometer unter 14 Minuten, zehn Kilometer unter 30 Minuten und den Marathon unter 2:20 Stunden zu laufen", zählt Reinwand auf. "Das alles habe ich geschafft." Auf die Deutschen Meistertitel über 10 000 Meter auf der Straße und zwei Mal im Halbmarathon kann er ebenfalls stolz sein.

Ab 2009 hat Sebastian Reinwand begonnen, professionell an seiner Laufkarriere zu arbeiten. Damals hat er in Regensburg Betriebswirtschaft studiert und dort in einer Athleten-WG gewohnt. Seither wird sein Tages- und Wochenplan vom Sport bestimmt. Zwei Mal pro Tag trainieren, zwei Mal pro Woche zur Physiotherapie. "Das hat nichts mit Wellness zu tun", schildert er den Verlauf, "da beißt man vor Schmerz schon mal ins Handtuch."

Gemeinsam waren sie stark: Der damals noch ganz junge Sebastian Reinwand mit seinem Trainer und Förderer Loni Schroll. © privat


Freizeit gibt es kaum, denn man müsse auch viel ruhen. "Jeden Tag Mittagsschlaf zur Regeneration."

Feiern am Wochenende war für ihn schon immer tabu. "Ich war nicht mal auf der Abitur-Abschlussfahrt dabei", erzählt Reinwand. Das Studium hat er verspätet als Bachelor abgeschlossen. "Das war aber eigentlich nie mein Focus", sagt er. Der Focus war immer auf die sportliche Zielen gerichtet. Dabei hat er auch sein persönliches Glück gefunden. Gattin Simone hat er beim Wettkampf kennengelernt. Das Ehepaar wohnt heute in Reichelsdorf. Sohn Franz ist drei Jahre alt.

Strukturiertes Leben

Für absolute Weltklasse-Leistungen fehlten Sebastian Reinwald lediglich die biologischen Voraussetzungen. Sauerstoff-Verarbeitung im Körper, Menge und Verteilung der Muskulatur, Körpergewicht. Alles individuelle Eigenschaften, die genetisch bestimmt und bei anderen besser ausgeprägt sind. "In Bestform wiege ich 63 Kilo, andere aber 59. Das ist bei mir nicht möglich", sagt Reinwand. Der Rest für Höchstleistung ist Fleiß, Disziplin und ein sehr strukturiertes Leben. Der Ausdauersport verzeiht keine Nachlässigkeit. Bis hin zur Ernährung: "Ich koche jeden Tag frisch."

Trotzdem musste er lernen: "Nicht jeder kann Weltmeister werden." Das Positive überwiegt allerdings deutlich. "Ich verdanke dem Laufsport die schönsten Jahre meines Lebens", ist Reinwand überzeugt.

Künftig will Sebastian Reinwand als Trainer arbeiten. Die Lizenz dafür kann er bereits im nächsten Jahr erwerben. "Sport ist eine Wissenschaft, über die ich schon viel gelernt habe." Vor allem sollen die Läufertalente aus dem Landkreis Roth von seiner Erfahrung profitieren. "Uns fehlt hier der Spitzennachwuchs", stellt er fest. Der Suche nach Talenten und ihre Entwicklung. Dafür will er sein Know How einsetzen. Damit er nicht der einzige Sportler aus dem Landkreis Roth bleibt, dessen Kindheitstraum in Erfüllung gegangen ist. 

Robert Schmitt E-Mail

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