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Freitag, 21.09.2018

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Thalmässing: Kurze Filme sorgen für großes Kino

Fünf-Minuten-Komödie aus München gewinnt Wettbewerb - 13.05.2018 14:25 Uhr

Die beiden Preisträger Evgheni Merher und Richard Westermaier (vorne von links, hier im Bild mit den Sponsoren der Kurzfilmtage) freuten sich über ihre „Olga“, das Thalmässinger Pendant zum „Oscar“. © Foto: Jürgen Leykamm


Insgesamt 27 Filme mit einer Länge von 106 Sekunden bis zu einer Viertelstunde wurden gezeigt. Das Rennen machte das fünf Minuten lange Werk "Die neue Brille". In dem Film entwickelt sich eine harmlose Alltagsbeschäftigung wie ein Brillenkauf zu einer tödlichen Angelegenheit. Ein Ehemann lässt erst die Schikane seiner Frau über sich ergehen und heckt dann im Zwiegespräch mit der Optikerin finstere Pläne aus, denn "ohne Brille nimmt die Fantasie zu", so der Mann. Und die dreht sich bei ihm darum, mit seiner Frau als Beifahrerin im Auto gezielt gegen einen Baum zu fahren. Doch damit er überlebt und sie nicht, müssen neue Sehgläser her. Die Optikerin geht auf den Gedanken ein – und gesteht ähnliche Ambitionen bezüglich ihres Chefs. Das Ende bleibt offen – mit der Tendenz zum Unheil.

Den Besuchern der Kurzfilmtage bereitete es jedenfalls großes Vergnügen, sich diesen Streifen anzusehen, dessen Autor das Mordkomplott gekonnt und witzig in eine Alltagsszenerie gepackt hatte. "Letztlich sind es immer Verbündete, die in schwierigen Zeiten Hilfe gewährleisten", rang Bürgermeister Georg Küttinger dem Film in seiner Laudatio sogar noch eine sehr positive Botschaft ab. Sein Macher konnte die "Olga" — das Thalmässinger Pendant zum "Oscar" — auch persönlich entgegennehmen.

Der zweite und damit der Publikumspreis ging an Alexander Conrads, der  — wie viele seiner Kollegen — per Video das Wort an die Versammelten richtete. In seinem Film "Sardinien" geht nicht um ein junges Liebespaar. Als er mit seinen Kumpels Urlaub machen will, entdeckt sie Kondome in seinem Kulturbeutel. Damit ist Zoff vorprogrammiert.

Der dritte und damit der Preis des Teams der Kurzfilmtage ging an "die Abreise" (Milan Bath). Hier bekommen die Vorbereitungen zum Auszug einer Frau aus einem Mietshaus eine äußerst zynische Note, als die Hintergründe deutlich werden.

Gespannt durfte man auch sein, wer die beiden sogenannten "Horizonte"-Preise erhielt, welche die Medienzentralen der sieben katholischen Bistümer Bayerns und der einen evangelischen Landeskirche vergeben. Klaus Ploth als Leiter der einen beteiligten protestantischen Bildungseinrichtung zeigte sich erfreut darüber, das die ausgewählten Preisfilme wichtige Impulse für die Bildungsarbeit lieferten und somit auch ins Programm genommen würden. Der Film "Schwarm" (Evgheni Merher) zum Beispiel bietet eine Fülle von Themen: Schuld, Verantwortung, Mitläufertum, Freundschaft, Mobbing. Im Film erlegt ein Junge einen Vogel, um Kameraden zu imponieren. Doch das Tier lebt nach dem vermeintlich tödlichen Schuss verletzt weiter. Als es von seinem Leiden erlöst wird, werden auch die Karten der Clique neu gemischt.

Nach dem letzten Abspann konnten sich die Organisatoren der Kurzfilmtage zufrieden zeigen. Für Stefanie Singer, Benedikt Seidl und ihr Team ging damit ein knappes halbes Jahr Arbeit zu Ende. Im Dezember geht es mit dem Sichten der Filme los. Über 430 von ihnen galt es auszuwerten. Das Material für das Festival verschlingt dabei an die 400 Gigabyte Speicherplatz. Doch die Mühen lohnen sich. Es ist bei Besuchern wie Filmemachern gleichermaßen wertgeschätzt. "Thalmässing hat für uns einen guten Klang, eigentlich ein Pflichtfestival!" So war es unter anderem zu hören. Per Umfrage will das Team noch mehr von seinen Gästen erfahren, die Daten auswerten, um dann gut vorbereitet dem kommenden 25. Geburtstag entgegenzugehen. 

JÜRGEN LEYKAMM

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