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Donnerstag, 20.09.2018

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Zum Ski-Langlauf geht's über den Rother Berg

In dem Driedorfer Ortsteil nahe der Fuchskaute ist das Dorfleben noch intakt - 04.09.2018 14:50 Uhr

Das Rother Gemeindehaus ist komplett mit Schiefer verkleidet. Es steht mitten in dem Driedorfer Ortsteil, der an der B 255 liegt. © privat, Hans-Peter Haust


Rund 720 Rother leben in dem Driedorfer Ortsteil mit der Postleitzahl 35759. Roth liegt am äußersten Rand der Westerwälder Hochfläche. Weit kann der Blick hier schweifen, etwa hinunter ins Dilltal und seine Nebentäler. Nicht weit entfernt von Roth erhebt sich die Fuchskaute, der mit 657 Metern über Normalnull höchste Berg des Westerwaldes.

Bis 1977 war Roth eine selbstständige Gemeinde. Daran, dass die Dorfgemeinschaft sehr aktiv ist, hat sich durch die 1977 erfolgte Eingemeindung nach Driedorf kaum etwas geändert: Neben der Rother Feuerwehr mit ihren zwei Einsatzfahrzeugen gibt es im Ort einen Gesangverein, einen Sportverein und eine Landfrauen-Vereinigung.

Zum Kartoffelfest gibt's "Griebskräppel"

Ein spezieller Förderverein kümmert sich um den Erhalt und den Betrieb einer alten Dreschhalle, die in den Nachkriegsjahren 1946/47 erbaut wurde und heute als dörflicher Veranstaltungsraum dient. Hier findet die jährliche Kirmes am zweiten Wochenende im Juli statt — und das große Kartoffelfest am ersten Wochenende im September. "Da kochen die Vereine die verschiedensten Kartoffelgerichte und die werden dann gemeinsam gegessen", erklärt Hans-Peter Haust.

Neben Kartoffelpuffer, Kartoffelsuppe, Pellkartoffeln mit Hering und zahlreichen weiteren traditionellen Gerichten "nach Rezepten aus alten Zeiten" können bei dem Fest auch "Griebskräppel" verkostet werden. Das sind nach Auskunft von Haust geriebene Kartoffeln, die nach einem speziellen Rother Rezept mit verschiedenen Gewürzen angereichert und in der Pfanne herausgebacken werden. Früher, so erklärt es der langjährige Ortsvorsteher, habe jeder Ort in der Gegend seine ganz eigene Mischung für diese Kartoffelspezialität gehabt.

Frühe Industrialisierung ab 1928

Und dann gibt es noch einen Langlauf-Club im Dorf: "Der spurt jeden Winter eine Loipe über den Rother Berg — wenn die Schneeverhältnisse das erlauben." Auch ein Skilift ist vorhanden, der aber wegen der immer wärmeren Winter nicht mehr so häufig in Betrieb ist wie früher. Angler und Taucher können ihrer nassen Leidenschaft in dem mit Wasser vollgelaufenen, ehemaligen Steinbruch "Winkel" nachgehen.


Kurzum: Das Dorfleben in Roth scheint intakt zu sein. Was Hans-Peter Haust rundweg bestätigt: "Wir haben eine gut funktionierende Dorfgemeinschaft, wo sich untereinander geholfen wird. Wir haben auch eine gute Verbindung mit unseren ausländischen Mitbürgern, vor allem türkischer Herkunft, die fleißig in den Vereinen mitmachen."

Der mit rund 700 Mitarbeitern mit Abstand größte Arbeitgeber am Ort beliefert die Automobilindustrie mit Teilen, daneben bereichern mehrere Handwerksbetriebe das Rother Wirtschaftsleben. Auf der Homepage der Gemeinde Driedorf heißt es, dass Roth schon frühzeitig industrialisiert wurde. Was es damit auf sich hat, weiß Haust natürlich: Bereits ab 1928 sind am nahen Rehbach Wasserkraftwerke zur Stromerzeugung errichtet worden, die unter anderem eine Fabrik für Metall-Erzeugnisse versorgten. Zum Teil sind die alten Turbinen sogar noch heute in Betrieb und liefern Elektrizität.

Schöne Stunden im anderen Roth

Das einzige Gasthaus mit dem schönen Namen "Michel" ist rund 130 Jahre alt. Mitten im Dorf steht das historische Gemeindehaus, dessen Dach und Fassade vollständig mit Schiefer verkleidet sind. Der Ortsname Roth taucht 1324 erstmals in einem schriftlichen Dokument auf. Heute führt die Bundesstraße 255 direkt an Roth vorbei, deren voluminöse Stützmauer aus Beton die Nordseite von Roth dominiert. Über die Bundesstraße kommen die Rother schnell in die nächstgrößere Stadt: Herborn, das auch über einen Autobahnanschluss an die A 45 verfügt.

Hans-Peter Haust war noch nie in Roth in Mittelfranken, hat aber schon viel davon gehört: "Ich weiß, dass der Herr Michel, der das Gasthaus hat, in Roth in der Kaserne seine Grundausbildung gemacht hat. Der hat mir immer von dem anderen Roth erzählt. Und dass er da schöne Stunden verbracht hat in seiner Bundeswehr-Zeit."

 

MARTIN REGNER E-Mail

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