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Beste Unterhaltung bei „Charleys Tante“ mit dem TME

Zusatzvorstellung des Theatrum-Mundi-Ensembles zu Gunsten des SFZ Schwabach - 08.02.2014 12:31 Uhr

Wenige Handgriffe — und schon kommt die „falsche“ Tante ins Spiel. © Robert Schmitt


Das Schwabacher „Theatrum Mundi Ensemble“ hat das Singspiel in einer Inszenierung von Karlheinz Odörfer im „Gaswerk“ auf die Bühne gebracht und das Publikum damit bestens unterhalten.

Überzeugende darstellerische Leistungen, schmissige Songs, historische Kostüme und nicht zuletzt die Livemusik von Ruth Bäz am Klavier und Moritz Krauß mit dem Kontrabass lieferten eine Musikkomödie mit Pfiff. Die Glanzpunkte setzten Christian Ostermeier, der als Mann-Weib wunderbar sicher auf dem Grat zwischen schriller Tunte und sorgender Tante zu wandeln verstand, und Claudia Rabus, die sich per Erotik-Tanz von der züchtigen Gesellschaftsdame mit Backsteinbrille in einen Vamp verwandelt.

Nette Zwillingsmädchen

Überzeugend auch Tanja Hausmann und Germaine Stiles als fast ununterscheidbare Kitty und Mimi Spettigue. Sie verbanden luftigen Mädchencharme mit damenhafter Noblesse ohne Attitüde.

Rund um Irrungen und Wirrungen und sprießende Gefühle zauberte das „Theatrum Mundi Ensemble“ von Kalle Odörfer mit „Charleys Tante“ vergnügliche Unterhaltung auf die Bühne in der Galerie „Gaswerk“. © Robert Schmitt


Die Originalvorlage stammt aus der Feder von Brandon Thomas, der 1892 ein Stück über die abenteuerlichen Verwicklungen um drei Studenten in einem viktorianischen College schrieb. Es war ganz der deftige Humor, den der gelernte Schiffszimmermann und spätere Schauspieler von der Arbeit auf der Werft gekannt haben wird.

Das Theaterstück avancierte zu einer der berühmtesten Komödien und wurde bereits über ein Dutzend Mal verfilmt. In Deutschland einmal mit Heinz Rühmann und ein weiteres Mal mit Peter Alexander. Daniel Call hat aus diesem Schenkelklopfer ein feines Boulevardstück gemacht, das von einer zynischen Selbstironie im Stile Oscar Wildes lebt. Wunderbar dabei die Auftritte der echten Tante. Donna Lucia alias Petra Kraus ganz in Schwarz mit Sonnenschirm und überaus indignierter, aber äußerst gefasster Grundhaltung.

Rettender Besuch

Die Studenten Jack Chesney – Tobias Mayer – und Charley Breckneck – Karlheinz Odörfer – leben über ihre Verhältnisse, sodass sie zwar noch einen Diener hin- und herscheuchen, aber nichts Ordentliches mehr auf den Tisch bringen können. Das ist jedoch nicht das einzige Hindernis für das geplante Rendezvous mit den schönen Schwestern Spettigue. Eine Anstandsdame muss her. Da passt es wunderbar, dass Charleys steinreiche Tante Donna Lucia aus Buenos Aires zu Besuch kommen will.

Leider schickt sie fünf Minuten vor dem Stelldichein ein Telegramm, dass sich ihre Ankunft doch noch um einige Tage verzögert. Schnell muss jemand gefunden werden, der die Rolle dieser Tante übernimmt. Koste es, was es wolle. Es muss ja nicht unbedingt eine Frau sein.

Turbulenzen ohne Chaos

In diesem Rahmen geht es immer turbulent und spielfreudig zu, ohne dass Chaos entsteht. Der Zuschauer behält selbst dann den Überblick, wenn alle zehn Darsteller gemeinsam auf der kleinen Bühne agieren. Man verliebt sich kreuz und quer, und am Ende bekommt jeder, wen er verdient. Jacks Vater, ein Colonel, wunderbar gespielt von Johannes Müller, aber hat Pech. Er entbrennt so sehr für Charleys falsche Tante, dass ihm ihr Bartwuchs völlig entgeht.

Daniel Call legt seinen Figuren einen völlig neuen Text in den Mund. Auch wenn sie moderner sein sollen: im Tonfall gleichen die gutbürgerlichen Konversationen durchaus denen Brandon Thomas’: Spitzzüngige Wortgefechte, ergänzt durch Songs: Solo, im Duett und als Chor. Die Lieder hat Call selbst geschrieben. Robbie Williams sei da zum Beispiel eine Inspiration gewesen.

Die Rolle der Musik

Die Musik komponierte Niels Fölster. Und der lässt den berockten Mann im Takt über die Bühne stampfen oder Jack und Charley sanft im Duett schmachten. „Was ich für dich empfinde, passt zu keinem Pinselstrich“, säuselt Charly da seinem Mitbewohner ins Ohr. „Die Musik ist größer als das Wort“, sagt der Autor. „Sie kann all das ausdrücken, woran der normale Text scheitert, was man einfach nicht sagen kann.“

Oder darf, zumindest nicht im ausgehenden 19. Jahrhundert. Dass Charley nämlich schwul ist und ganz im Gegensatz zur tuntigen Tante so gar keinen Gefallen an den Schwestern Kitty und Mimi findet.

Zusatzvorstellung zu Gunsten des Sonderpädagogischen Förderzentrums Schwabach: Montag, 10. Februar, um 20 Uhr, im „Gaswerk“.

www.tme-sc.de
www.galerie-gaswerk.de

www.sfz-schwabach.de 

ROBERT SCHMITT

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