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„Collegium Dixicum“ ließ Herzen der Jazzfreunde höher schlagen

Hommage an Dixieland-Klassiker - 04.05.2015 11:01 Uhr

Eine der dienstältetsen Jazz-Gruppen der Republik: Das „Collegium Dixicum“. © Foto: un


Die sechs Herren aus Nürnberg „und drum rum“ sind eine der dienstältesten Jazz-Gruppen der Republik und gehören zum Inventar des Wendelsteiner Festivals.

„Wer es etwas ruhiger und „entschleunigter“ haben wollte beim Jazz & Blues Open, der wurde mit dem „Collegium Dixicum“ am Samstagabend bestens bedient. Die St. Wolfgangs-Stuben in Röthenbach waren sehr gut besucht mit treuen „Dixianern“, die die Musik dieser Band schätzen. Sie wurden nicht enttäuscht.

22. Jazz & Blues Open Wendelstein

Profihafte Amateur-Jazzband

Trotz des akademisch klingenden Namens ist das „Collegium Dixicum“ kein Kammermusikkränzchen, sondern eine profihafte Amateur-Jazzband. Zu ihrem Repertoire gehören heißer Oldtime-Jazz, jazziger Swing, einfühlsamer Blues, humorvolle Nürnberger Mundartlieder, Gospels, Bier-Jazz, Schlager („Moskauer Nächte“) sowie die europäische Klassik. Die Herren verstehen es auch, gefühl- und anspruchsvolle Arrangements aus eigener Feder zu bieten, die sich wohltuend vom herkömmlichen Dixieland abheben.

Von der Urbesetzung, die sich 1961 im Jazzstudio am Nürnberger Paniersplatz zusammenfand, ist heute nur noch der Schlagzeuger und jetzige Bandleader Max Rüttinger aus Wallesau mit von der Partie. „Ich bin der Senior, der Greis, in der Band“, meinte er humorvoll. „Man hat mich 1994 zum Kapellenleiter ernannt, weil man keinen Dümmeren gefunden hat. Ich bin der Schlagzeuger, der einzige Nicht-Musiker in der Kapelle.“

Als musikalische Vorbilder nennen die Herren des „Collegium Dixicum“ die Dutch Swing College Band, Eddie Condon, Louis Armstrong und vor allem die englische Band „Kenny Ball And His Jazzmen“. Die Musiker des „Collegium Dixicum“ mit langjähriger Jazz-Erfahrung sind beziehungsweise waren im wirklichen Leben Zahnarzt, Physiker, Elektro-Ingenieur, Oberstudienrat, EBV-Operator und Bau-Ingenieur.

Von den Gründern um Trompeter Günther Müller ist, wie erwähnt, nur noch Bandleader und Schlagzeuger Max Rüttinger übriggeblieben. 1962 schloss sich Reinhart Zimmermann, der jetzige Bassist der Band, an. Hanno Kohl spielt seit 1980 die Posaune, Charley Mäder am Sopransaxofon ist seit 1984 dabei. Der Jüngste im Bunde ist Stefan Schedl am Banjo und an der Gitarre. Die heutige Besetzung der Band bildet eine gewachsene, in sich geschlossene Formation.

Das Konzert in den St. Wolfgangs-Stuben war eine beeindruckende
Hommage an viele Klassiker des Dixieland und des Swing. Ganz egal, ob man den alten „Bill Baley“ anbettelte, er möge doch bitte wieder heimkommen, ob man „Summertime“ oder „Midnight in Moscow“ anstimmte, der handgemachte Jazz machte den Zuhörern viel Freude, ließ sie mitschnippen und mitwippen. Kreolische Sauflieder, der „Eiserboh-Moh“ und heldenhafte Tod von Casey Jones, dessen Lokomotive explodiert, „Puttin on the Ritz“ von Irving Berlin (1929) oder eine selbst komponierte Nocturne: Das „Collegium Dixicum“ hatte sehr unterschiedliche Stücke im Gepäck.

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Fließende Übergänge

Kompositionen von Sidney Bechet („Petits fleurs“), von George Gershwin („Love is here to stay“) und von Wolfgang Amadeus Mozart („Rondo”) zeigten, dass beim „Collegium Dixicum“ die Übergänge vom Jazz zur Klassik fließend sind. Besonderen Beifall erhielt die Band für Ohrwürmer wie „What a wonderful world“ von Louis Armstrong und Evergreens wie „Do you know what it means to miss New Orleans?“

Nach dem begeisternden Konzertabend mussten selbst jene, die dem Oldtime Jazz etwas reserviert gegenüber stehen, anerkennend feststellen, dass die sechs Herren aus Nürnberg „und drum rum“ es immer noch „spielend“ fertig bringen, dass die Zuhörer Kopf stehen.

Die Zuhörerinnen und Zuhörer quittierten die Darbietungen mit begeistertem Beifall. Das „Collegium Dixicum“ bewies eindrucksvoll, dass es trotz seiner 54 Jahre auf dem Buckel noch lange nicht zum alten Eisen gehört. 

ROBERT UNTERBURGER

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