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Das Jüdische Museum Franken in Schwabach eröffnet

Am Sonntag, 7. Juni, um 12 Uhr - „Die Laubhütte ist einzigartig“ - 03.06.2015 08:52 Uhr

Museumsleiterin Daniela Eisenstein erläutert das mit Laub gedeckte Kassettendach und die einzigartigen Wandmalereien. © Wilhelm


Das Jüdische Museum Franken hat am 2. Mai mit einer Pressekonferenz und einer Präsentation für Politiker und Förderer seine Außenstelle in Schwabach eröffnet. Das Museum befindet sich in einem ehemaligen jüdischen Wohnhaus. In ihm wurde „ein Kleinod europäisch-jüdischen Kulturerbes“ entdeckt: Eine historische Laubhütte mit Wandmalerei aus spätbarocker Zeit., in der die Bewohner einst das jüdische Laubhüttenfest feierten.

Am Sonntag, 7. Juni, stehen in Schwabach nun gleich zwei wichtige Ereignisse im Mittelpunkt: Zum einen die Wiedereröffnung der sanierten Stadtkirche, zum anderen die Eröffnung des Jüdischen Museums Schwabachs in der Synagogengasse 10. Zwischen 12 und 17 Uhr wird die zum Museum ausgebaute „Laubhütte“ erstmals der Öffentlichkeit zugänglich sein. Um 14 und 15 Uhr laden Museumsleiterin Daniela Eisenstein und ihre Stellvertreterin Verena Erbersdobler zu ersten Führungen ein.

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Erste Blicke in die Schwabacher Laubhütte

Das Jüdische Museum Franken in Schwabach öffnet seine Türen.


Eröffnung in Raten

Aufgrund der räumlichen Enge ist die Eröffnung aufgeteilt. Dienstagabend erfolgte die Präsentation mit Politikern und Förderern. Am Samstag sind Kulturschaffende eingeladen, am Sonntag alle interessierten Bürger. Am Dienstagvormittag wurde das Museum im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt.

Die Schwabacher Laubhütte ist der dritte Standort des Jüdischen Museums Franken. Dessen Hauptsitz ist in Fürth. In Schnaittachs ehemaliger Synagoge gibt es bereits eine erste Dependance, nun folgt Schwabach.

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Gebäude und Ensemble

Der Grund: Schwabach verfügt über einzigartige Zeugnisse jüdischer Kultur. Das gilt insbesondere für die ehemalige Laubhütte, aber auch für das gesamte Umfeld in der Synagogengasse.

Die Synagogengasse: „Sie ist ein einmaliges Ensemble“, sagt Museumsleiterin Daniela Eisenstein. Hier befinden sich die ehemalige Synagoge, das Rabbiner-Haus, das Lehrhaus und das außergewöhnliche Wohnhaus mit der intakten Laubhütte. Durch zwei große Holztore konnte die Gasse sogar abgeschlossen werden. Heute erinnern Nieten im Boden an die Tore.

„Das war aber kein Ghetto“, betont Daniela Eisenstein. „In Franken hat es keine Ghettos gegeben.“ Dass Juden meist im Umfeld einer Synagoge wohnten, hatte praktische Gründe: kurze Wege zu den Gottesdiensten.

Für die Synagogengasse hat das Jüdische Museum Franken sogar eine eigene „App“ entwickelt. Sie lädt per Smartphone zu einem einstündigen Spaziergang durch Schwabachs jüdische Geschichte.

Die Laubhütte: Sie ist das eigentliche Museum. Entdeckt worden ist sie 2001 — zufällig bei der Sanierung des Hauses durch die GeWoBau. Das heutige Museum ist also einem aufmerksamen Handwerker zu verdanken.

Jahrelang war die Laubhütte bereits in Führungen zu besichtigen. 2008 trat die Stadt Schwabach dem Trägerverein Jüdisches Museum Franken bei. „Unser Ziel war der Ausbau zu einem Museum“, blickt Oberbürgermeister Matthias Thürauf zurück. „Ich freue mich sehr, dass das nun geglückt ist.“

Dafür stark gemacht hat sich auch Bayerns ehemaliger Ministerpräsident Günther Beckstein, der die Schirmherrschaft übernommen hat. „Deutsche und bayrische Kultur sind ohne deren jüdische Wurzeln gar nicht erklärbar“, beschreibt er seine Motivation.

Bezirksrat Alexander Küßwetter, der Vorsitzende des Trägervereins Jüdisches Museum Franken, betont die aktuelle Bedeutung des Museums: „70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs ist es ein richtiges Zeichen gegen immer wieder aufkeimenden Neonazismus und religiösen Wahn, der weltweit Furor verbreitet.“

Einzigartige Malerei und intaktes Kassettendach: In Laubhütten feiern Juden das Sukkot-Fest, das an den Auszug aus Ägypten erinnert. Laubhütten dürfen kein festes Dach haben. Moses Löw Koppel ließ deshalb 1795 abnehmbare Kassetten in sein Dach einbauen und konnte sein Wohnhaus zu Sukkot in eine Laubhütte verwandeln. Zudem ließ er einzigartige Wandmalerei anbringen. Eine Szene zeigt eine Hasenjagd, die im Judentum eine Gebetsabfolge symbolisiert. Eine solche Szene ist sonst nur aus Büchern bekannt, aber nicht als Freske.

Öffnungszeiten: jeden Sonntag von 12 bis 17 Uhr. Führungen jeweils um 14 und 15 Uhr. Anmeldung: (0911) 77 05 77 oder unter fuehrungen@juedisches-museum.org. Eintritt: 5 Euro. Gruppenführungen jederzeit auf Anfrage möglich. Eintritt: 8 Euro. 

GÜNTHER WILHELM

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