Dienstag, 20.11.2018

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Große Ehre: Karl Freller erhielt den „Rabbiner-Spiro-Preis“

Israelitische Kultusgemeinden zeichneten Schwabacher Landtagsabgeordneten aus - 12.02.2014 08:52 Uhr

Karl Freller mit dem „Rabbiner-Spiro-Preis“. Von links: der ehemalige Landesbischof Dr. Johannes Friedrich, Monika Freller, Europaministerin Beate Merk und Dr. Josef Schuster, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. © Wilhelm


Im Flur vor dem Saal hat sich der 94-jährige Max Mannheimer auf eine Bank gesetzt. Als Karl Freller ihn sieht, geht er sofort zu ihm. „Das freut mich besonders, dass Sie gekommen sind“, sagt er zu dem Holocaust-Überlebenden und drückt mit beiden Händen dessen Hand. Mannheimer, selbst Träger des Bundesverdienstkreuzes, greift Freller freundschaftlich um die Schulter: „Und ich gratuliere Ihnen ganz herzlich.“

Der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern hat dem 56-jährigen Schwabacher CSU-Politiker den „Rabbiner-Spiro-Preis“ verliehen. Mit ihm werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich um die jüdischen Gemeinden verdient gemacht haben.

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Karl Freller wurde mit dem „Rabbiner-Spiro-Preis“ ausgezeichnet

Die Israelitischen Kultusgemeinden ehren den Schwabacher Landtagsabgeordneten mit dem bedeutenden „Rabbiner-Spiro-Preis“.


Als Kultus-Staatssekretär habe Freller den Dialog der Religionen gefördert. Heute als Direktor der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten finde er klare Worte etwa zu den NSU-Morden, würdigte ihn Dr. Josef Schuster, der Präsident des Landesverbands. „Für uns Juden in Bayern ist Karl Freller ein Glücksfall.“

„Aufklärer und Brückenbauer“

Für den terminlich verhinderten Ministerpräsidenten Horst Seehofer charakterisiert Europa-Ministerin Beate Merk Karl Freller als „Aufklärer und Brückenbauer“, als „Botschafter wider das Vergessen“.

Ein Beweis für die hohe Bedeutung dieses Preises ist die Anwesenheit des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland: Dr. Dieter Graumann beschreibt in einer rhetorisch brillanten Rede das jüdische Leben im nicht-jüdischen Umfeld als „versöhnte Verschiedenheit“. Das Judentum in Deutschland stehe vor einem „Perspektivenwechsel“. Es könne kein Vergessen geben, aber man dürfe sich von der Shoa „auch nicht dominieren“ lassen. „Judentum ist nicht nur diese dunkle Katastrophe“, betonte Graumann. „Judentum ist hell, heiter, herzlich und dem Leben zugewandt.“

Konsequenter Weg

Die Laudatio hält Dr. Johannes Friedrich, der als evangelischer Landesbischof 2009 den Preis erhalten hat. Schon als junger Realschullehrer habe Freller mit seinen Schülern das ehemalige KZ Flossenbürg besichtigt. Später als Landtagsabgeordneter und Staatssekretär habe er sich sehr für die KZ-Gedenkstätten eingesetzt. Dieser konsequente Weg habe ihn 2007 ins Amt des Direktors der Stiftung Bayerische Gedenkstätten geführt.

„Die Begegnungen mit den Überlebenden, so lange sie noch möglich sind, liegen ihm besonders am Herzen. Deutlich stellt er sich dem Rechtsradikalismus entgegen“, sagte der in Wernfels lebende Friedrich. „Karl Freller weiß aus seiner christlichen Überzeugung heraus, wie wichtig es ist, die Würde eines jeden Menschens zu achten.“

„Wir haben verstanden“

Karl Freller selbst bedankt sich vor allem bei seinen „Freunden und Vorbildern“ Georg Rosenbauer und dem erst kürzlich verstorbenen Hermann Stamm. Besonders würdigt er den Einsatz der Holocaust-Überlebenden als Zeitzeugen – insbesondere im Gespräch mit Schülern: „Das einzige, was wir alle hier im Raum euch dafür zurückgeben können, ist die Zusicherung: Wir haben verstanden.“ 

GÜNTHER WILHELM

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