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Historisches Kohlbauerhaus wird abgebaut statt abgerissen

Vom ehemaligen Wirtshaus „Zur Linde“ soll möglichst viel erhalten bleiben - 08.02.2014 10:11 Uhr

Dachbalken für Dachbalken und Fachwerkwand für Fachwerkwand holt seit dieser Woche eine Spezialfirma die alten Bauteile des „Kohlbauerhaus“ aus dem Altbau und wird die Bauteile bis zum Wiederaufbau des Gebäudes fachgerecht in einer Halle einlagern. © Ruthrof


Das ehemalige Wirtshaus „Zur Linde“ wird nämlich nicht endgültig verschwinden, wie es schon mit dem Rest der Industrieanlagen des früheren Hammerwerks geschehen ist, sondern eingelagert und in der dort entstehenden neuen Wohnanlage später wieder aufgebaut.

Noch vor wenigen Jahren schien es um den Erhalt des alten „Kohlbauerhaus“ an der Kleinschwarzenloher Hauptstraße beim Kriegerdenkmal geschehen. Denn die Planungen für die Neubebauung sahen nur den Abriss vor und danach leicht aufs Grundstück verschoben einen Neubau, der lediglich die historische Form des Gasthauses wieder übernehmen sollte.

Interessante Details

Dieser Plan scheiterte am Widerstand des Landesamts für Denkmalpflege, zumal die Bauforschung interessante Details zur Hausgeschichte entdeckt. Demnach wurde der Kernbau des Hauses direkt nach dem 30-jährigen Krieg (1618 bis 1648) um 1650 wieder errichtet. Im Mittelalter gehörte das Anwesen zum Grundbesitz des Nürnberger Waldamts St. Lorenz. Der jeweilige Wirt war im Auftrag der Waldamtsverwaltung für den hiesigen Waldbezirk – in den Urkunden besser als Schottenhut bekannt – als Waldaufseher tätig.

Als zusätzliche Einnahmequelle hatten die Hausbesitzer das Privileg für den „Rauchbatzen“ und waren damit offiziell für die Kontrolle der Feuerstätten im Ort zuständig. Sie gelten damit als Vorläufer der heutigen Schornsteinfeger.

Die Ergebnisse der Bauforschung und aus Archiven bestätigen, dass der Vorgängerbau des jetzigen „Kohlbauerhaus“ im 30-jährigen Krieg zerstört wurde.

Im Gegensatz zur Masse der Anwohner in Kleinschwarzenlohe, die ihre Häuser nach Ende des 30-jährigen Kriegs wieder aufbauten, musste der Wirt des „Kohlbauerhauses“ das Baumaterial für den Wiederaufbau um 1650 nicht bezahlen. Quellen im Staatsarchiv Nürnberg zufolge bekam der Wirt und Hausbesitzer aufgrund seiner Tätigkeiten für das reichstädtische Waldamt das Bauholz kostenlos zugewiesen.

Barockes Sandsteinportal

Ein erster Umbau des Hauses nach dem Wiederaufbau war 1746. Davon zeugt das prächtige barocke Sandsteinportal bis heute mit der Bauinschrift „J. M. S. 1746.“

Im 19. Jahrhundert wurden sowohl im Haus wie auch am Haus Umbau- und Anbauarbeiten vorgenommen, was sich gut an den jüngeren Backsteinmauern ablesen lässt. In der Sammlung des Archivkreises beim Wendelsteiner Heimatverein hat sich zudem ein Plan erhalten, wonach der Wendelsteiner Baumeister und Zimmerer Höllfritsch um 1890 im Stall eine neue und freitragende „preußische Kappendecke“ einzog. Auch in anderen Räumen gab es Umbauten.

Kleinere Umbauten fanden nach 1950 statt, als bereits die Familie Kohlbauer das Anwesen besaß. Der Schwabacher Wirt Hans Kohlbauer hatte 1919 die hiesige Wirtstochter Margarete Schrödel geheiratet und wurde dadurch später selbst Besitzer des stattlichen Wirtshauses.

Abriss geplant

Nach der Firmenpleite der „DL-Bau“, die auf dem großen Grundstück zwischen der Rangaustraße und der Schwarzach in den 1980er Jahren ein Seniorenwohnheim plante, erbte die Sparkasse die gesamte Anlage. Sie wollte kurz nach dem Jahr 2000 das Gelände neu bebauen, wobei das historische Gasthaus abgerissen und durch einen Neubau in Anlehnung an die frühere Gebäudebauform ersetzt werden sollte.

Der Widerstand des Landesamts für Denkmalpflege in München verhinderte diese Planungen. Jetzt

wurden mit einem neuen Investor für das Gelände eine mit der Denkmalpflege koordinierbare Lösung gefunden.

Möglichst viel erhalten

Vor seiner „Wiederauferstehung“ in wenigen Metern Abstand zum alten Standort und weiter drinnen im Baugelände wird das Gebäude jedoch derzeit zunächst fachgerecht abgetragen. Die Bauteile wie etwa ganze Fachwerkwände und die mehr als 300 Jahre alten Dachsparren und Holzdecken werden einzeln abgebaut. Vor dem Abbau wurde die historische Bausubstanz dokumentiert und eingemessen. In Abstimmung mit dem Denkmalschutz soll zudem versucht werden, möglichst viel von der alten Bausubstanz beim Neuaufbau wieder zu verwenden. Dazu hat sich der Bauträger verpflichtet.

Das alte Haus muss weichen, da die für die Neubauten nötigen Parkplätze in einer Tiefgarage entstehen sollen. Der dazu nötigen Baugrube ist das alte Wirtshaus im Weg.

Spannend wird es nach der Abtragung auch im Hinblick auf die Hausgeschichte. Geschichtlich Interessierte sind gespannt, ob sich unter den Fundamenten archäologische Funde und Befunde vom mittelalterlichen Vorgängerbau erhalten haben, die zugleich Hinweise auf die Kleinschwarzenloher Ortsgeschichte geben könnten.

Bis sie wieder aufgebaut werden können, werden die Bauteile des „Kohlbauerhofs“ in einer Lagerhalle aufbewahrt. 

JÖRG RUTHROF

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