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Im "Schwanennest" wird gesungen und diskutiert

Stammtisch in Schwand mit langer Tradition - 28.07.2017 14:33 Uhr

Gastwirtin Sylvia Lehmann und Hündin „Lotte“ freuen sich über den sonntäglichen Besuch der Stammtischbrüder vom „Schwanennest“. Dann gibt es nicht nur Neues zu erfahren, sondern es wird auch gesungen. © Foto: Karg


Über was sich das "Schwanennest" so alles unterhält? Politik und Fußball sind die Hauptthemen, bekommt der Reporter von der Zeitung als Antwort. Vor allem die Kommunalpolitik hat es den Stammtisch-Brüdern angetan. Letztes Jahr, so erzählen sie, just zu der Zeit, als auch das Schwabacher Tagblatt intensiv darüber berichtet hat, prägte beispielsweise das Wochenend-Gebiet die Unterhaltungen am Stammtisch. Man habe damals über alle Aspekte lange diskutiert, heißt es unisono.

Und ganz besonders angetan hat den Mannen am Stammtisch Geschichtliches aus Schwand. Denn es sei wichtig, Geschichten und Gegebenheiten von früher weiterzugeben, damit sie nicht in Vergessenheit geraten, damit auch die Jüngeren Bescheid wissen, unterstreicht Fritz Schrödel, der von allen, die mit am runden Tisch im Garten der Wirtschaft "Zum Schwan" sitzen, als "unser wichtigster Mann" bezeichnet wird, wenn es etwas zu organisieren gebe.

Bei den Zusammenkünften gibt schnell ein Wort das andere, sodass man sich um Themen wahrlich keine Sorgen zu machen braucht. "Früher hat man sich am Milchhaus getroffen, um Neuigkeiten zu erfahren, nun ist es eben der Stammtisch."

Vielfältig vernetzt

Schrödel weiß viel, davon sind alle überzeugt. Und er kennt die Menschen im Ort, denn immerhin war er 42 Jahre lang Gemeinderat, übte 18 Jahre den Posten des stellvertretenden Bürgermeisters aus, engagierte sich 20 Jahre lang ehrenamtlich als Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Schwand, ist Ehrenmitglied beim Gesangverein und Feldgeschworener.

Früher hieß der Stammtisch "Die Wahrheit", da tagte man noch regelmäßig im "Schwarzen Adler", bis man sich nach einer neuen Bleibe umsehen musste. Die war rasch gefunden im nahegelegenen "Der Schwan". Naheliegend, dass mit dem "Umzug" auch der Name angepasst wurde. Fortan hieß die lockere Gemeinschaft – mal kommen zu den Treffen zehn, mal 15 Personen – "Schwanennest", und Wirtin Sylvia Lehmann spricht liebevoll von den "Schwänen", die sich in ihrem Lokal nun regelmäßig versammeln.

Lehmann, die das Lokal seit dreieinhalb Jahren betreibt, weiß die Anwesenheit der "Schwäne" durchaus zu schätzen. "Ich fühle mich privilegiert", sagt sie, und sie sei stolz darauf, mit dem Stammtisch quasi eine erstklassige "Verbindung zum Ort" regelmäßig im Haus zu haben.

Frohes Singen

Das "Schwanennest" falle angenehm auf, auch dadurch, dass die des Gesangs mächtigen Stammtischbrüder immer wieder einmal eine (lautstarke) Gesangseinlage zum Besten geben. Das Repertoire ist breit gefächert, denn aufgrund vielfältiger Verbindungen können die wackeren Sonntags-Sänger problemlos auf den Liedschatz der Schwander Kerwa-Boum zuückgreifen.

Bei so viel Lob seitens ihrer Gastgeberin werden die Mannen vom "Schwanennest" keineswegs rot; vielmehr geben sie die Komplimente nur allzu gern an die Gastwirtin, der zu Füßen Hündin "Lotte" liegt, zurück. Man sei mit ihr sehr zufrieden, diktieren sie dem Reporter.

Wie es sich gehört, wenn ein Gast mit am Tisch sitzt, gibt es an jenem Sonntagabend natürlich auch eine ausführliche Vorstellungsrunde. Georg Feyerlein vom "Schwanennest" ist mit seinen 83 Jahren nicht nur ein Schwander "Urgestein", sondern auch der Älteste am Tisch und auch einer der aktivsten, wie angemerkt wird. Feyerlein sen. war auch schon fester Bestandteil von "Die Wahrheit".

Und damit die Stammtisch-Tradition gut weiter geht, sitzt auch bereits einer seiner Söhne mit am Tisch, Werner Feyerlein, der Jüngste in der Runde, der "noch keine Fünf" als erste Zahl hat, wenn es gilt, das Lebensalter zu erwähnen.

Alle Lieder im Kopf

Zum "Schwanennest" gehören an diesem Abend außerdem Georg Pfann, ein gebürtiger Schwander und genau wie Schrödel langjähriges aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und ein Aktivposten bei den Kerwa-Boum, und Karl Pfann, ebenfalls versierter Kerwa-Bou, guter Sänger ("Er hat alle Lieder im Kopf") und wandelndes Lexikon, wie ihm bescheinigt wird – und ebenfalls in Schwand geboren.

Dies wiederum kann man von Friedrich Hörauf nicht sagen. Als gebürtiger Spalter hat er vor 30 Jahren eine Schwanderin geehelicht und lebt seitdem im heutigen Ortsteil von Schwanstetten. Er ist nicht nur an der Spitze der Jagdgenossenschaft, sondern auch aktives Mitglied beim Gesangverein. "Ein ganz Lustiger", teilt die Runde ergänzend mit.

Vor mittlerweile 37 Jahren in Schwand eingeheiratet hat Josef Böhm, der ursprünglich aus Pfaffenhofen stammt und in seiner Freizeit bei der Feuerwehr aktiv ist. Wolfgang Böhm, mit seinem Namensvetter nicht verwandt, hat in Schwand "hereingefreundschaftet", wie es seine Stammtisch-Brüder nennen. Er stammt zwar aus Georgensgmünd, "hat aber schon viel angenommen" von den Schwandern. Von Beruf ist Böhm Koch und angesichts der verschiedenen kulinarischen Aktivitäten, die beim "Schwanennest" regelmäßig im Kalender stehen, von großer Wichtigkeit für die gesellige Runde.

Um Sprüche nicht verlegen

"Er hat immer einen coolen Spruch drauf", wird Hermann Schlee beschrieben, der ebenfalls mit am Tisch sitzt. Schlee ist auch als Pressewart für den 1. FC Schwand tätig und informiert die Sportredaktion unserer Zeitung regelmäßig über sportliche Erfolge der Kicker.

Fehlen tut am Abend, als das Tagblatt zu Besuch ist, Ernst Forster, aber nicht freiwillig, sondern er ist erkrankt, wie seine Stammtisch-Brüder berichten, die ihm auch gleich via Zeitung herzliche Genesungswünsche zukommen lassen.

Rundfahrt mit dem Traktor

Einige Male im Jahreslauf trifft sich der Stammtisch auch außerhalb der Gastwirtschaft. Dann stellt Fritz Schrödel sein Grundstück zur Verfügung, um dort ein Sommerfest zu feiern oder nach einer Rundfahrt mit Traktor und voll besetztem Anhänger am Vatertag eine letzte Anlaufstelle zu haben. Und da ist es gut, wenn man einen in den Reihen hat, der sich aufs Kochen versteht. Dann wird im Freien der Kessel angeschürt, um sich eine deftige Schlachtschüssel munden zu lassen. Schaschlik hat’s auch bereits gegeben und heuer sind Haxen geplant.

Geselligkeit ist natürlich auch Trumpf, wenn einer aus der Runde Geburtstag hat, denn dann findet man sich bei dem Glücklichen zuhause ein, gratuliert von Herzen mit einem Ständchen und ist erwartungsvoll, mit welcher Köstlichkeit das "Geburtstagskind" seine Stammtisch-Kollegen bewirten wird. 

jk

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