Samstag, 17.11.2018

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Rednitzhembacher räumt bei Bier-Meisterschaft ab

Hobbybrauer Markus Klössinger erringt gleich zwei Titel - 03.11.2018 16:20 Uhr

Nur 200 Liter pro Jahr, dafür feinste Qualität und bester Geschmack: Markus Klössinger hat seine Brauerei „Klössibräu“ zu einem Geheimtipp gemacht. © Robert Schmitt


Der Rednitzhembacher Markus Klössinger hat bei den Haus- und Hobbybrauertagen Anfang Oktober in Lüneburg mit zwei seiner Schöpfungen überzeugt. Sowohl das "Pale Ale" als auch das "Norddeutsche Pils" aus dem Hause Klössinger haben bei der Bier-Prämierung jeweils mit außergewöhnlichem Punkteabstand Platz eins belegt.

Erfolg gleich bei der Premiere

Das Ergebnis ist umso beachtlicher, da der 44-Jährige zum ersten Mal an dem Wettbewerb teilgenommen hat. Die "Vereinigung der Haus- und Hobbybrauer in Deutschland" hat etwa 600 Mitglieder. Beim diesjährigen Treffen fand die Deutsche Meisterschaft zum 23. Mal statt.

Markus Klössinger fühlt immer noch Gänsehaut, wenn er seine Siege Revue passieren lässt. "Da kommt einer aus Franken und zeigt den Nordlichtern, wie es geht", fasst er seinen Triumph zusammen. Immerhin waren es ja "zwei klassische Nordbiere", mit denen der in Limbach aufgewachsene Chef von "Klössibräu" ganz vorne lag.

Reichert auf Platz vier

In jeder Sparte musste er sich gegen gut 20 Mitbewerber aus ganz Deutschland durchsetzen. Auch Martin Reichert aus Leerstetten gehörte dazu. Reichert belegte beim "Pale Ale" Platz vier. Der 46-jährige Berufsschullehrer pflegt das Brauen schon viele Jahre als Freizeitbeschäftigung. Erich Maul aus Großschwarzenlohe trat in der Sparte "Roggen-Weizen" an. Neben Geschmack und Farbe sind auch die Hopfennote, die Vollmundigkeit und der Schaum bewertet worden.

Jedes Jahr prämiert die Vereinigung drei verschiedene Sorten. Jeder Teilnehmer darf zwei Biere einreichen. Klössinger hat also perfekt abgeschnitten. "Der Hopfen ist für den Geschmack entscheidend", sagt er. Sein optimaler Einsatz erfordert viel Übung. "Erfahrung und Bauchgefühl", sind für Klössinger die entscheidenden Faktoren. Seit acht Jahren hat er in seinem Gartenhaus eine Mini-Brauerei mit Sudpfanne samt Gasbefeuerung, Läuter- und Gärbottich sowie Kühlschrank eingerichtet.

"Damals habe ich das Rauchen aufgegeben und nach einem Hobby gesucht", erklärt er seinen Einstieg als Kleinbrauer. Vieles aus der Grundausstattung hat der gelernte Schlosser selbst angefertigt.

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Dennoch dauerte es, bis Klössibräu das erste bekömmliche Bier ausschenken konnte. "Ich habe einiges weggeschüttet, denn die ersten Versuche waren furchtbar", erinnert er sich. Aber aus Fehlern könne man lernen, fügt Klössinger hinzu. Das ist ihm offenbar bestens gelungen. Schließlich gebe es für jedes Bier ausschließlich ein "grobes Rezept". Den besonderen Aroma-Schliff und eine überzeugende Brillanz im Geschmack erhält der Gerstensaft durch die Tricks und Kniffe des Brauers. "Jeder Schritt im Brauprozess muss wohlüberlegt sein."

Ein Duft wie Maracuja

Klössingers "Pale Ale" lehnt sich an die amerikanischen Craftbiere an. Eine intensive Hopfung bestimmt den Geschmack. "Das ist fürs Pale Ale enorm wichtig", sagt Klössinger, der für sein Meister-Bier Hopfen aus Australien verwendet hat. "Dabei habe ich auch noch kaltgehopft", erklärt er seine Rezeptur. Für gewöhnlich wird der Hopfen der kochenden Würze hinzugegeben, um die Malzsüße auszugleichen. Durch weitere Hopfung nach dem Abkühlen wird noch mehr Aroma aufgenommen. Das führt im "Pale Ale" von Klössibräu zu einer durchaus gewöhnungsbedürftigen Hopfennote, die aber nach wenigen Schlucken akzeptiert wird. Das Bier riecht extrem fruchtig, ähnlich wie Maracuja, und überzeugt durch seine Frische. Der Alkoholgehalt liegt bei sechs Prozent.

Laut Klössinger steigt die Zahl der Hobbybrauer stetig an. "Sie tragen zum Erhalt der Biervielfalt und Bierkultur mit bei", ist er überzeugt, "denn kommerzielle Brauereien lassen sich auch gerne mal von ihnen inspirieren".

So gebe es in einigen Ländern bereits seit längerem landesweite Wettbewerbe, bei denen sich große und kleine Brauereien Anregungen für das ein oder andere neue Bier in ihrem Sortiment holten. In Deutschland sei das ein relativ neuer Trend. Die niederländische Heineken aber habe dafür einen eigenen "Kreativ-Braumeister" angestellt.

"Schlank und trocken"

Das "Norddeutsche Pils" hat Markus Klössinger mit Aromahopfen aus Spalt angesetzt. Auf Kalthopfung hat er verzichtet. "Ziemlich hell, stark gehopft, schlank und trocken", sei es und gehe geschmacklich in Richtung Jever. Beim Pils ist das Wasser sehr wichtig. "Denn im Norden ist es sehr Kalziumsulfathaltig", erklärt Klössinger. Das dürfe man im Süden durch Salz ausgleichen. Sonst aber gebe es keine Zusatzstoffe.

Denn auch für den Braumeister von Klössibräu gilt das Reinheitsgebot. Ein fränkischer Hobby-Brauer fertigt unter Beachtung bayerischen Lebensmittelrechts mit Hopfen aus Spalt und Australien also typische Nordbiere der Extraklasse. Selbst wenn das Label nun bekannt ist: Klössibräu bleibt rätselhaft. 

Robert Schmitt

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