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Schwabach hat jetzt eine „Hermann-Stamm-Realschule“

Würde- und stimmungsvolle Feier - respektvolle Sympathieerklärung - 19.12.2015 09:03 Uhr

„Er braucht nicht viele Regeln, wozu gibt’s den Verstand?“ So charakterisierte der Lehrerchor Hermann Stamm zur Melodie von „Mein kleiner grüner Kaktus“.


Am Anfang steht ein Interview: Als Rektor Norbert Mager die Festgäste begrüßt, kommt plötzlich Elija auf die Bühne. Elija Bald besucht die fünfte Klasse. Für ihn ist Hermann Stamm kaum mehr als ein Name. „Wer war das eigentlich?“ fragt er Mager. Ein ganz besonderer Mann sei dieser Hermann Stamm gewesen, antwortet Mager. Einer, der für „seine“ Realschule gelebt habe. „Das war ein Vorbild.“

Wie ein Papa

Kurz darauf geht das Mikrofon ins Publikum an Andreas Bier, der vor über 30 Jahren hier Schüler war. Er hat sehr persönliche Erinnerung an Hermann Stamm: „Ich hatte einen schweren Unfall“, erzählt Bier, der im Rollstuhl sitzt. „Drei Jahre musste ich aussetzen. Er hat dafür gesorgt, dass ich auch mit 19 Jahren zurückkommen konnte. Wegen mir hat er sogar Unterricht in andere Zimmer verlegt. Hermann Stamm war wie ein Papa für uns.“

Hermann Stamms Sohn Markus (rechts) enthüllt zusammen mit Rektor Norbert Mager (links) und dem Ministerialbeauftragten Johann Seitz die Gedenktafel in der Aula. © Fotos: Wilhelm


„Er hat sich um Menschen gekümmert, die es nicht leicht hatten“, sagt auch Oberbürgermeister Matthias Thürauf. Das gelte für den Pädagogen wie für den Kommunalpolitiker gleichermaßen.

Rund 30 Jahre war Hermann Stadt für die CSU im Stadtrat, einige Jahre war er sogar Bürgermeister und damit einer der Stellvertreter Hartwig Reimanns. Als Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses habe er seine Erfahrung als Lehrer im Umgang mit jungen Menschen unmittelbar in die Jugendarbeit der Stadt einfließen lassen können.

„Eine große Respektsperson“ sei Hermann Stamm gewesen, sagt Thürauf, der mit ihm befreundet war. „Einer mit einer rauen Schale und einem weichen Herz. Keiner hat eine solche Ehrung mehr verdient als er.“

Jüngster Rektor Bayerns

„Hermann Stamm wurde 1976 mit erst 35 Jahren der jüngste Realschulleiter in Bayern“, betont Johann Seitz, der Ministerialbeauftragte für die Realschulen. „Er war seiner Zeit weit voraus. Inklusion zum Beispiel war schon damals für ihn ein Thema.“

Für den offiziellen Teil bittet Norbert Mager den Ehrengast nach vorne: Markus Stamm, Hermann Stamms Sohn. Der enthüllt zusammen mit Mager und Seitz in der Aula die Gedenktafel mit den wichtigsten Lebensdaten und einem Porträt.

Unvergessen ist Hermann Stamm auch wegen dessen mutigen Einsatzes gegen rechtsradikale Aktivitäten an seiner Schule. Entschlossen verbot er Springerstiefel und Bomberjacken. Daraufhin bekam er aus der rechten Szene sogar Morddrohungen. Einschüchtern ließ er sich nicht. „Er war ein Mann mit Courage“, sagt Landtagsabgeordneter Karl Freller, der unter Stamm selbst noch Lehrer an der Realschule war.

Mit dem Selbstverständnis als „Schule ohne Rassimus, Schule mit Courage“ lebt dieses Engagement fort. Lehrerin Karin Zumbühl stellt die heutigen Projekte vor, ehe drei Schülerinnen Gedichte als Plädoyer für Toleranz vortragen.

Auch die Bläsergruppe „Intrada“, die Schulband, der Schülerchor, vier Mädchen als Turnerriege und eine kleine Musicalrevue sorgen für einen unterhaltsamen Rahmen.

„Ein Macher“

Zu einer echten Sympathieerklärung wird der Auftritt des Lehrerchors. Zur Melodie von „Mein kleiner grüner Kaktus“ tragen Stamms frühere Kollegen eine Hommage an ihren ehemaligen Chef vor, der stets ohne „Schlips“ ausgekommen sei: „Er braucht nicht viele Regeln, wozu gibt’s den Verstand.“

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Schon in ihrer launigen Anmoderation hat Personalratsvorsitzende Andrea Gruber Hermann Stamm als „Pragmatiker und Macher ohne Rücksicht auf Beliebtheit und Hierarchie“ charakterisiert. Süffisant verweist sie darauf, dass Stühle und Wandfarbe der Aula noch aus der Schulleiterzeit Hermann Stamms stammen. „Wir wollen aber nicht sein Inventar bewahren, sondern sein Wirken und seine Haltung. Herr Thürauf, da können unbequeme Zeiten auf Sie zukommen“, schreibt sie dem OB ins „Stamm-Buch“.

Das Schlusswort gehört Markus Stamm. „Stolz und glücklich“ sei er über diese Namensgebung, sagt der Jurist. „Und zwar vor allem deshalb, weil sie nicht erfolgt, damit man das Lebenswerk meines Vaters nicht vergisst, sondern weil man es nicht vergisst.“ 

GÜNTHER WILHELM

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