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Schwabach: Kunstgenuss dank Hörgerät

Die Kunstaktion "Ortung" bot erstmals eine Führung für Menschen mit Hörminderung - 23.08.2017 05:40 Uhr

Auf dem Bild ist vorne Mechthild Haferung mit Hörgerät zu sehen. Daneben zwei hörende Männer jeweils mit Kopfhörer. © Foto: Robert Schmitt


Knapp 25 Menschen mit und ohne Hörbehinderung haben dabei erlebt, dass Inklusions-Projekte nicht nur Barrierefreiheit für Zeitgenossen mit Handicap schaffen. Der Einsatz einer mobilen FM-Anlage hat schwerhörigen Menschen ebenso ein besseres Hörerlebnis ermöglicht wie Normalhörenden.

Der Einstieg in die Barrierefreiheit für Menschen mit Hörbehinderung war von einer Schwabacherin angeregt worden. Vor etwa anderthalb Jahren hatte die schwerhörige Mechthild Haferung beklagt, dass keine Stadtführungen für Menschen mit Hörbehinderung im Angebot seien.

Sabine Reek-Rade klemmte sich hinter dieses Defizit und wurde bald fündig. Im mittelfränkischen Inklusions-Netzwerk stieß sie auf Martin Thanner von der Nürnberger Koordinierungsstelle für Senioren mit Hörschädigung. Er arbeitet bereits seit längerer Zeit mit der evangelischen Schwerhörigenseelsorge in Nürnberg zusammen.

Von dort betreut der selbst nahezu gehörlose Diplom-Ingenieur Thomas Kluck jene technische Hilfe, die Barrieren für Frauen und Männer mit Hörminderung bei Führungen und Vortragsveranstaltungen beseitigt: Als mobile FM-Anlagen werden drahtlose Signalübertragungssysteme bezeichnet, die Sprache mittels frequenzmodulierter Funksignale (FM) übermitteln.

Ihre Gerätekonfiguration besteht aus einem Sender und einem Empfänger. Am Sender werden die gewünschten Tonsignale beispielsweise mit einem Mikrofon oder einem Head-Set aufgenommen, in modulierte elektrische Funksignale umgewandelt und ausgestrahlt.

Die Person mit Hörbeeinträchtigungen trägt ihrerseits einen Empfänger und ein modernes Hörgerät mit aktivierter T-Spule, das der Empfänger über ein Induktionsfeld unmittelbar ansteuert.

Die Funksignale werden so mittels Hörhilfe wieder zu gesprochener Sprache, die alle Erklärungen komfortabel und in steuerbarer Lautstärke übermittelt.

Menschen mit nicht beeinträchtigtem Gehör erhalten zum Empfänger einen Kopfhörer. Sie haben dann bei Führungen den Vorteil, immer das gesprochene Wort des Vortragenden zu hören, ohne darauf achten zu müssen, wo er sich befindet und wann es weitergeht. Selbst für die Leiterin einer Ortung-Führung wird die Arbeit leichter. Nach Ende des dreistündigen Parcours durch die Innenstadt war die Stimme von Ortung-Führerin Kerstin Bienert geschont wie noch nie.

Tolle Resonanz

Martin Thanner ist in Mittelfranken als Promotor für die technische Hilfe unterwegs und vermittelt den Kontakt zur Schwerhörigenseelsorge. Thomas Kluck betreut die Vermietung des FM-Koffers mit Sender und 30 Empfängern. Für 100 Euro pro Einsatz wechselt er im Schnitt zwei Mal pro Woche den Besitzer.

In Schwabach kamen die Geräte super an. Laut der 16 ausgefüllten Feedback-Bögen war die Führung dadurch ein echter Genuss.

Nach Darstellung von Experten ziehen sich Schwerhörige aufgrund ihrer Einschränkungen häufig aus dem öffentlichen Leben zurück. Mit geeigneten technischen Hilfsmitteln bleibt die Teilnahme an Veranstaltungen jedoch möglich.

In Schwabach existieren drei Gebäude, die über stationäre technische Hilfen für Schwerhörige mit T-Spulen-Hörgerät verfügen. In der katholischen Kirche St. Sebald, der evangelischen Stadtkirche sowie im Jugend- und Seniorenzentrum Aurex sind Induktions-Anlagen installiert, die für Hörgeräte- und Chochlearimplantat-Träger unbeschränkte Teilhabe sicherstellen.

Ein besonderer Hörgenuss erwartet interessierte Betroffene, Angehörige und Hörende am 19. Oktober. Ab 16.30 Uhr wird im Aurex, Königstraße 20, eine Veranstaltung für hörgeminderte Menschen mit unterschiedlichen Highlights stattfinden: Die Schwabacher Bestseller-Autorin Sabine Weigand liest zunächst aus ihrem im vergangenen Jahr erschienenen Buch "Helga. Mein Weg vom Mann zur Frau".

Danach wird Mechthild Haferung über ihre Erfahrungen bei der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben als Schwerhörige berichten.

Abschließend kommt Marin Thanner zu Wort. Der Sozialpädagoge informiert über Hilfen für Senioren. Um dabei die Kommunikationsanlage nützen zu können, muss die T-Spule im Hörgerät aktiviert sein. Beratung dazu gibt es bei allen Hörgeräteakustikern. 

ROBERT SCHMITT

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