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Sonntag, 17.02.2019

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Schwabacher Basketballerinnen feiern wichtigen Sieg

Kia Metropol Baskets schlagen Bamberg mit 86:81 nach Verlängerung - 21.01.2019 12:56 Uhr

Mit purer Willenskraft zog Brooke Le Mar immer wieder an zwei Köpfe größeren Bambergerinnen vorbei und holte ein ums andere Mal entweder das Foul oder den Korb. © Fotos: Salvatore Giurdanella


Brooke Le Mar tankt sich durch. Zum wiederholten Mal. Die Beste der Schwabacherinnen wird dieses Spiel nicht verloren geben, um keinen Preis. Sie dribbelt, verzögert, macht dann doch einen schnellen Schritt, lässt ihre Verteidigerin stehen und legt den Ball butterweich in den Korb. Die Halle tobt. Es ist Mitte des vierten Viertels, die favorisierten Bambergerinnen haben das gesamte Spiel lang geführt. Jetzt steht es nur noch 58:64 für die Gäste und die Halle begreift: Da geht noch was!

Tatsächlich lassen sich die Bamberger Spielerinnen vom Schwabacher Hexenkessel verunsichern. Die mit 1,96 größte Spielerin auf dem Platz, Bambergs Victoria Waldner, handelt sich ein unnötiges Foul ein. Es ist das Fünfte, sie ist draußen. Die Verteidigung der KIA Baskets hält jetzt. Katharina Kreklau ist auch wieder zurück, sie hatte wegen Foul-Problemen kaum gespielt in Hälfte Zwei. Aufopferungsvoll hatten Anna Furman, Diana Fett und die angeschlagen spielende Lea Vatthauer gekämpft unter den Körben. Nun ist plötzlich der körperliche Vorteil der Bambergerinnen nicht mehr zu spüren.

Von Mann auf Zone

Noch ist Schwabach hinten. Doch die physische Spielweise der Gäste rächt sich: Zu viele Team-Fouls bedeuten Freiwürfe bei jedem weiteren Foul. Schwabach kommt auf drei Punkte ran. Im Gegenzug macht Bamberg zwei leichte Punkte unter dem Korb, ärgerlich. Genau diese Punkte hatten sie am Anfang, als es schlecht lief, nicht verhindern können. Coach Tom Gieritz stellte bei seiner Premiere früh von Manndeckung auf Zonenverteidigung um, ein Schachzug, der sich bezahlt machte.

Neuzugang Shantrell Moss zeigte sich bereits in ihrem ersten Spiel als echte Verstärkung.


Katharina Kreklau wirft und trifft. Es sind wieder drei Punkte. Auch Shantrell Moss feiert Premiere – und was für eine! Der Neuzugang hatte schon zuvor mit gutem Händchen und großem Kampfgeist geglänzt. Jetzt klaut sie den Ball. Schwabach ist drei Punkte hinten, aber hat Ballbesitz. Noch zehn Sekunden zeigt die Uhr. Jeder einzelne der über 100 Zuschauer in der Schwabacher Schwimmbadhalle weiß, was jetzt passieren wird. Brooke Le Mar wird den Ball bekommen und einen Dreier versuchen. Und jeder einzelne Zuschauer in der Halle hofft, dass sie trifft.

Die Halle steht Kopf

Le Mar hat eigentlich keinen guten Tag erwischt. Zu oft rannte sie sich in den Bamberger Abwehrreihen fest, zu oft gelangen ihr vermeintlich einfache Würfe nicht. Natürlich ist sie trotzdem stark, aber heute wird es nicht reichen, heute muss sie schon über sich hinauswachsen, um den Sieg zu holen.

Der Einwurf kommt zu Le Mar. Sie will werfen, wird aber geblockt. Ein Raunen geht durchs Publikum. Es darf nicht so enden. Und prompt holt sich Le Mar den Ball zurück. Sie wirft – und sie trifft. Die Halle steht Kopf. 72:72, der erste Gleichstand, seit das Spiel zwei Stunden vorher bei 0:0 losgegangen ist. Bamberg hat noch fünf Sekunden, aber bekommt keinen Wurf mehr hoch. Verlängerung.

Wie Löwinnen

Es ist das zweite Comeback im Spiel. Im ersten Viertel war es bereits 15:3 für Bamberg gestanden. Die Umstellung in der Verteidigung, Shantrell Moss’ zwei wichtige Dreier, keine leichten Ballverluste mehr – so war Schwabach Ende des Viertels plötzlich wieder 20:22 dran. Nur konnten sie es nicht halten. Starke Bambergerinnen zogen in Viertel Zwei wieder davon. Halbzeitstand war 45:33, ein eher zerfahrenes drittes Viertel änderte am Kräfteverhältnis nichts. Kreklau und Moss mit Foul-Problemen, Coach Gieritz unzufrieden mit den Schiedsrichtern – aber die Schwabacherinnen, allen voran Anna Furman, kämpften wie Löwinnen und ließen Bamberg nicht weiter davon ziehen.

Die Verlängerung ist ein Triumphzug. Die Verteidigung hält weiter dicht, Le Mar trifft zur Führung, die Zuschauer rasten aus. Bambergs Würfe kommen jetzt zu kurz, ein Zeichen für Müdigkeit. Schwabach schwimmt auf einer Welle, getragen vom Publikum und wieder Brooke Le Mar, die diesmal hervorragend auflegt. Diana Fett trifft und wird dabei gefoult. Der Freiwurf schraubt die Führung auf 82:74. Die Bambergerinnen geben sich noch nicht geschlagen. Zwei gute Aktionen bringen sie plötzlich wieder auf drei Punkte ran, es sind noch 20 Sekunden zu spielen. Aber nicht heute. Die Schwabacherinnen wissen nun, dass sie nicht verlieren werden, man sieht es ihrer Körpersprache an. Le Mar trifft zwei Freiwürfe. Nochmal geht es hin und her. Gieritz vertraut Moss, der Neuen, als Option Nummer 2, weil Le Mar mittlerweile von drei Verteidigerinnen gedeckt wird. Auch Moss trifft ihre Freiwürfe. Das Spiel ist aus. Standing Ovations.

Wenn man mit so viel Herz spielt und niemals aufgibt, dann kann man auch in der 2. Basketball Bundesliga bestehen. Für den neuen Trainer ist es der perfekte Einstand. 

THOMAS CORRELL

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