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Schweißtreibend: Ein Freitagabend mit Coach statt Couch

Ladies Sports Night des Bayerischen Landessportverbandes lockte rund 160 Frauen in die Sporthalle des SC 04 Schwabach - 01.05.2012 10:00 Uhr

Gruppenbild mit Mann: Bei Gerhard Ellingers Hüftschwung durften die 160 Frauen in der Sporthalle des SC 04 Schwabach nicht schwach werden. Seine Zumba-Stunde ersetzte — schweißtechnisch gesehen — locker jeden Saunagang.

Gruppenbild mit Mann: Bei Gerhard Ellingers Hüftschwung durften die 160 Frauen in der Sporthalle des SC 04 Schwabach nicht schwach werden. Seine Zumba-Stunde ersetzte — schweißtechnisch gesehen — locker jeden Saunagang. © Weinig


Vielleicht liegt’s auch daran, dass irgendwo zwischen Weihnachtsplätzchen, Dauerfrost, dem beendeten Vhs-Fitness-Gymnastikkurs und dem zusehends wachsenden Haustierchen der Gattung „innerer Schweinehund“ tatsächlich der Verstand („Sport ist gesund und macht gute Laune“) seine Chance wittert, über das Gefühl („Sport ist Mord“) zu siegen. Also zumindest mal einen Freitagabend lang.

Immerhin: In der Ausschreibung geht’s einerseits um Sport, aber andererseits ist auch die Rede von „Genuss“, von „fetziger Musik, Bewegung und Spaß.“ Das kann eigentlich nur besser sein als schlechte Witze im TV-Format.

Und: Man könnte eine Freundin mitbringen. Gute Idee! Mit Steffi aus Schwabach wollte ich mich ohnehin mal wieder treffen. Die Antwort auf meine Mail kommt postwendend.

Um es kurz zu machen: Sie sagt nicht „Nein“ und stattdessen irgendetwas von einem gemütlichen Biergarten. Wäre ja auch eine (vielleicht sogar leise erhoffte) Alternative für einen Freitagabend gewesen. Jetzt ist klar: Es steht doch „indoor“ statt „outdoor“ an.

Also ab zur Halle des SC 04 Schwabach – bei den lauen Temperaturen eigentlich ein Frevel. Kommt da überhaupt jemand? Eine Frage, die sich auch die beiden Hauptorganisatorinnen Ingrid Spindler-Steudtner und Sabine Wehrer gestellt haben – nachdem ein gutes halbes Jahr an Vorbereitungszeit für eine Idee hinter ihnen liegt, die eigentlich schon über ein Jahrzehnt alt ist.

Ihr „Baby“ nennt es Ingrid Spindler-Steudtner in ihrer Begrüßung zu diesem Premierenprojekt unter dem Dach des BLSV (Bayerischer Landessportverband) Roth-Schwabach. Aber erst jetzt, an diesem wirklich warmen Freitagabend, habe es sich mit Hilfe eines Mentoren-Programms finanziell verwirklichen lassen.

Als die BLSV-Kreis-Frauenvertreterin das erzählt, steht ihr die gute Laune ins Gesicht geschrieben. Denn: Sie tut es vor gut 160 Frauen! Ehrlich, viel mehr hätten in die Halle ohnehin nicht mehr gepasst.

Ohne Mampf kein Kampf

Oder aber, das leckere Kuchen- und Semmelbüfett am Halleneingang hätte weichen müssen. Sport hin oder her. Schon eine alte Sportler-Weisheit sagt: „Ohne Mampf kein Kampf“; also haben viele gute Geister mitgeholfen, dass die im Programm benannten Komponenten „Spaß“ und „Genuss“ tatsächlich nicht zu kurz kommen.

Alle sind sie gekommen: Junge, Alte, die drahtig-Durchtrainierten genauso wie solche, die offensichtlich auch den „inneren Schweinehund“ nicht immer von der Leine lassen können; lizensierte Übungsleiterinnen, die mal selbst nur mitmachen statt vormachen wollen, und solche, die (vielleicht) auch keine Lust auf bundesdeutsches Einheitsbrei-TV-Freitagabend-Programm hatten. Und alles Frauen. Es geht ja schließlich um die Ladies Sports Night.

Das heißt: Drei Ausnahmen gibt es. Das sind ausgerechnet die drei Referenten („Vorturner“) des Abends. Für diese verschwindend geringe Männerquote gibt es postwendend, mit einem Schmunzeln, eine Erklärung von Ingrid Spindler-Steudtner: „Wir wollten doch unseren Teilnehmerinnen auch etwas fürs Auge bieten.“

Stimmt. Die drei „Jungs“, Gerd Ellinger (Eckersmühlen), Andi Steudtner (Schwabach) und Marc Kürschner (Nürnberg), personifizieren genau das, was viele ganz sicher gerne wären: durchtrainiert. Und dann haben die drei auch noch unverschämt gute Laune und flotte Sprüche auf den Lippen. Den ganzen Abend lang.

Also das mit der guten Laune klappt auch hier unten, auf dem Sporthallenparkett. Von Anfang bis zum Ende vier Stunden später. Die Organisatorinnen haben wirklich nicht zu viel versprochen. Die Musik reißt mit, es geht um (viel) Bewegung, um Spaß daran und darum, Neues kennenzulernen. Aber zu welchem Preis!?

Schwitzen und lächeln

Verschwitzte Gesichter, zerzauste Haare, am Ende „müffelnde“ Shirts und qualmende Socken – so sieht die Bilanz des Abends aus. Und alles nur wegen dieser drei Männer; besser: wegen dem, was sie mit uns Frauen „machen“! Nur gut, dass es Showblöcke mit dem Schwabacher Tanzsportzentrum und der SC 04-Rhönradgruppe gibt. Das reicht immerhin für ein paar Plaudertakte mit Steffi. Aber ansonsten darf geschwitzt und gepustet, gezählt und gebissen, gedehnt und gelaufen, gelacht und geschaut werden, was das Zeug hält. Oder was Sehnen und Muskeln hergeben.

Da wäre Gerd Ellinger mit seiner Zumba-Stunde. Der Mann hat einen Hüftschwung, der eigentlich waffenscheinpflichtig sein müsste. Mein Mann würde bei Zumba wohl nur fragen, ob denn da nicht doch mal noch ein Fußball mit ins Spiel gebracht werden könnte. Und wir Frauen? Wir fragen uns nach einer guten Dreiviertelstunde, ob eine Sauna nicht doch weniger schweißtreibend ist als dieses hippe Zumba.

Da wäre Andi Steudtner und seine „Maximum Fit“-Mission. Der Name ist Programm. Teil I bedeutet „maximale Muskelbelastung für uns“; und Teil II des Namens bezeichnet kurz und knapp zweifellos Steudtners physischen Zustand – oh Mann, es ist unglaublich, wie lange 30 Sekunden sind mit Liegestützen der Marke „Steudtner“!

Also dann vielleicht doch lieber Yoga. Dieser fernöstlichen Lehre ist der dritte und letzte Teil des Abends gewidmet. Könnte klappen, das mit dem lässigen „Cool down“. Die Musik hat so etwas Meditatives. Wäre da nicht Marc Kürschner, der Mann, der ein Klon von „Transporter“-Darsteller Jason Statham sein könnte. Nicht nur der Frisur wegen - geschätzte 3mm Haarlänge auf einem Charakterkopf.

Er hält mal eben das gestreckte Bein auf Höhe des besagten Charakterkopfes; eine Primaballerina könnte es nicht besser. Aber wer in der Halle, ist schon eine Primaballerina? Maximal Hüfthöhe. Das geht. Aber auch nur für Sekunden. „Müsst ihr nicht machen“, sagt er mit einem frech-sympathischen Grinsen. Zeigt aber dennoch, was er kann – und wir nicht.

Irgendwie war er echt gut, dieser Abend mit „Coach“ statt „Couch“. Und: Es ging echt um Sport.

So viel Fleiß muss belohnt werden: Ein dickes, fettes, garantiert ungesundes, aber ungemein leckeres Stück Schokokuchen vom nahen Büfett muss es jetzt noch sein, wo doch schon lange der Abspann der Freitagabend-Komödie über den heimischen Bildschirm geflimmert ist.

Und ab morgen? Ab morgen geht’s los mit dem regelmäßigen Fitnesstraining. Oder vielleicht auch erst übermorgen – nur ein Zugeständnis ans neue Haustier, genannt „Muskelkater“. Aber dann! Versprochen! 

CLAUDIA WEINIG

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