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Wassermungenauer Fassade für Potsdamer Kulturtempel

Wichtige Betonfertigteile für die filigrane Front des neu eröffneten Museums Barberini stammen aus dem Werk von Andreas Traxler - 29.01.2017 06:00 Uhr

Auch das Gebäude selbst ist ein Kunstwerk: das neu erbaute Museum Barberini in Potsdam. Die prägenden Fensterumrahmungen wurden in Wassermungenau im Betonwerk von Andreas Traxler hergestellt. © Helge Mundt


Der 36-jährige Architekt betreibt in Wassermungenau in dritter Generation ein Betonwerk. Mit 35 Mitarbeitern ist es vergleichsweise klein, dafür hat es ein besonders Profil: „Wir sind kein normaler Betonbauer. Wir sind spezialisiert auf Fassaden.“ Außergewöhnliche Fassaden.

In großen Stil eröffnet

Doch während die Villen der Stars eher unbemerkt glänzen, hat ein weiteres Projekt, an dem Traxler beteiligt war, nun für weltweite Schlagzeilen gesorgt: das neue Museum Barberini.

Vor wenigen Tagen wurde der vom Mäzen Hasso Plattner gestiftete Kunsttempel mit Meisterwerken der Moderne in großem Stil in Potsdam eröffnet. Schätze wie Bilder von Monet und Renoir sorgten für lange Schlangen der Kunstbegeisterten. Auch Kanzlerin Angela Merkel und Bill Gates gehörten zu den Gästen, wohl ohne sich anstellen zu müssen.

Doch nicht nur die Ausstellung bietet große Kunst. Eindrucksvoll gelungen ist auch das Gebäude am Alten Markt im Herzen Potsdams selbst. 1945 wurde der klassizistische Barockbau bei einem Luftangriff so schwer zerstört, dass die Ruine 1948 ganz beseitigt wurde.

„Spezielle Rezeptur“

Nun ließ ihn der Software-Unternehmer Plattner seit 2013 neu aufbauen. Ein Projekt vergleichbar mit dem Neubau des ehemaligen Berliner Stadtschlosses. Die Fassade des Museums Barberini lehnt sich an den berühmten „Pallazo Barberini“ in Rom an.

Und der Beton für diese Fassade stammt aus — Wassermungenau.

Sehr spezieller Beton. „Hochleistungsbeton“, nennt ihn Andreas Traxler. „Der ist wesentlich stabiler und sieht gut aus, ohne dass er fünfmal gespachtelt werden muss.“

Dafür bedürfe es einer ganz „speziellen Rezeptur“. Und die komponiert seine Firma selbst. Sand, Kies, der selten verwendete Weißzement, spezielle Farbpigmente: Auf die Qualität und vor allem die Mischung kommt es an.

80 Teile auf zwölf Lkw

Aus diesem Beton hat Traxlers Firma bereits 2015 nach den genauen Vorgaben der Museumsarchitekten in seinem Betrieb rund 80 verschiedene Betonteile gefertigt. Darunter auch die Fensterumrahmungen und Fensterverdachungen, die die repräsentative Frontseite des neuen Museums mitprägen. Formenbau der filigranen Art.

Auf einem Dutzend Lastwagen ließ Traxler die Fertigteile nach Potsdam transportieren. Eingebaut hat sie eine Bamberger Firma. Während der Bauphase war Andreas Traxler mehrfach auf der Baustelle, hat erlebt, wie die Stahlbetonkonstruktion gewachsen ist und Form angenommen hat.

Zur Eröffnung aber hat er es nicht geschafft. Auch in absehbarer Zeit hat er keine Zeit für einen Museumsbesuch. Jetzt muss er sich erst einmal um Betonfiguren für Metzelders Villa in Düsseldorf kümmern.

Doch die vielen Medienberichte hat er selbstverständlich mit größtem Interesse verfolgt. „Das Gebäude ist doch sehr schön geworden“, findet Andreas Traxler. Für seine Firma sei das schon ein „Vorzeigeprojekt“. Sein Fazit zieht er mit fränkischer Euphorie: „Des bassd scho.“

Figur für Schwabach

Das wird sicher auch für eine Arbeit seiner Firma gelten, die im Laufe des Jahres in Schwabach vorgestellt wird: die neue Figur an der Landsknechtsbrücke. Diesmal nur möglicherweise ohne Angela Merkel und Bill Gates.

  

GÜNTHER WILHELM E-Mail

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