Samstag, 17.11.2018

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Zu teuer: Schwabacher Brücken tauchen im Schwarzbuch auf

Brückenbauprojekte hätten insgesamt zwei Millionen Euro zuviel gekostet - 06.11.2018 16:18 Uhr

Im Vordergrund die noch nicht fertig gestellte Fußgängerbrücke, im Hintergrund die Brücke Penzendorfer Straße – zwei Übergänge über die A6, keine 500 Meter voneinander entfernt. © Thomas Correll


Es war einmal ein Tunnel, den die Penzendorfer Bürger sehr gern hatten. Fußgänger und Fahrradfahrer schätzten diese Möglichkeit, die A6 zu unterqueren, um nach Schwabach, Limbach oder in den Rednitzgrund zu gelangen. Im Zuge des Ausbaus der A6 wurde allerdings klar: Der Tunnel muss weg.

So gibt es nun in Kürze nicht einen, sondern zwei Wege – und sie führen nicht unter der Autobahn durch, sondern oben drüber. Wenige hundert Meter voneinander entfernt. Beide haben Geld gekostet.

Zumindest sinnvoll

Hier kommt der Bund der Steuerzahler ins Spiel. Rund zwei Millionen Euro mehr als notwendig seien ausgegeben worden, weil erstens die Autobrücke für die Penzendorfer Straße eine Million teurer wurde als erwartet und zweitens die Fußgängerbrücke – also der Ersatz für den Tunnel – auch etwa eine Million Euro kosten werde. "Dabei stellt sich die Frage, ob diese insbesondere hinsichtlich der Förderung des Radverkehrs zwar sinnvoll erscheinende Fuß- und Radwegüberquerung tatsächlich zwingend erforderlich ist", heißt es im Schwarzbuch. Zumindest sinnvoll sei die Fußgängerbrücke also.

Das sieht man bei der Stadt Schwabach genauso. Stadtsprecher Jürgen Ramspeck betont, dass man mit der Brücke einem deutlichen Wunsch der Bevölkerung nachgekommen sei. Tatsächlich hatten die Penzendorfer Bürger eine Liste mit knapp 900 Unterschriften gesammelt, um den Ersatz für ihren geschätzten Tunnel zu erhalten. Was die verteuerte Autobrücke angeht, verweist Ramspeck darauf, dass "die komplette Planung und Ausführung dieser staatlichen Baumaßnahmen der Autobahndirektion Nordbayern oblag". Schwabach ist an den Kosten deshalb beteiligt, weil nicht nur die Brücke erneuert, sondern durch Verbreiterung auch ein ordentlicher Weg für Radler und Fußgänger gebaut wurde – den wiederum der Freistaat Bayern bezuschusst hat. Die Stadt habe, so Ramspeck, mit einer Summe von maximal 270 000 Euro gerechnet, nur 223 000 Euro habe das Ganze schließlich gekostet.

Für den Bund der Steuerzahler ist natürlich irrelevant, wer genau das Geld ausgegeben hat: "Gleich, aus welchem Topf die Steuergelder stammen, sind letztlich die Steuerzahler die Leidtragenden der knapp 50-prozentigen Kostensteigerung". Aufgrund der "allgemeinen Baukostenentwicklung und durch Mehrleistungen aufgrund einer vorgezogenen Bauausführung" sei es zu der Steigerung gekommen.

Doppelte Kehrtwende

Doch zurück zur Fußgängerbrücke, die hat nämlich eine Vorgeschichte, die noch erzählt werden soll. Nachdem sich im Frühjahr 2009 die Penzendorfer Bürgerversammlung und dann auch der Schwabacher Stadtrat für die Brücke ausgesprochen hatten, kritisierten die Freien Wähler bereits in der Aussprache zum Haushalt für das Jahr 2013 das Bauprojekt – trugen den Haushalt letztlich aber mit.

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Schwarzbuch 2018: Hier wurden bayerische Steuergelder verbrannt

Eine sinnlose Brücke, eine Unterführung für Tiere und fatale Finanzgeschäfte: Der Bund der Steuerzahler hat in seinem Schwarzbuch erneut die Verschwendung von öffentlichen Geldern angeprangert. Jeder verschwendete Euro sei einer zu viel, sagte Michael Jäger, Vizepräsident des Steuerzahlerbundes Bayern, am Dienstag in Nürnberg. Davon würden auch diese Fälle aus dem Freistaat zeugen.


2014 dämmerte dann auch weiteren Stadtratsmitgliedern, dass die Brücke streng genommen überflüssig sein könnte. Das Gremium beschloss, den Bau zu kippen – das missfiel SPD und Grünen, die weiter an der Brücke festhielten und außerdem betonten, man stehe bei den Penzendorfer Bürgern im Wort. Das bis Dienstag letzte Kapitel der Geschichte spielte im Mai 2015: Nachdem Zweifel auftauchten, ob die Regierung von Mittelfranken der Planänderung überhaupt zustimmen würde und man verhindern wollte, dass sich der Baubeginn weiter verzögert, kam es zur erneuten Kehrtwende.

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Dauerbaustelle A6: Die Ost-West-Magistrale in Bildern

Lange hatte die A6 nur untergeordnete Bedeutung. Bis 1973 endete sie noch in Schwabach, erst 1979 war sie durchgängig bis Heilbronn ausgebaut. Die Lkw-Kolonnen rollten aber erst in den 1990ern mit dem Ende des Eisernen Vorhang, seitdem nimmt der Verkehr stetig zu.


Mit dem Ergebnis, dass mittlerweile die Autobrücke fertig ist und die Fußgängerbrücke kurz davor. Ob die Geschichte zum Aufreger taugt, wie der Bund der Steuerzahler findet, oder schließlich ein gutes Ende genommen hat, wie es wohl die meisten Penzendorfer sehen dürften, das darf der Leser für sich selbst entscheiden.

Weitere Fälle aus dem Schwarzbuch finden Sie hier. 

Thomas Correll Schwabacher Tagblatt E-Mail

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