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Studierende kritisieren Lehrerausbildung an bayerischen Unis

Brandbrief an den Bildungsminister — Veraltete Methoden - 16.12.2014 06:00 Uhr

Lehramtsstudenten kritisieren die Ausbildung an bayerischen Universitäten.

Lehramtsstudenten kritisieren die Ausbildung an bayerischen Universitäten. © dpa


Die 2012 gegründete Initiative, ein Zusammenschluss der Lehramtsfachschaften bayerischer Universitäten, kritisiert die mangelnde Qualität des Studiums und die Vermittlung veralteter Inhalte und Methoden.

Die Qualität der Lehre leide unter der Unterfinanzierung der Universitäten, betonen die angehenden Lehrkräfte. Zu wenig Räume und zu wenig Lehrpersonal führten zu überfüllten Kursen und Massenvorlesungen. „Das Lehrpersonal verfügt häufig nicht über die praktischen Erfahrungen, die aber pädagogisch und didaktisch notwendig sind, um Lehrer adäquat auszubilden“, sagt auch Simone Strohmayr. Die SPD–Landtagsabgeordnete hat den Brandbrief auch unterschrieben. Ihrem Beispiel folgten zahlreiche bayerische Bildungsnetzwerke.

Die Methodik der Veranstaltungen sei nicht mehr zeitgemäß; moderne Lehrkonzepte kämen viel zu selten zur Anwendung, klagen die Lehramtsstudenten. Sie kritisieren eine fehlende Theorie-Praxis-Verzahnung in der Lehrer-Ausbildung: Die vorgesehenen Praktika während des Studiums seien sowohl bezüglich ihres Umfangs als auch ihrer Qualität völlig unzureichend. Eine angemessene Vorbereitung auf die Schulpraxis sei weder im Studium noch im Referendariat gewährleistet.

Personell gestärkt

Dabei müssten Lehrer in der heutigen Zeit vielen neuen Anforderungen gerecht werden. Der Integration von Schülern mit Migrationshintergrund, der Inklusion von Schülern mit Behinderung, Elternarbeit oder alternativen Schul- und Unterrichtskonzepten. Der Bayerische Philologenverband (bpv) springt den angehenden Lehrern in vielen der geforderten Punkte zur Seite. Universitäten sollten dort, wo es nötig erscheint, unbedingt personell und finanziell gestärkt werden, sagt Sprecher Wolfram Janke.

Unzumutbar sei es, dass die Wartezeiten bei der Ausstellung der Abschlusszeugnisse für die Lehrer so extrem lang seien, sagt Janke. Zwei Monate seien für die Absolventen hinnehmbar, alles was darüber hinausgehe, sei schlichtweg zu lang. Auch den Wunsch der Lehramtsstudierenden nach stärkerem Praxisbezug unterstützt der bpv. Hierfür sei das studienbegleitende fachdidaktische Praktikum perfekt geeignet. Bislang ist es nur für eines der beiden Studienfächer verpflichtend. Der bpv wünscht sich ein derartiges Praktikum für beide Hauptfächer.

Ludwig Unger, Sprecher des Bildungsministeriums, kann einige Forderungen der Lehramtsstudierenden nicht nachvollziehen. Die Theorie-Praxis-Verzahnung sei über die Pflichtpraktika im Lehramtsstudium und durch das Referendariat doch abgedeckt, sagt er. Mehr sei den Studierenden nicht zuzumuten.

Die Ausbildung der Lehrer in Bayern sei zeitgemäß. Integration und Inklusion seien längst Bestandteil der Lehramtsprüfung (LPO). Zudem stehe fest, dass die Universitäten im Jahr 2015/16 mit einer höheren Grundversorgung rechnen können. „Das sind rund 100 Millionen Euro, das ist eine Menge Geld“, betont Unger. Doch wie die Universitäten und Hochschulen die ihnen zugeteilten Summen verwenden, sei ihre Sache. Unger: „Es handelt sich um autonome Einrichtungen, das darf man nicht vergessen.“ 

Michaela Zimmermann

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